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Letzte Aktualisierung: 24.06.2019

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"Die Paulskirche muss zu einem Lernort der Demokratie werden“

CDU-Fraktion will bis zur 175-Jahrfeier fertige Sanierung und neues Dokumentationszentrum

von Ilse Romahn

(02.04.2019) Die CDU-Fraktion im Römer will bis zur 175-Jahrfeier der Deutschen Nationalversammlung von 1848 eine fertige Sanierung der Paulskirche erreichen sowie ein neues Besucher- und Dokumentationszentrum umsetzen. Dazu hat die Fraktion einen Antrag beschlossen, der außerdem die Vorgabe macht, bei den anstehenden Instandsetzungen die 1948 beim Wiederaufbau gewählte Ausstattung und Erscheinungsform der Versammlungsstätte zu respektieren.

Weiter schlägt die Union eine Aufwertung des Paulsplatzes vor. Eine Bewerbung der Stadt um das Europäische Kulturerbe-Siegel für die Paulskirche könne zudem die Bewilligung von Bundeszuschüssen begünstigen.  

In diesem Zusammenhang begrüßt die CDU-Fraktion das Werben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um mehr Engagement des Bundes für die Frankfurter Paulskirche. „Recht hat unser Staatsoberhaupt. Keinen einzigen Euro wendet der Bundeshaushalt bisher für die Paulskirche auf, obwohl sie wie kein anderer Ort das Streben der deutschen Nation nach nationaler Einheit und demokratischer Freiheit symbolisiert. Das bevorstehende 175jährige Jubiläum der Deutschen Nationalversammlung von 1848 muss ein Anlass für unsere Abgeordneten in Berlin sein, einen regelmäßigen Zuschuss des Bundes für den Erhalt der Paulskirche zu beschließen“, mahnt der kulturpolitische Sprecher Dr. Thomas Dürbeck.

Während der Bund mit hohen Millionenbeträgen etwa die Wiederherstellung des Residenzschlosses in Dresden, die Sanierung der Hohenzollerngruft im Berliner Dom und die Instandsetzung des Bismarckdenkmals in Hamburg bezuschusse, unterstütze er Orte der Demokratiegeschichte bislang leider nicht in annähernd in diesem Umfang: „Das Hambacher Schloss erhält vom Bund jährlich lediglich 100.000 Euro  – die Frankfurter Paulskirche hingegen geht völlig leer aus. Dies spiegelt nicht die Bedeutung dieser Orte wider, an denen so wichtige Grundsteine für die Verfassungsentwicklung in Deutschland und anderen europäischen Staaten gelegt wurden“, meint Dürbeck.

In Frankfurt am Main selbst müsste hingegen schon recht bald die grundsätzliche Entscheidung von der Stadtverordnetenversammlung getroffen werden, in welcher Form die Paulskirche saniert und für Besucher aus Nah und Fern attraktiver gemacht werden kann. Die CDU-Fraktion habe aus diesem Grund auf der Basis ihres Positionspapiers aus 2018 einen konkreten Antrag beschlossen, für den sie bei den Koalitionspartnern im Römer derzeit um Zustimmung werbe, so Dürbeck. 

So solle bei der Sanierung der Paulskirche die 1948 gewählte Ausstattung und Erscheinungsform  respektiert und von einer historisierenden Sanierung, insbesondere durch Einbau der Emporen im Inneren der Paulskirche, abgesehen werden. „Wir finden, aus geschichtlichen, baulichen und ideellen Gründen ist es angezeigt, die äußere und innere Gestalt der Paulskirche, so wie sie jetzt ist, zu respektieren. Die Paulskirche als Tagungsort der Deutschen Nationalversammlung von 1848/49 ist nicht nur die ‚Wiege‘ unserer deutschen Demokratie, in ihrer jetzigen Ausstattung und Erscheinungsform ist sie als frühes Zeugnis der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg ein Symbol für mehr als 70 Jahre freiheitlich-parlamentarische Verfassung in Deutschland geworden. Deshalb sollte ihre 1948 gewählte Gestaltung bei einer Sanierung unbedingt respektiert werden“, ist der CDU-Stadtverordnete überzeugt.

Die CDU-Fraktion will erreichen, dass bei der Planung aller Maßnahmen und Konzepte auch die umliegenden Denkmäler und Erinnerungsplaketten sowie eine Neugestaltung und Aufwertung des Paulsplatzes miteinbezogen und alle Sanierungsmaßnahmen bis zum Jubiläum 2023 fertiggestellt werden. „Schaffen wir das nicht, würde das kein gutes Licht auf die Stadt werfen. Eine konzeptionell stimmige Gesamtbetrachtung und Aufwertung des Paulsplatzes trägt dazu bei, Menschen zum Verweilen an diesem zentralen Ort der Stadt, ja dieser Republik einzuladen und die besondere Bedeutung des Gebäudes besser herauszustellen“, meint Dürbeck.

„Abrunden müssen wir die Neufassung der Paulskirche mit einem Konzept für ein multimediales, mehrsprachiges Dokumentationszentrum, in dem an die Ereignisse der Deutschen Nationalversammlung 1848/49 erinnert wird, und zwar unter Einbeziehung historischer und aktueller politischer Bezüge. Das würde eine Ausweitung des Führungs- und Vermittlungsprogramms, nicht nur für Touristen aus aller Welt, sondern insbesondere auch für junge Menschen und Schulklassen, ermöglichen“, ist der Kulturpolitiker überzeugt, der hinzusetzt: „Die Paulskirche muss zu einem Lernort der Demokratie werden. Denn vielen Menschen, die heute die Bundesflagge schwenken und teilweise auch für nationalistische Zielsetzungen benutzen, ist überhaupt nicht mehr bewusst, dass die Farben Schwarz-Rot-Gold Wahrzeichen des leidenschaftlichen Kampfes für Freiheit und Demokratie sind. Ein Verständnis der Paulskirche als Lernort der Demokratie ist auch geboten, wenn Frankfurt sich ernsthaft um Bundeszuschüsse für die Sanierung und weitere Konzeptentwicklung bewerben möchte“.

Die Wandelhalle in der Paulskirche, in der zurzeit einige Exponate gezeigt würden, sei aus Sicht der CDU-Fraktion für ein solches Dokumentationszentrum nicht gut geeignet, weil sie für Veranstaltungen in der Paulskirche dimensioniert ist. „Benötigt wird eine ausreichend dimensionierte und technisch entsprechend ausgestattete Ausstellungsfläche, die sich idealerweise in unmittelbarer Umgebung befindet und eine gute Sichtbarkeit des Dokumentationszentrums gewährleistet: Paulskirche sowie Dokumentations- und Besucherzentrum sollten zusammen gedacht und konzipiert werden“, so Dürbeck. Deshalb habe die CDU-Fraktion von Anfang an vorgeschlagen, das Dokumentationszentrum im benachbarten Gebäude Paulsplatz 9 unterzubringen oder alternative Standorte in unmittelbarer Nähe zu prüfen.

Die CDU-Fraktion rundet ihren Antrag ab mit dem Vorschlag, eine Bewerbung für das Europäische Kulturerbe-Siegel 2025 vorzubereiten und bereits bei der Erstellung des Konzeptes für die Paulskirchensanierung und das Dokumentationszentrum die Leitlinien für Bewerberstätten zu berücksichtigen. „Die Paulskirche hat neben einer nationalen auch eine besondere europäische Bedeutung, als eine der Stätten des europäischen Vormärz mit seinem Aufbruch zu Liberalismus, Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit. Orte wie die Paulskirche, die europäische Einigung im Geiste der Demokratie, gemeinsame Werte sowie die Geschichte und Kultur der EU symbolisieren, sind heute wichtiger denn je, um Menschen für das gemeinsame europäische Erbe zu sensibilisieren aber auch um zu zeigen, wohin ein übersteigerter Nationalismus führen kann“, so Dürbeck. Im Sinne dieses historischen Kontextes sei die CDU-Fraktion sicher, die Paulskirche hätte gute Chancen bei einer Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel, womit beispielsweise bereits das Hambacher Schloss ausgezeichnet worden sei. „Stätten, die mit dem Siegel ausgezeichnet werden, steigern damit nicht nur ihre nationale und internationale Sichtbarkeit und somit die Besucherzahlen. Sie sind auch Teil eines europaweiten Netzwerkes und können sich für Fördermittel aus anderen EU-Programmen bewerben. Daher sollten bei der Erstellung des Konzeptes für das Dokumentationszentrum die Leitlinien für das Europäische Kulturerbe-Siegel miteinbezogen werden“, so Dürbeck abschließend.