Wunderschönes Erlebnis mit faszinierenden Vögeln
Eulenwanderungen in der Nordpfalz als besondere Attraktion
Woody schaut einen mit großen Augen an. Der niedliche Woodfordkauz ist einer der gefiederten Bewohner der Falknerei mit ihren rund 50 Greifvögeln. Einige Eulen davon starten alsbald auf einen Spaziergang durch die Wiesen-, Acker- und Baumlandschaft rund um Bisterschied. Und zwar auf den Armen von zehn Besuchern, die sich auf einen wunderschönen Spaziergang begeben. Diese zweieinhalb Kilometer lange Strecke ist befestigt und damit auch für Kinderwagen und Rollstühle geeignet.
Achim Häfner hat in dem kleinen Dörfchen nahe Rockenhausen am Donnersberg 2019 ein 5000 Quadratmeter großes Gelände erworben und mit Mitarbeitern in Eigenleistung einen Hof saniert und restauriert. Damit für die Greifvögel in Volieren und naturnaher Gegend ein behagliches Zuhause geschaffen. Zuvor war er jahrelang in der Südpfalz angesiedelt gewesen, wo der gebürtige Frankenthaler eine Auffangstation für die Tiere aufgebaut und bereits 2017 dort Eulenwanderungen initiiert hatte. „Ich habe damals gleich gemerkt, dass die Arbeit mit den Eulen sehr gut funktioniert“, erzählt der ausgebildete Falknermeister. Dann erfolgte der Umzug in die Nordpfalz, wo er und seine Mitstreiter ein geeigneteres, größeres Areal fanden. „Selbstverständlich legen wir großen Wert auf das Tierwohl, das steht bei uns an erster Stelle. Und wir stehen mit den zuständigen Behörden wie dem Veterinäramt oder der Naturschutzbehörde in engem Kontakt“, betont Häfner.
Zu seinem Team gehören auch seine Ehefrau und Falknerin Katharina Helene Häfner sowie die Falkner Alexander Gutmann und Michael Hoffmann. Sie bieten den Besuchern dank ihrer weitreichenden Kompetenz eine überaus herzerwärmende Tuchfühlung mit den Eulen. „Wir schauen vor den Wanderungen genau, welche Eulen zu welchen Personen passen“, berichtet Katharina Häfner. Natürlich bekommen jüngere Besucher wie Kinder kleinere Kauze, für die älteren darf es dann schon mal eine Schleiereule oder gar ein stattlicher Uhu sein.
Zu Beginn der Eulenwanderung, bei der die Gruppenzahl auf zehn begrenzt ist, gibt es erst einmal eine Vorstellungsrunde. Die Teilnehmer, erzählen dabei unter anderem, welche Hobbies oder Berufe sie haben. „Sind Personen dabei, die eher einen ruhigen Charakter haben, bekommen sie einen munteren Vogel, die mehr aktiven Leute einen ruhigeren“, teilt Katharina Häfner mit. „Wir kennen unsere Vögel sehr gut und sehen, welche von ihnen für die jeweiligen Menschen geeignet sind“, sagt Michael Hoffmann. Der Falkner, der aus Mönchengladbach zu dem Team dazugestoßen ist, ergänzt noch: „Die Eulen haben so etwas wie eine eingebaute Ruhe, die sich weitergeben.“ Selbstverständlich werden zu Beginn alle Eulengänger mit entsprechenden festen Handschuhen ausgestattet. „Sie dürfen auch Fragen stellen, die wir gerne und sachkundig beantworten“, teilt Hoffmann mit.
Es ist erstaunlich, wie schnell Mensch und Tier auf der Strecke eine Einheit bilden. Zwar zeigt der eine oder andere anfangs ob der spitzen Schnäbel der Vögel noch etwas Skepsis, diese legt sich aber schnell. Vor allem, wenn man den Eulchen Streicheleinheiten über ihr wunderschönes Gefieder gibt und diese den Sympathiebeweis ihrer Trägerinnen und Träger sichtlich genießen.
„Viele Leute die zu uns kommen werden hier aus ihrem oft recht hektischen Alltag herausgeholt, sie entschleunigen und bauen bei diesem entspannten Spaziergang in der Natur Stress ab“, berichtet Achim Häfner. Selbst Kinder sind ganz offensichtlich total begeistert von dem ungewöhnlichen Erlebnis. Davon zeugen die strahlenden Augen.
Auch bei den Erwachsenen. Doris war mit Tochter Julia und ihren Enkelinnen Leila und Luna aus Bad Dürkheim gekommen. „Diese Eulen sind wirklich wunderschön“ schwärmt sie. „Vor allem die Augen sind faszinierend“ strahlt Doris. Mareike und Fiona aus Frankfurt zeigen sich ebenfalls begeistert: „Die Eulenwanderung ist eine tolle Sache“, so Mareike. „Ein Geburtstagsgeschenk der ganz besonderen Art“, freut sich Fiona.
Zum Schluss der Tour gibt es eine Abschiedsrunde vor einem Lagerfeuer. Dabei werden die Vögel unter den Teilnehmern kurz getauscht, um auch die Eulen der anderen einmal näher zu bestaunen. Einer, der an diesem Tag seinen Vogel schweren Herzens weitergegeben hat, wird etwas unruhig. „Ich will meinen Woody wiederhaben“, lächelt der Frankfurter. Bekommt er. Und verspürt am Ende ein wenig Trennungsschmerz.
Die Eulenwanderung ist nicht die einzige Aktivität, die Achim Häfner und sein Team anbieten. Häfner ist auch bekannt als „Falkner der Herzen“. Die hat seinen berechtigten Grund: Es liegt an seinem großen sozialen Engagement. Er besucht mit seinen Eulen und Greifvögeln Patienten in Einrichtungen wie Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Palliativstationen, Hospize, Häuser für behinderte Menschen oder Kinderkrebsstationen. Öfters auch unentgeltlich.
„Diese Menschen erleben durch die Tiere eine kurze, aber unvergessliche Zeit voller Gefühl, Liebe und Frieden“, erzählt Achim Häfner. Die Vögel dürfen gestreichelt und mit ihnen gekuschelt werden. „Die Eulen wecken bei den oft schwer kranken Patienten Emotionen, sie bringen Momente der Freude und des Lächelns zurück.“
Der Falkner aus Bisterschied ist mit seinen Therapieeulen in ganz Deutschland unterwegs. Er besuchte schon Einrichtungen in Berlin, Hamburg oder Stuttgart. Und hat selbst viele emotionale Erlebnisse gehabt. Einige hat er auch schon in einer Fernsehsendung des Hessischen Rundfunks in Frankfurt erzählt.
„Einmal hat mich die Frau eines krebskranken Mannes, der in einem Hospiz in Koblenz lag, kontaktiert. Dieser wollte noch einmal eine Eule sehen. Wir haben diesem Menschen sehr gerne diesen Wunsch erfüllt, und an seinem Gesichtsausdruck war zu erkennen, dass es ihm große Freude bereitet hat“, erzählt Häfner.
In einer Hamburger Einrichtung für körperlich und geistig behinderte Menschen hat ein Patient, der seine Hände nicht mehr bewegen konnte, eine Eule mit seinen Füßen gestreichelt, berichtet der Falkner. „Plötzlich gingen seine Hände auf.“ Eine andere Begegnung hatte er mit einem Mädchen, das an Multipler Sklerose erkrankt und bewegungsunfähig war. „Sie konnte den Vogel leider nicht mehr streicheln. Die Eule ist daraufhin dem Mädchen mit den Federn über das Gesicht gefahren.“ Die schwerkranke Patientin hat daraufhin geweint. Vor Freude, wie sie dem Pflegepersonal mitteilen konnte. Besonders bewegend seien die Besuche in einem Speyerer Kinderhospiz, welches Achim Häfner oft mit seinen Eulen besucht. „Wir möchten den kleinen Patienten ihr Leid ein wenig lindern, ihnen und auch ihren Angehörigen etwas Freude schenken“, sagt er. Und hält einen Moment inne bei seinen Erzählungen.
„Diese Geschichten bewegen einen schon, das berührt“, bekennt Achim Häfner. „Solche schweren Schicksale nimmt man dann doch mit nach Hause.“ Im Nachgang wird dann meist mit dem Team in Bisterschied über solche Situationen gesprochen. Und dann stehen wieder die nächsten Termine an, um Menschen Momente von Emotionen und Nächstenliebe zu geben. Man kann sich kaum vorstellen, dass der empathische „Falkner der Herzen“ früher einmal hartgesottener Eishockeyspieler in Mannheim war.
Info: www.Falknerei-Bisterschied.de; www.FalknerDerHerzen.de
Da die Nachfragen an den Eulenwanderungen sehr hoch sind, empfiehlt sich eine Terminanfrage unter Anfrage@FalknerDerHerzen.de
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