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Letzte Aktualisierung: 17.08.2018

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„Wie Du mir, so ich Dir“

„Die Komödie“ zeigt Seitensprünge mit Hindernissen

von: Karl-Heinz Stier

(22.05.2018) Der Titel verspricht Konflikte, besser gesagt partnerschaftliche Konflikte – mit zunächst ungewissem Ausgang. Selbst zur Halbzeitpause denkt man nicht an ein glückliches Ende, wie man es von einer Komödie in der Regel gewohnt ist.

Was zunächst  klar wird ist, dass jede der handelnden Personen die Absicht hat, dem anderen das heimzuzahlen, was ihr selbst angetan wurde.

Doch bleiben wir beim Ausgangspunkt. Bei der Geburtstagsfeier der Ehepaare Hudson und Nash kommen bei den beiden nicht mehr ganz so jungen Ehepaaren, deren Kinder erwachsen sind und der berufliche Aufstieg  vom Hausherrn Hudson ins Stocken geraten ist („ich bin schon 45 Jahre alt und werde von einem jüngeren Kollegen überholt“),  Zweifel auf, ob man - wie seit Jahren - weiterhin gemeinsam in den Urlaub fahren soll. Vor allem Brenda (Stefanie Theiß), die unternehmungslustige Ehefrau von Jim Nash (Dirk Waanders), aber auch Jim selbst, ein Mann, der was Frauen angeht, nichts anbrennen lässt, sehnen sich nach Abwechslung und Abenteuer („Ich meine, dass wir festgefahren sind“). Hausherr Colin Hudson hingegen (Stephan Schleberger), mehr ein konservativer Typ und seine Ehefrau Jennifer(Christine Richter) mögen  Veränderungen nicht sehr.

Doch nach intensiver Überzeugungsarbeit von Jim („Du musst mal ausspannen“), beschließen die Vier, einmal getrennt Urlaub zu machen, die Herren in Schottland beim Angeln, die Damen  in Paris. In Wirklichkeit wollen sowohl die Männer als auch die Frauen die Abwesenheit der Partner  nutzen, um mal wieder frischen Wind in ihr Liebesleben zu bringen. Und da die Wohnung der Hudsons nun nach der vermeintlichen Abfahrt der Damen frei geworden ist, organisiert der quirlige Jim  eine wilde Party mit zwei gut aussehenden, locker angezogenen, jungen Frauen, bei denen fast alles und nichts zu sehen ist. Sie fühlen sich sicher im heimischen Wohnzimmer auf Couchunterlagen und Kissen  und feiern mit nicht enden wollendem Champagnergenuss.

So weit, so gut – die Ehemänner ahnen jedoch nicht, dass ihre Ehefrauen ihren Urlaub nur vortäuschen,  um zu beobachten, was ihre vermeintlichen Schottland-Urlauber zuhause alles anstellen. Und damit beginnen die Konflikte erst so richtig.            

Die Folge von andauernden Verwechslungs- und Versteckspielen ist dann jedoch einfach zu viel. Es erscheint noch ein von Brenda bestellter junger Mann namens Richard (Benjamin Martins), der das Liebesleben der Ehefrauen durcheinander zu wirbeln scheint. Und die Gespielinnen der Ehemänner verschwinden, kommen dann wieder und all das macht das Stück der englischen Autoren Peter Yeldham und Donald Churchill durch die ständigen Wiederholungen eher langweilig.

Alles in allem: die Schauspieler spielen ihre Rollen mit Brillanz: Stephan Schleberger als Hausherr Colin, der seine ständigen Gewissensbisse  nicht verbergen kann, aber trotzdem sein Abenteuer erleben will. Auch Christine Richter als  Jennifer, die mit gekonnter Manier ihre Häuslichkeit in den Vordergrund stellt, aber dann doch  „jungen Veränderungen“ nicht abgeneigt ist und Stefanie Theiß als Brenda mit ihren langen schlanken Beinen und  auch sonst sehr auf ihr Äußeres bedacht, wird überzeugend in ihrer Abenteuerlust dargestellt. Ja, und Jim, der in seinem Part als Party-Inszenierer und Sektnachschenker  seinen Freund ständig überzeugen will, dass ihre Seitensprünge völlig legal sind. Doch seinen Charme kann er nur mühsam bei den jungen Frauen ausspielen. All das bringt Dirk Waanders gekonnt  von der Bühne zum Publikum.

Dann sind noch die Party-Girls Doreen und Fiona (Carolin Freund und Deborah Müller), die mehr durch  Zurückhaltung als durch aktives Spiel ihre Rolle ausfüllen.  Schließlich Richard (Benjamin Martins), der später im Stück dazu stößt, sich dann aber als Liebling der „gereiften Frauen“ mehr in einer Ersatzliebhaberrolle dezent versteckt.

Die Inszenierung und Regie von Stefan Schneider und seinem Assistenten Steffen Wilhelm sorgt dafür, dass die einzelnen Szenenabläufe sich nicht mit Wortdialogen überborden. Das Bühnenbild von Tom Grasshof lässt mehrere Spielvariationen zu und sorgt für überraschende Abwechslungen.

Langanhaltender Applaus des Publikums dankte den Schauspielern am Ende für die gelungene Aufführung. Und um den anfänglichen Argwohn zu zerstreuen: Es gibt ein Happy End!

Weitere Vorstellungen in der Komödie Frankfurt in der Neuen Mainzer Straße 14-18 bis zum 24.Juni (Di-Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei).

Karten ab 20,50 Euro unter der  Tel-Nr. (069)284580  oder www.diekomoedie.de