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Letzte Aktualisierung: 29.01.2020

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Ziegenzucht und harte Arbeit: „Museum in der Anstalt“ in Alsbach-Hähnlein ausgezeichnet

von Ilse Romahn

(30.12.2019) Auszeichnung „Museum des Monats“ würdigt anschauliche Ausstellung zum Leben und Arbeiten auf dem Land.

Einst rettete die diakonische „Knaben-Rettungsanstalt“ in Alsbach-Hähnlein junge Männer vor dem Elend. Heute beherbergt das historische Haus im Stadtkern der Riedgemeinde ein Heimatmuseum, das sich auf das Alltags- und Arbeitsleben der vergangenen Jahrhunderte konzentriert: Anschaulich zeigt der Museumsverein Alsbach-Hähnlein zum Beispiel die Geschichte der Ziegenzucht im Ort und die anstrengende Hausarbeit zur Zeit der Industrialisierung. Für ihren Einsatz für die Heimatgeschichte wurden die Mitglieder nun geehrt: Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn hat heute dem Haus die Auszeichnung „Museum des Monats“ verliehen und 1.000 Euro Preisgeld überreicht. 

„Wer das ,Museum in der Anstalt‘ betritt, erlebt eine kleine Zeitreise“, so Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Vor allem für Kinder ist die Ausstellung anschaulich gestaltet: Sie sehen, dass etwa Waschen und Kochen sehr anstrengend waren und viel Zeit in Anspruch genommen haben, wie ein Schuhmacher arbeitete oder wie wichtig die Ziegenzucht für den Ort war. Der Museumsverein hat nicht wahllos gesammelt, sondern gezielt Alltagsgegenstände gesucht und geschichtliche Aspekte behandelt, die spannend vom Leben in einem ländlichen Dorf erzählen. So wird Heimatgeschichte lebendig – und macht Lust, mit offenen Augen durch den Ort zu gehen. Ich danke den Mitgliedern des Museumsvereins herzlich für ihre Arbeit und gratuliere zur Auszeichnung.“ 

Das „Museum in der Anstalt“ macht unter anderem den gesellschaftlichen Wandel im Ort deutlich: Mit Beginn der Industrialisierung und einsetzender Armut der Landbevölkerung begannen viele Menschen, in den Darmstädter Fabriken zu arbeiten. Landwirte blieben sie nebenerwerblich – und hielten Ziegen; ein präpariertes Exemplar blickt den Museumsgästen heute noch entgegen. Unter der Überschrift „Früher – war nichts besser“ entdecken die Besucherinnen und Besucher unter anderem Waschtröge, Waschbretter, Mangeln und damalige Küchenausstattungen. 

Auch die Zusammenlegung der Gemeinden spielt eine Rolle. Im Jahr 1977 prallten zwei Welten aufeinander, als Alsbach an der Bergstraße mit Villen und Nähe zu Schloss Heiligenberg auf das ländlich geprägte Hähnlein traf. Zudem gibt es Informationen zur Frühgeschichte der Region: Ein archäologisches Kabinett zeigt einen gewaltigen Mammutstoßzahn und weitere Grabungsfunde in der Gemarkung. Die Geschichte des Hauses, in dem das Museum untergebracht ist – eine ehemalige Knabenrettungsanstalt für sozial verelendete Jugendliche – wird ebenfalls dokumentiert. 

Hintergrund: Die Auszeichnung „Museum des Monats“
Die Auszeichnung „Museum des Monats“, die mit 1.000 Euro dotiert ist, wird seit Juni 2018 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Der Hessische Museumsverband trifft eine Vorauswahl aus den mit Projektfördermitteln des Landes Hessen unterstützten privatrechtlichen Museen. Die Mindestanforderungen an ein Museum müssen erfüllt sein, weiterhin geht es um qualitätsvolle Museumsarbeit, die sich durch besondere Vermittlung, Forschung oder Ausstellungen auszeichnet. Bevorzugt werden Museen im ländlichen Raum ausgewählt. Alle ausgezeichneten Museen werden auf kunst.hessen.de vorgestellt.