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Letzte Aktualisierung: 20.01.2021

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Zeitgenössische Kunstausstellung `Identität` im Ignaz-Bubis-Gmeindezentrum

von Ilse Romahn

(22.10.2020) Ignatz Bubis Gemeindezentrum Frankfurt inspiriert mit internationaler Kunst inmitten der COVID-Herausforderungen.

Ausstellung IDENTITÄT
Foto: Grafik: Bureau 069, 2020
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Anlässlich der 40-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt am Main und Tel Aviv zeigt die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main in der Westendstraße43 eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst zum Thema Identität. Vom 23. Oktober bis 15. November 2020 sind im Foyer des Ignatz Bubis-Gemeindezentrums Kunstwerke von 18 jüdischen und nichtjüdischen Künstler*innen zu sehen, die ihre Arbeiten zum Teil speziell für diesen Ort entwickelt haben. Herausgekommen ist eine kluge, inspirierende Auseinandersetzung mit zentralen Herausforderungen der Gegenwart.

Die Ausstellung wird am 22. Oktober um 20.00 Uhr von Marc Grünbaum, Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, und Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, eröffnet. Dabei erhalten zwei der teilnehmenden Künstler*innen den mit 5.000 und 3.000 Euro dotierten Kunstpreis der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie des Kulturamts der Stadt Frankfurt am Main.

Die Jüdische Gemeinde hatte vielversprechende Absolventen von internationalen Kunstakademien eingeladen, Kunst zum Thema „Identität“ zu entwickeln. Zu den Kunstschulen gehörten die Städel Schule Frankfurt, die israelischen Kunsthochschulen Beit Berl und Bezalel, die Slade School und das Goldsmiths College London. Unter den Absolventen sind auch Meisterschüler*innen internationaler bekannter Künstler*innen wie Andreas Gursky, Katharina Grosse und Tobias Rehberger.

Marc Grünbaum: „Mit der Ausstellung laden wir nicht nur unsere Gemeindemitglieder, sondern alle Bürger Frankfurts ein, sich in den gegenwärtigen herausfordernden Zeiten inspirieren zu lassen. Bei der Überlegung, ob wir die Ausstellung stattfinden lassen, haben wir gesagt: Jetzt erst recht! Gleichzeitig appellieren wir an die Einhaltung der aktuell geltenden Regeln. Nur so kann Kultur weiter stattfinden.“

Die Künstler*innen haben Arbeiten auf Papier, Leinwand und digitale Fotoarbeiten entwickelt, Videokunst und eine Installationen für die Glasfassade wurden entwickelt, die zum Teil auch von außen den Eingang des Gemeindezentrums neu erstrahlen lassen. Das Ignatz Bubis-Gemeindezentrum wird durch diese Ausstellung als lebendiger Ort jüdischen Lebens in Frankfurt auf eine neue Weise erfahrbar. 

 

Beteiligte Künstler*innen: Bernhard Adams, Elad Argaman, Raphael Brunk, Yael Frank, Liat Grayver, Olga Grigorjewa, Roey Victoria Heifetz, Atalya Laufer, Miriam Naeh, Anna Nero, Richard Nikl, Anna Perach, Nadia Perlov, Michal Raz, Antonia Rodrian, Paul Schuseil, Noga Shatz, Dahye Son.

Jury: Marc Grünbaum (Vorstand und Kulturdezernent, Jüdische Gemeinde Frankfurt), Iris Hasler, (Kuratorin für Gegenwartskunst, Städel Museum), Prof. Bernd Kracke (Präsident der Hochschule für Gestaltung Offenbach und Sprecher der Hessischen Kunsthochschulen), Ina Lockhart (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Dr. Ruth Polleit Riechert (Kunsthistorikerin).

Öffnungszeiten der Ausstellung: Sonntag bis Donnerstag: 10:00 Uhr – 18:00 Uhr, Freitag: 10:00 Uhr – 14:00 Uhr. Eintritt ist frei. 

In Gesellschaft und Politik ist der Begriff der Identität von zentraler Bedeutung, dient er doch oftmals der Durchsetzung von Interessen. Zugleich verstehen wir unter Identität etwas zutiefst Persönliches – ein Selbstverständnis, eine innere Qualität, die jede*r Einzelne im Laufe des Lebens kultiviert. Diese Spannung verdeutlicht bereits die enorme Komplexität des Themas – Herkunft, Familie, Kultur, Sprache, sexuelle Orientierung oder Religion sind nur einige der Parameter, die Identität konstituieren können. Dieser thematischen Vielfalt entspricht eine Pluralität der künstlerischen Ansätze, Methoden und Materialien.

Die jüdische Erfahrung ist seit jeher von der Diaspora geprägt, vom Leben inmitten des anderen. In jüngerer Zeit machen immer mehr Menschen weltweit die Erfahrung von Migration und Neuankommen, so auch viele er beteiligten Künstler*innen dieser Ausstellung. Abgrenzung und Gemeinsamkeit sind somit zwei Eckpfeiler, entlang derer Identität verhandelt wird. Doch die hier gezeigten Positionen gehen weit über bloße Polaritäten hinaus.

Die Ausstellung zeigt wie originell, feinfühlig und differenziert diese zwischen 1978 und 1990 Geborenen mit dem Thema Identität umgehen. So bilden der Zivilisationsbruch der Schoa, nicht-binäre Körperlichkeit, die Verflechtung von Mythos, Geschichte und Erzählung oder die (Un)Sichtbarkeit menschlicher Spuren den Resonanzraum für die ästhetische Auseinandersetzung mit der persönlichen Identität und dem Verortetsein in der Welt.

Informationen und Anmeldung zu Führungen unter: www.jg-ffm.de/karten
Anfragen für Gruppenführungen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche richten Sie bitte an: kultur@jg-ffm.de