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Letzte Aktualisierung: 20.06.2019

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"Krebspatienten und Angehörige durch Gesundheitspolitik im Stich gelassen"

von Ilse Romahn

(05.04.2019) Der Verein Projekt Schmetterling kompensiert seit zwölf Jahren Handlungsversäumnisse von Politik und Krankenkassen bei der Herstellung einer flächendeckenden psychoonkologischen Versorgung.

Die Diagnose Krebs trifft in Deutschland jährlich ca. 500.000 Menschen. Mit dem Befund öffnet sich für Betroffene ein Abgrund mit großen physischen und enormen seelischen Belastungen. Doch auch die Angehörigen leiden; viele davon Kinder, die die Erkrankung eines Elternteils erleben. Insgesamt sind so pro Jahr etwa 2,5 Millionen Menschen erstmals den Belastungen einer Krebserkrankung ausgesetzt. Neben einer qualifizierten medizinischen Therapie der Krankheit ist daher eine frühzeitige, einfühlsame und auf die persönlichen Bedürfnisse eingehende psychoonkologische Unterstützung von größter Bedeutung für Patienten und Angehörige. Doch diese wird nicht ausreichend von Politik und Krankenkassen unterstützt – auch finanziell. Selbst in der kürzlich ausgerufenen Nationalen Dekade gegen Krebs findet die Psychoonkologie nur wenig Beachtung.

Positive Effekte wissenschaftlich belegt
Unter dem Motto „Mit der Diagnose Krebs hin zum Leben“ setzt sich der Verein Projekt Schmetterling e.V. daher seit 2007 ehrenamtlich für die Finanzierung von innovativen stationären und ambulanten psychoonkologischen Betreuungsprojekten ein. Die finanziellen Mittel des Vereins schließen so seit mehr als zwölf Jahren eine Lücke im Gesundheitssystem. Die positiven Effekte einer psychoonkologischen Intervention gemäß „Worte helfen heilen“ sind wissenschaftlich belegt und unbestritten. Der Einsatz der Psychoonkologie im Behandlungsprozess und die Akzeptanz und Beanspruchung dieser Heilungsunterstützung durch Betroffene ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Dennoch wird die psychoonkologische Betreuung von Krebspatienten und ihren Angehörigen nicht in allen Fällen von den Krankenkassen übernommen.

Thema für Politik und Krankenkassen nicht dringend
Dabei ist eines der Ziele im Nationalen Krebsplan von 2008, die notwendige psychoonkologische Versorgung im stationären und ambulanten Bereich sicherzustellen – insbesondere die Verbesserung der außerstationären psychoonkologischen Versorgung. Doch mehr als zehn Jahre später ist eine vollständige Finanzierung von psychoonkologischer Betreuung für Krebspatienten und ihre Angehörigen nach wie vor nicht geregelt und es ist unklar, wann das der Fall sein wird. „Dieser tragische Mangel an Dringlichkeits- und Verantwortungsbewusstsein seitens Politik und Krankenkassen bestätigt die Notwendigkeit unserer Arbeit und ist Ansporn, uns auch weiterhin für die Förderung von psychoonkologischen Betreuungsprojekten zu engagieren. Betroffene müssen diese wichtige Unterstützung erhalten“, so Bernhard Läpke, Vorsitzender des Vereins Projekt Schmetterling.

www.verein-projekt-schmetterling.de