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Wiesbaden probt den Ernstfall an mehreren Standorten – und rüstet den Katastrophenschutz auf

Wiesbaden hat am Samstag den Ernstfall geprobt: Rund 400 Einsatzkräfte und Mitwirkende trainierten bei der Großübung „Phoenix“ die Versorgung zahlreicher Verletzter – vom Unfallort bis in die Klinik. Zugleich erhielt die Stadt drei neue Systeme für den Katastrophenschutz.

Die Übung lief bis Samstagnachmittag planmäßig. Zentrale Schauplätze waren das Gelände der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS) und die Zentrale Leitstelle Wiesbaden. Auch die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken, das St. Josefs-Hospital, die Asklepios Paulinen Klinik und die Personenauskunftsstelle des Deutschen Roten Kreuzes waren eingebunden.

Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende verfolgte die Übung vor Ort. „Ein leistungsfähiger Katastrophenschutz lebt von guter Vorbereitung und von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagte er. Vor allem das Engagement der vielen Ehrenamtlichen sei für die Sicherheit der Stadt „von unschätzbarem Wert“.

Übungsleiter Rainer Schremmer sprach ebenfalls von einem erfolgreichen Verlauf. Die Einsatzkräfte hätten die anspruchsvollen Aufgaben professionell bewältigt. Entscheidend seien abgestimmte Strukturen und das Zusammenspiel aller Beteiligten gewesen. Die Erkenntnisse aus „Phoenix“ sollen nun ausgewertet und für künftige Übungen und Einsätze genutzt werden.

Hitzewelle bringt Kliniken an ihre Grenzen

Ausgangspunkt des Szenarios war eine lang anhaltende Hitzewelle. Die Krankenhäuser waren stark belastet, deshalb richteten die Einsatzöräfte auf dem HöMS-Gelände einen Behandlungsplatz für bis zu 50 Personen ein. Ein simulierter Verkehrsunfall mit zahlreichen Verletzten verschärfte die Lage zusätzlich.

Die Unfallstelle war weitläufig und zunächst unübersichtlich. Die Feuerwehr befreite eingeklemmte Personen mit technischem Gerät, während medizinische Kräfte die Verletzten sichteten und die Behandlungsreihenfolge festlegten. Nach der Erstversorgung wurden die Patientinnen und Patienten zum Behandlungsplatz gebracht, stabilisiert und auf geeignete Kliniken verteilt.

Rettungskette bis in die Kliniken

Mit der Ankunft der Verletzten verlagerte sich die Übung in die Krankenhäuser. Nach ihren Notfallplänen trainierten die Kliniken die Aufnahme vieler Patientinnen und Patienten, deren erneute medizinische Einschätzung sowie die Weiterleitung zu Diagnostik und Behandlung. Gleichzeitig stimmten Einsatzleitung, Leitstelle, Transportorganisation und Kliniken die verfügbaren Kapazitäten ab. So deckte „Phoenix“ die gesamte Rettungskette vom Unfallort bis zur stationären Versorgung ab.

Für realistische Bedingungen sorgten rund 50 Verletztendarstellerinnen und Verletztendarsteller. Eine geschulte Schminktruppe stellte unterschiedliche Verletzungsmuster täuschend echt dar. Neben der medizinischen Versorgung standen Alarmierungswege, Führungs- und Kommunikationsstrukturen sowie die digitale Zuweisung und Registrierung der Patientinnen und Patienten auf dem Prüfstand.

Breites Bündnis für den Ernstfall

An der Übung beteiligten sich Berufs- und Freiwillige Feuerwehr Wiesbaden, der Wiesbadener Rettungsdienst sowie Sanitäts- und Betreuungszüge von Deutschem Roten Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und Johanniter-Unfall-Hilfe. Hinzu kamen der Wasserrettungszug der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die ARGE Psychosoziale Notfallversorgung. Unterstützung leisteten Rettungsdiensteinheiten aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, dem Main-Taunus-Kreis, dem Kreis Groß-Gerau und der Stadt Mainz. Auch Landes- und Stadtpolizei, Zentrale Leitstelle, Personenauskunftsstelle des DRK, der Zivilschutzhubschrauber Christoph 2, die drei Kliniken und die HöMS waren eingebunden.

Mende dankte den haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, den Verletztendarstellerinnen und Verletztendarstellern sowie allen beteiligten Einrichtungen und Unterstützenden.

Land verstärkt Wiesbadens Ausstattung

Am Rande der Übung übergab Hessens Innenminister Prof. Dr. Roman Poseck der Landeshauptstadt drei neue Systeme. Das Land hatte einen Abrollbehälter Tank, einen Sonderanhänger Betreuung und einen Kühlanhänger Versorgung Plus für den Katastrophenschutz beschafft. Für Mende ist die Übergabe ein weiterer Baustein für einen leistungsfähigen Katastrophenschutz. Die mobile Tankstelle und die beiden Sonderanhänger verbesserten die Versorgung der Einsatzkräfte und damit die Sicherheit in Wiesbaden.

Mobile Tankstelle für Waldbrände und Großschadenslagen

Der Abrollbehälter Tank fasst 7.000 Liter Flug- oder Dieselkraftstoff. Als mobile Tankstelle kann er bei Waldbränden und anderen Großschadenslagen Löschzüge oder Hubschrauber versorgen. Zuständig ist eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Igstadt. Deren Einsatzkräfte wurden dafür zu Gefahrgutfahrerinnen und Gefahrgutfahrern ausgebildet. Im Einsatz arbeiten sie eng mit der hessischen Polizeifliegerstaffel in Egelsbach zusammen.

Material und Kühlung für lange Einsätze

Der vom Deutschen Roten Kreuz verwaltete Sonderanhänger Betreuung bringt Material für die Versorgung, Unterbringung und Betreuung von Betroffenen und Einsatzkräften an den Einsatzort. Der beim Arbeiter-Samariter-Bund stationierte Kühlanhänger Versorgung Plus sichert den gekühlten Nachschub. Er unterstützt die Logistik und ergänzt die Betreuungszüge bei Großeinsätzen.

Weitere Informationen

Hinweise für Katastrophen- und Krisenfälle veröffentlicht die Stadt unter wiesbaden.de/krisenfall. Informationen zur persönlichen Vorbereitung auf extreme Wetterlagen, großflächige Stromausfälle oder Brände stehen unter wiesbaden.de/notfallvorsorge.