Zwischen Gesundheit, Hitzewelle und Chlorgeruch
Wenn die Temperaturen in Frankfurt Richtung 35 Grad klettern und die Sonne den Asphalt zum Glühen bringt, scheint die Antwort auf alle Fitnessfragen denkbar einfach: Ab ins Wasser! Schwimmen gilt schließlich als einer der gesündesten Sportarten überhaupt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Das Bild ist etwas komplizierter.
Foto: Poppe Prompt
Der Mythos vom perfekten Sport
Schwimmen genießt einen beinahe makellosen Ruf. Wer im Wasser trainiert, muss das eigene Körpergewicht nicht tragen, die Gelenke werden geschont und zugleich Herz sowie Muskulatur gefordert. Tatsächlich zeigen Studien, dass Menschen mit Arthrose von regelmäßigem Schwimmen profitieren können. Allerdings gilt das auch für andere gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren.
Ähnlich sieht es bei Rückenschmerzen aus. Bewegung hilft – doch das Schwimmbecken besitzt kein Exklusivrecht auf Linderung. Auch Spaziergänge können Beschwerden reduzieren. Selbst bei Bluthochdruck schneidet Schwimmen nicht grundsätzlich besser ab als andere Ausdauersportarten.
Der große Vorteil liegt derzeit vielmehr auf der Hand: Während Läufer und Radfahrer in Hitzewellen schnell an ihre Grenzen stoßen, sorgt das Wasser für angenehme Kühlung. Gerade in Zeiten häufiger Hitzewarnungen ist das ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt.
Doch selbst das vermeintlich sanfte Nass hat seine Schattenseiten. Leistungsschwimmer leiden aufgrund der ständigen Belastung von Schultern, Rücken und Knien sogar häufiger unter bestimmten Beschwerden.
Unerwünschte Badegäste
Wer sich an heißen Tagen in Seen oder Freibäder flüchtet, teilt das Wasser allerdings nicht nur mit anderen Sonnenhungrigen. Hohe Temperaturen schaffen ideale Bedingungen für Bakterien und Algen.
Besonders bekannt sind Cyanobakterien, umgangssprachlich als Blaualgen bezeichnet. Sie können bei starker Vermehrung giftige Stoffe bilden, die Hautreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Deshalb werden Gewässer regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gesperrt.
Auch Parasiten und andere Keime können vorkommen. Die gute Nachricht: Das tatsächliche Risiko einer Infektion bleibt nach vorliegenden Untersuchungen äußerst gering. Zudem werden Schwimmbäder besonders engmaschig überwacht, weshalb die Wasserqualität dort meist besser kontrolliert werden kann als in natürlichen Gewässern.
Ein Sprung ins Wasser – und die laufende Nase?
Als Redakteur stellt sich mir dennoch eine ganz andere Frage: Was ist eigentlich ärgerlicher? Gesund durch den Sommer zu schwimmen und anschließend mit laufender Nase und leichtem Schnupfen nach Hause zu gehen – oder ganz auf die Abkühlung zu verzichten und sich eine andere Sportart zu suchen?
Viele regelmäßige Badegäste kennen das Phänomen. Nach dem Aufenthalt im Wasser tropft die Nase, ein Niesreiz setzt ein oder die Schleimhäute reagieren gereizt auf Chlor und Temperaturwechsel. Ernsthaft krank wird man dadurch meist nicht, angenehm ist es aber ebenfalls nicht.
Mindestens genauso unerquicklich sind jene Mitmenschen, die den Weg zur Dusche vor dem Becken konsequent ignorieren. Wer schon einmal an einem heißen Nachmittag im überfüllten Freibad war, weiß, dass Sonnencreme-Filme auf der Wasseroberfläche und andere Hinterlassenschaften nicht unbedingt zur Urlaubsstimmung beitragen.
Eine Badeaufsicht brachte die Diskussion kürzlich treffend auf den Punkt: „Eigentlich ist das Abduschen vor allem dazu gedacht, eine gewisse Körpertemperatur zu bekommen. Richtig duschen geht allerdings nur mit Seife.“
Vielleicht liegt darin die eigentliche Lehre des Sommers 2026: Schwimmen ist gesund, aber kein Wundermittel. Und wer seinen Mitmenschen etwas Gutes tun möchte, springt nicht nur ins Wasser – sondern vorher auch kurz unter die Dusche - und zwar mit Seife.
Vielleicht ist die ganze Debatte um Keime, Schnupfennasen und Duschmuffel auch nur die Sicht eines schwimmbegeisterten Redakteurs, der sich an heißen Tagen einfach etwas mehr Platz auf seiner Bahn wünscht. Böse Zungen kommentieren in sozialen Medien bereits mit „Weg mit dem Treibholz! lol“. Der Autor weist diesen Vorwurf selbstverständlich entschieden zurück – und schwimmt nun erst einmal eine Runde weiter.
Weitere Artikel aus der Kategorie: