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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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Zweimal Bongo-Nachwuchs im Zoo

Engagement für weltweiten Naturschutz verstärken

von Karl-Heinz Stier

(24.06.2020) Den Tieren im Frankfurter Zoo geht es auch in Zeiten von Corona gut. Trotz vieler Herausforderungen im Management und hoher Einkommensverluste durch die fast siebenwöchige Zooschließung gab es bei der Versorgung und Pflege der Tiere bislang keinerlei Engpässe.

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Nachwuchs Forrest ist 13 Tage alt und wiegt 29 Kilo – 7 Kilo mehr im Durchschnitt üblich.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Forrest wird von ihrer Mutter LEKI liebkost.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Dr. Schenk (links) und Zoodirektor Dr. Casares bei ihren Ansprachen vor dem Gehege der Bongos.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Bei vielen Tieren stellte sich Nachwuchs ein – auch bei Arten, die im Freiland hochgradig bedroht sind, sagt  Zoodirektor Dr. Miquel Casares. Als Beispiel dafür nannte er die ostafrikanischen Bongos. Zweimal Nachwuchs stellte sich im Juni ein. Einmal Forrest (männlich) geboren von der Mutter LEKI (7 Jahre alt) und dem Vater DAKARAI (4 Jahre alt). Sein Gewicht betrug 29 Kilo, sieben Kilo mehr als im Durchschnitt. Zum Zweiten am 19 Juni PILI (weiblich) von der Mutter KAWANA (6 Jahre alt) und ebenfalls vom Vater DAKARAI.

Schon vor der Krise war die Situation der Bongos in Ostafrika prekär. Mittlerweile leben mehr Bongos in Zoos (etwa 400) als im tropischen Regenwald Afrikas. Ostafrikanische Bongos sind laut Roter Liste vom Aussterben bedroht. Die Bongos zeichnen sich nicht als große Läufer aus, dafür sind sie mit einem Gewicht von 190 bis 220 Kilo zu schwer und für den Menschen oder große Räuber leicht zu erjagen. 1970 wurde das erste gezüchtete Bongo-Kalb in Frankfurt geboren. Sie gelten als die „Überlebensbotschafter für die großen Schutzgebiete in Kenia“.

In diesem Zusammenhang machte der Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft in Frankfurt Dr. Christof  Schenk, der die guten Beziehungen seiner Organisation zum Frankfurter Zoo hervorhob, auf die aktuelle Situation der Arten– und Naturschutzarbeit in den ursprünglichen Lebensräumen der Tiere aufmerksam.  Das neuartige Corona-Virus hätte einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Schutz der Tropenwälder und seiner reichen Reservoirs an Arten ist, in die der Mensch jedoch immer mehr eindringt und damit die Wahrscheinlichkeit für neue Krankheiten erhöht. „Die Covid-19-Pandemie sollte auch dem Letzten die Augen öffnen und klarmachen, dass der Schutz natürlicher Lebensräume elementar ist für das Wohlergehen der Menschheit. Krankheiten wie Covid-19 entstehen eher in geschädigten Ökosystemen. Daher sind Bioversitäts– und Klimaschutz auch unser bester Schutz vor weiteren Pandemien dieser Art“.

Der Natur- und Artenschutz stehe trotz seiner Wichtigkeit allerdings auch vor neuen Problemen: In Nationalparks in Afrika oder Südamerika ist mit der Pandemie der Tourismus und damit eine wichtige Finanzquelle der Parks weggebrochen. Dadurch können Ranger nicht mehr bezahlt werden und illegale Aktivitäten werden zunehmen – Wilderei von bedrohten Tierarten, aber auch illegaler Holzeinschlag oder der Abbau von Bodenschätzen, etwa Gold. „Daher müssen wir über neue Modelle nachdenken, die eine nachhaltigere und vom Tourismus unabhängige Sicherung von Schutzgebieten möglich machen“, sagte Dr. Schenk. Um Pandemien wie Corona zu verhindern seien große Wildnis-Gebiete systemrelevant. Gerade die europäischen Länder forderte er auf, sich dafür einzusetzen und mitzufinanzieren.