Archiv-Kultur

Zwei starke Stücke „gegen das Vergessen“ im Holzhausenschlösschen

Mit „Heute Abend: Lola Blau“ und „Empfänger unbekannt“ präsentiert die Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen vom 6. bis 10. November zwei starke Stücke „gegen das Vergessen“.
Sabine Fischmann
Sabine Fischmann
Foto: Petra Bruder
Empfänger unbekannt
Empfänger unbekannt
Foto: Michael Raphael Klein

Heute Abend: Lola Blau
1938 – noch tobt auf der Welt kein weiterer Krieg. Und dennoch verliert die Jüdin Lola Blau mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ihre Heimat. Die Ohnmacht und Unterdrückung vermögen es aber nicht, ihren Willen zu brechen: Singend und tanzend will sie das Publikum von den Bühnen der Welt aus begeistern. Vor dem Krieg rettet sich Lola Blau in die USA und macht dort Karriere, die ihren Tribut fordert. Die Rückkehr nach Wien bringt nur die Erkenntnis, dass sich das Denken der Menschen nicht ändert. Moral und Showbusiness, Einsamkeit und gefälschte Körperlichkeit, Hoffnung und Ohnmacht stehen sich in „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler (1922-2011) gegenüber.

Seine Aktualität hat das 1971 uraufgeführte, humorvoll-melancholische Musiktheater bis heute nicht verloren. Die Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen präsentiert es am 6., 7., 8. und 10. November, jeweils um 19:30 Uhr, mit der ausgezeichneten Singschauspielerin Sabine Fischmann als Lola Blau und dem Pianisten Markus Neumeyer. Die Inszenierung wird durch Tonaufnahmen der Zeitzeuginnen Aviva Goldschmidt und Eva Szepesi bereichert, die Auszüge aus ihren Biografien erzählen.

Empfänger unbekannt
Am 9. November, dem Abend der Reichspogromnacht, steht mit „Empfänger unbekannt“ von Kathrine Kressmann Taylor (1903-1996) ein weiteres Stück „gegen das Vergessen“ auf dem Programm im Holzhausenschlösschen. Interpretiert von den Schauspielern Manuel Klein und Michael Klein, erzählt es von der sich entzweienden Freundschaft zwischen dem Deutschen Martin Schulse und dem amerikanischen Juden Max Eisenstein. Gemeinsam betreiben sie eine florierende Kunstgalerie in den USA, bis sich Schulse 1932 entschließt, nach Deutschland zurückzukehren. Der in den USA gebliebene Eisenstein muss miterleben, wie sein Freund immer mehr den gefährlichen Verlockungen des Nationalsozialismus erliegt. Die szenische Einrichtung (Hannelore Bähr) des 1938 erschienenen Briefromans wartet mit einem besonderen Aufbau der Spielfläche auf, der die Trennung zwischen Bühne und Publikum aufbricht und die Zuschauer so stärker ins Geschehen einbindet.

Eintrittspreise für „Heute Abend: Lola Blau“: € 25,- (Parkett, Reihe 1-5) / € 19,- (Parkett, Reihe 6 und Fensterbänke) / € 14,- (Empore, eingeschränkte Sicht) Vorverkauf: ADticket GmbH. Online: https://frankfurter-buergerstiftung.reservix.de/events  Tickethotline: (069)407662580
Abendkasse eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Der Eintritt für „Empfänger unbekannt“ ist frei. Eine Anmeldung über die Website der Frankfurter Bürgerstiftung (www.frankfurter-buergerstiftung.de) ist erforderlich.

Veranstaltungsort – Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen, Justinianstraße 5, 60322 Frankfurt am Main