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Letzte Aktualisierung: 06.07.2020

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,Wir haben keinen zweiten Osthafen'

Wirtschaftsdezernent Frank lehnt Wohnbebauung im Osthafen ab

von Ilse Romahn

(22.06.2020) Nach langen und umfangreichen Diskussionen in der Stadt haben die Stadtverordneten am 12. Dezember 2013 den Grundsatzbeschluss „Sicherung des Osthafens 2050+“ gefasst.

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (links) und Christian Eichmeier, Geschäftsführer Contargo Terminal
Foto: Dezernat für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und Feuerwehr
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Damit ist die industrielle und gewerbliche Nutzung langfristig gesichert. Von den Unternehmen wurden daraufhin rund 160 Millionen Euro investiert. Innerhalb weniger Jahre haben sich die Firmen aufeinander abgestimmt und arbeiten branchenübergreifend Hand in Hand.

„Hier steht nicht nur ein Gewerbe- und Industriegebiet. Hier erleben Sie professionelle Teamarbeit, wie in einem Maschinenraum. Ob Nahrungsmittel, Bauwirtschaft oder Entsorgung: Mit dem Osthafen haben wir ein hervorragendes Blatt auf der Hand“, erläutert Frank. Damit spielt er auf die Zukunftsfähigkeit der Stadt und auf kommende Anforderungen an Verkehr und Klimaschutz an. Der Hafen verfügt neben den Schiffsanlegern über einen eigenen Bahnanschluss und ist über einen kurzen Weg mit der Autobahn verbunden. „Permanent werden moderne Transportformen und kurze Wege gefordert. Am Osthafen finden sie alle Möglichkeiten, Güterlogistik effizient zu organisieren. Zudem verbessern die Betriebe ihre Zusammenarbeit im Hafengebiet laufend“, sagt der Stadtrat. Für die gesamte Region sei der Osthafen von großem Wert, weil jedes anlegende Schiff im Durchschnitt 100 Lkw-Ladungen transportiere.

„Pro Jahr werden den Menschen im Rhein-Main-Gebiet dadurch 200.000 Lkw-Fahrten erspart. Wer die Unternehmen aus dem Osthafen treiben will, holt uns den Verkehrsinfarkt in die Stadt“, sagt der Wirtschaftsdezernent.

In das Gebiet zwischen Flößerbrücke und Kaiserlei hätten die Stadt, die Gewerbetreibenden und auch neue Bewohner viel investiert. Den Kompromiss zwischen der traditionellen Industrienutzung, Freizeitangeboten, der Europäischen Zentralbank und neuen Wohnanlagen zu finden, sei alle Mühen wert gewesen. „Wir sind stolz auf das mittelständische Gewerbe in zentraler Lage unserer Wirtschaftsmetropole.“

Der Wirtschaftsdezernent zeigte sich irritiert über die neuerlichen Vorstöße, hier Wohngebäude zu errichten. Das würde, so Frank, Firmen und Arbeitsplätze aus der Stadt treiben. Derzeit arbeiteten rund 9000 Menschen im Hafen. Die meisten seien in der Logistik beschäftigt: Züge entladen, Schiffe befüllen, Agrarprodukte verarbeiten, Baustoffe verladen, Güter ausliefern. „Hier wird bodenständig und hart gearbeitet“, betont Frank und sieht den Vorstoß als ein leichtfertiges Spiel mit dem Feuer. „Hier arbeiten keine Großverdiener. Stellen Sie sich vor, sie engagieren sich hier, setzen zur Frühstückspause Ihren Arbeitshelm ab und schlagen die Zeitung auf. Dann trifft Sie der Schlag, wenn Sie sehen, wie Ihr Arbeitsplatz mal locker auf einem Plan mit gelber Farbe mit Wohnungen überpinselt wurde“, sagt Frank.

Wegen der großen Verunsicherung, die Medienberichte ausgelöst haben, besuchte Stadtrat Frank den Vorstandsvorsitzenden der Gemeinschaft Frankfurter Hafenanlieger (GFH). Im Gespräch mit Christian Eichmeier stellte er klar, dass die Hafenanlieger die volle Unterstützung des Wirtschafts- und Hafendezernenten haben: „Die Nutzung des Osthafens als Industrie- und Gewerbegebiet bis in das Jahr 2050 ist gesichert.“ Viele Betriebe hätten langjährige Nutzungsverträge abgeschlossen, die Stadt sei selbstverständlich ein verlässlicher Vertragspartner. „Der Hafen braucht das Vertrauen der Stadtpolitik. Dieses Vertrauen ist auf die kommenden Jahrzehnte verbrieft. Und jetzt wollen uns Projektentwickler unseren funktionierenden Hafen als Wohngebiet schmackhaft machen?“, fügt der Wirtschaftsdezernent hinzu.

„Wir können doch an einer Hand abzählen, was durch solch ein Wohnprojekt ausgelöst würde“, mahnt der Stadtrat. Es müssten Miet- und Pachtverträge abgelöst werden, Entschädigungen wären zu zahlen, Gelände abzuräumen, die Stadt müsste den Betrieben helfen, ein passendes neues Gelände zu finden. „Das kostet alles sehr viel Geld, welches über den Verkauf des Bodens wieder hereinkommen müsste. Der Bodenpreis wird dort explodieren.“ Er verweist darauf, dass die Preise für Neubauwohnungen in Frankfurt am Main ohnehin schon hoch sind. „Aber das Ende von dieser Idee ist, dass die Arbeitsplätze und die Unternehmen weg sind. Und zur Krönung wird sich kaum einer die Wohnungen hier leisten können. Damit hätten wir viel zerstört und nichts erreicht“, fasst Frank zusammen.