Wirtschaft in Frankfurt Rhein‑Main unter Druck
Die wirtschaftliche Entwicklung in Hessen und damit auch in der Metropolregion Frankfurt Rhein‑Main hat im Jahr 2025 einen Dämpfer erhalten. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) Hessens um 0,2 Prozent gesunken. Damit blieb das Land hinter dem Bundesdurchschnitt, der ein leichtes Plus von 0,2 Prozent verzeichnete, zurück.
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Für die export- und dienstleistungsstarke Region Frankfurt Rhein‑Main, die traditionell als wirtschaftlicher Motor Hessens gilt, ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Während Hessen im Jahr 2024 noch ein reales Wachstum von 0,4 Prozent erzielen konnte, kehrte sich der Trend 2025 um – trotz weiterhin steigender nominaler Wirtschaftsleistung.
Nominales Wachstum – reale Stagnation
Ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung legte das hessische BIP 2025 um 3,0 Prozent auf 382 Milliarden Euro zu. Deutschland insgesamt kam auf ein nominales Plus von 3,3 Prozent. Hessen steuerte damit 8,6 Prozent zur gesamtdeutschen Wirtschaftsleistung bei – ein Anteil, der die zentrale Rolle des Landes und insbesondere des Rhein‑Main‑Gebiets unterstreicht.
Die reale Entwicklung zeigt jedoch, dass Inflation und Kostensteigerungen das Wachstum weitgehend aufgezehrt haben. Besonders betroffen sind jene Wirtschaftsbereiche, die für Frankfurt und sein Umland prägend sind.
Dienstleistungssektor als Bremsklotz
Ausschlaggebend für das schwächere Abschneiden Hessens war vor allem die Entwicklung der Dienstleistungsbereiche, die in der Rhein‑Main‑Region einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der Wertschöpfung haben. Während die preisbereinigte Bruttowertschöpfung in den Dienstleistungen bundesweit um 0,6 Prozent zulegte, ging sie in Hessen um 0,2 Prozent zurück.
Den größten negativen Beitrag leistete der Bereich Finanz‑, Versicherungs‑ und Unternehmensdienstleistungen sowie Grundstücks‑ und Wohnungswesen. Gerade dieser Sektor ist im Raum Frankfurt mit Banken, Unternehmensberatungen, Immobilien- und Finanzdienstleistern stark vertreten. Hier sank die Bruttowertschöpfung in Hessen um 1,5 Prozent – deutlich stärker als im Bundesdurchschnitt.
Andere Dienstleistungsbereiche entwickelten sich zwar positiv, blieben jedoch ebenfalls hinter der bundesweiten Dynamik zurück. So verzeichneten Handel, Verkehr, Gastgewerbe sowie Information und Kommunikation in Hessen ein reales Plus von 1,0 Prozent, während bundesweit 1,3 Prozent erreicht wurden. Auch bei öffentlichen und sonstigen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit fiel das Wachstum mit 0,3 Prozent vergleichsweise schwach aus.
Industrie stabiler als erwartet – Bau weiter im Abschwung
Im Produzierenden Gewerbe zeigte sich ein differenziertes Bild. Insgesamt ging die preisbereinigte Bruttowertschöpfung in Hessen um 1,0 Prozent zurück und lag damit etwa auf dem Niveau des Bundes. Während das Verarbeitende Gewerbe in Hessen ein leichtes Plus erzielen konnte, setzte sich der Abwärtstrend im Baugewerbe fort. Mit einem Rückgang von 6,0 Prozent schrumpfte die Branche bereits das vierte Jahr in Folge – auch in der wachstumsstarken Rhein‑Main‑Region ein spürbarer Faktor, etwa bei Wohnungsbau und Infrastrukturprojekten.
Mehr Beschäftigte, geringere Produktivität
Trotz der schwächeren Konjunktur stieg die Zahl der Erwerbstätigen in Hessen 2025 leicht auf 3,62 Millionen. Da das reale BIP jedoch sank, ging die Arbeitsproduktivität zurück. Auch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden verringerte sich geringfügig.
Gleichzeitig bleibt Hessen – und mit ihm Frankfurt Rhein‑Main – ein Hochproduktivitätsstandort: Rechnerisch erwirtschaftete jede erwerbstätige Person 105.600 Euro, deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. Auch das BIP je Einwohnerin und Einwohner lag klar über dem Mittelwert, was nicht zuletzt auf die starke Einpendlerverflechtung in der Metropolregion zurückzuführen ist.
Hessen im europäischen Vergleich weiterhin stark
Trotz der konjunkturellen Schwäche behauptet sich Hessen im europäischen Maßstab. Wäre das Land ein eigenständiger EU‑Staat, läge es beim Gesamt‑BIP im oberen Mittelfeld. Beim BIP pro Kopf zählt Hessen weiterhin zu den wirtschaftsstärksten Regionen Europas – auch wenn das Wachstum 2025 deutlich unter dem EU‑Durchschnitt blieb.
Vorläufige Zahlen – strukturelle Fragen bleiben
Die vorgelegten Ergebnisse basieren auf einer noch unvollständigen Datenbasis und gelten als vorläufig. Dennoch zeigen sie klar: Die stark dienstleistungsgeprägte Wirtschaftsstruktur Frankfurts und der Rhein‑Main‑Region ist derzeit anfällig für konjunkturelle Dämpfer. Wie schnell sich die Region wieder auf einen stabilen Wachstumspfad zurückbewegen kann, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich Unternehmensdienstleistungen, Finanzwirtschaft und Bau in den kommenden Jahren entwickeln.
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