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Zeit allein heilt nicht alle Wunden. Sichtbarkeit von Narben reduzieren

Sei es ein kleines Überbleibsel aus Kindertagen oder eine stetige Erinnerung an die längst vergangene Operation: Die meisten Menschen tragen an irgendeiner Stelle ihres Körpers eine Narbe, medizinisch Cicatrix genannt. Manche stört sie nicht weiter – sie sehen die Narbe als Andenken oder Mahnmal für ein besonderes Ereignis in ihrem Leben. Doch nicht jeder kann positiv auf diese Hautveränderungen blicken. Einige möchten sie lieber verstecken oder gänzlich verschwinden lassen.

„Neben einer guten Pflege der Wunde können auch medizinische Behandlungen die Narben weniger auffällig erscheinen lassen“, erklärt Dr. Lijo Mannil, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Klinik für Chirurgie V am St. Vinzenz-Hospital Köln.

Keine Narbe gleicht der anderen

Je nach Verletzung, Alter oder erblichen Faktoren verlaufen Wundheilung und Narbenbildung bei jedem Menschen anders. Mediziner unterscheiden zwischen drei verschiedenen Arten. Hellrote, verhärtete und verdickte Hautstellen, hypertrophe Narben genannt, treten meist nach Operationen oder Bissen auf. Sie jucken, brennen oder schmerzen oftmals, dies begrenzt sich jedoch lediglich auf die Fläche der Wunde. Liegen die Narben tiefer als die Haut, die sie umgibt, sprechen Mediziner von Atrophien. Sie treten zum Beispiel durch schwere Akne auf und lassen sich anhand von eingesunkenem Gewebe erkennen. Wuchernde Narben, Keloide genannt, haben eine hellrote Farbe und dehnen sich über die Wunde hinaus aus. Sie entstehen vor allem nach Verbrennungen, wenn der Körper Bindegewebe in Überschuss produziert.

Hilfe zur Selbsthilfe

Eine gute Pflege kann den Heilungsprozess der Wunde beschleunigen und das Ausmaß der Narbe teilweise verringern. Wichtig ist eine gute Durchblutung der betroffenen Stelle. Daher sollten Raucher für eine ideale Wundheilung soweit es geht auf Nikotin verzichten, da es die Blutgefäße verengt. Auch starke Temperaturreize, wie in der Sauna, oder Sonneneinstrahlung wirken sich negativ auf die Wundheilung aus. Betroffene sollten diese Situationen daher möglichst meiden oder eine Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor verwenden. Es empfiehlt sich außerdem, die Wunde sanft zu massieren und einzucremen, um die Durchblutung anzuregen und die Haut weich und geschmeidig zu halten. Wundsalben können eine Linderung des Juckreizes bewirken, während spezielle Gele Entzündungen und Wucherungen vorbeugen. „Narben verändern sich bis zu zwei Jahre lang nach Entstehung der Wunde“, so Dr. Mannil. „Erst danach kann ein korrigierender Eingriff durch einen Arzt erfolgen.“

Medizinische Optionen

Von Laser über Operationen bis hin zu Spritzen oder Druckverbänden: Wer die unschöne Hautveränderung dauerhaft entfernen möchte, steht vor einer Vielzahl von Möglichkeiten. Um zum Beispiel tiefe Brandnarben zu glätten, eignet sich das sogenannte Medical Needling. Unter örtlicher Betäubung behandelt der Arzt die Haut mit einer Art Roller, der mit rund drei Millimeter langen Nadeln besetzt ist. Die minimalen Wunden, die die Nadeln erzeugen, regen die Hautzellen der oberen Hautschicht an. Dadurch setzt der Körper beispielsweise Kollagen frei, sodass sich die Haut regeneriert. Auch die Eigenfettunterspritzung bietet eine gute Möglichkeit, das Erscheinungsbild einer Narbe positiv zu beeinflussen. „Hierbei unterspritzen wir die betroffene Hautstelle mit Fettgewebe, das wir dem Patienten zuvor entnommen haben. Dieses bildet dann unter der Narbe eine Art Verschiebeschicht, die sie weicher macht und weniger auffällig erscheinen lässt“, erklärt Dr. Mannil. Doch nicht jede Behandlung eignet sich auch für jede Art von Narben. Daher sollten Betroffene zur Therapie eine individuelle Behandlung abstimmen. www.vinzenz-hospital.de