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Letzte Aktualisierung: 12.07.2024

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Wolfgang Löb: Ein halbes Jahrhundert beim Ortsgericht in Altenhain

von Adolf Albus

(27.06.2024) Ein solches Jubiläum begeht man sicher nicht jeden Tag: Wolfgang Löb wurde im Rahmen einer Feierstunde im Rathaus heute für sein 50-jähriges Engagement im Ortsgericht Altenhain geehrt.

Der Jubilar Wolfgang Löb (Mitte) mit Bürgermeister Dr. Frank Blasch und Dr. Nicole Demme, Richterin am Amtsgericht Königstein
Foto: Stadt Bad Soden
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Die Ehrenurkunde des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein überreichte Dr. Nicole Demme, Richterin am Amtsgericht Königstein und zuständig für das Ortsgericht in Altenhain.

„Dieser Tag ist etwas Besonderes und eine schöne Gelegenheit, Danke zu sagen“, freute sich die Amtsrichterin, die die bürgerfreundliche und unkomplizierte Arbeit in den Ortsgerichten besonders schätzt. „Ihre Tätigkeit im Ortsgericht ist sehr verbindend und eine Bereicherung für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch mit großer Verantwortung verbunden.“

Gelebte Bürgernähe

In die gleiche Kerbe schlug auch Bürgermeister Dr. Frank Blasch: „Das, was Sie hier seit fast 50 Jahren tun, ist gelebte Bürgernähe. Und über all die Jahre hat das in Altenhain wunderbar funktioniert!“ „Fast 50 Jahre“ sind es, weil Wolfgang Löb bisher „nur“ knapp 49 Jahre im Ortsgericht tätig ist, seine 18-monatige Bundeswehrzeit aber zu der im öffentlichen Dienst geleisteten Zeit hinzugerechnet wird.

Ortsgerichte gibt es nur in Hessen

Ortsgerichte gibt es in dieser Form übrigens nur in Hessen, und die Historie reicht 200 Jahre zurück. Vorläufer der Ortsgerichte waren die so genannten „Haingerichte“ aus den Jahren um 1800 herum. Jede Stadt oder Gemeinde verfügt über mindestens ein Ortsgericht – Bad Soden am Taunus über drei, in jedem Stadtteil eines. Sie sind Hilfsbehörden der Justiz und bieten zahlreiche Dienstleistungen an. Ortsgerichte leisten dabei sowohl Hilfestellungen für Bürgerinnen und Bürger als auch für Behörden und Gerichte. So können vom Ortsgericht Unterschriften oder Abschriften öffentlich beglaubigt, Schätzungen vorgenommen, gutachterliche Stellungnahmen abgegeben, Sterbefallanzeigen erteilt, ein Nachlass gesichert oder Auskünfte erteilt werden. Für ihre Dienstleistungen erheben die Ortsgerichte Gebühren auf gesetzlicher Grundlage, die abhängig von der jeweils erbrachten Leistung sind.

„Und diese Gebühren sind deutlich niedriger als ein Termin beim Notar oder Sachverständigen, wie er in den übrigen deutschen Ländern notwendig ist“, weiß Amtsrichterin Demme. Die Ortsgerichtsmitglieder sind Ehrenbeamtinnen und Ehrenbeamte und werden auf Vorschlag der Stadtverordnetenversammlung vom zuständigen Amtsgericht in Königstein ernannt.

Ortsgerichtsvorsteher im „Dauer-Abo“

Gewählt werden die Ehrenbeamten des Ortsgerichts auf fünf Jahre (ab 65 Jahre)  bzw. zehn Jahre. Wolfgang Löb hatte in all den Jahren so etwas wie ein „Dauer-Abo“: Seit 1975 ist er im Ortsgericht Altenhain tätig, zunächst als Stellvertreter, dann seit 1993 als Ortsgerichtsvorsteher. Für seine Ehrenamt erhielt er 2019 den Ehrenbrief des Landes Hessen. Langjährige Weggefährten sind sein Stellvertreter Josef Herr und die Ortsgerichtsschöffen Adolf Schneider, Peter Steuper und Georg Thoma.

„Wir waren immer ein tolles Team im schönsten Stadtteil von Bad Soden und es gab eigentlich so gut wie nie Ärger: Wir haben für alles immer eine gute Lösung gefunden“, erklärt der Jubilar bescheiden. Einen Wermutstropfen gab es dann doch auch: Im nächsten Jahr soll Schluss sein und die Entscheidung stehe fest, so Löb: „Die 50 Jahre mache ich noch voll.“

Langweilig wird es dem 77-Jährigen sicher nicht: Die Familie und zwei Enkel haben dann vielleicht etwas mehr von ihm. Wäre da nicht das 150-jährige Jubiläum des Gesangvereins Taunuszweig 1875 Altenhain, dessen Erster Vorsitzender Wolfgang Löb seit vielen Jahren ist. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für die Festlichkeiten im März 2025 auf Hochtouren, bestätigt Löb, der seit 60 Jahren auch aktiver Sänger ist.

Ortsgericht muss sich neu aufstellen

Die Suche nach einem Nachfolger läuft in diesen Tagen bereits an und bleibt nicht auf den Ortsgerichtsvorsteher beschränkt. Denn das gesamte Team will sich aus dem Ehrenamt zurückziehen. Wer interessiert ist, kann sich auf der städtischen Homepage unter dem Stichwort „Karriere“ oder bei Ilka Bobowski unter der Rufnummer(06196)208 101 melden.