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Letzte Aktualisierung: 29.05.2024

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Wie jüdische Intellektuelle Kant gedeutet haben

von Adolf Albus

(13.05.2024) Ein Symposium an der Goethe-Universität fragt nach der Rezeption von Kants Philosophie in jüdischen Denktraditionen

Die Philosophie Immanuel Kants könnte im Jubiläumsjahr seines 300. Geburtstags nicht aktueller sein. Kants Gedanken zu Vernunft beispielsweise spielen in zahlreichen globalen Diskursen eine Rolle – aber ebenso seine Überlegungen zur im Grundgesetz festgeschriebenen Menschenwürde, zu Kosmopolitismus, Demokratie und Frieden, zur Rolle von Religion(en), zu universeller Ethik und den Möglichkeiten und Grenzen menschlicher Erkenntnis.

Weniger beleuchtet wurde, wie Kants Denken, das auch antijüdische Aspekte enthält, von jüdischen Intellektuellen aufgenommen worden ist. Schon zu dessen Lebzeiten setzten sich diese mit Kants revolutionärer Philosophie auseinander, meist mit regem, positivem analytischem Interesse und einem wachen Empfinden für die antijudaistischen oder antijüdischen Elemente seines Aufklärungsverständnisses.

Die Tradition der Kant-Rezeption durch jüdische Intellektuelle ist nun Thema des

Symposiums „Aufklärung des Aufklärers“,

das am 15. und 16. Mai auf dem Campus Westend der Goethe-Universität stattfindet.

Das Symposium beginnt am Mittwoch, den 15. Mai 2024, um 19:30 Uhr (Hörsaalzentrum, Raum 15, Theodor-W.-Adorno-Platz 5) mit dem Vortrag der Philosophin und Kant-Expertin Prof. Dr. Andrea M. Esser von der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Thema „Ambivalentes Erbe. Kants Äußerungen über ,die Juden‘ und das Judentum“.

Am Donnerstag, 16. Mai 2024, wird das Symposium von 9 bis 17 Uhr in der Evangelischen Studierendengemeinde Frankfurt, Siolistraße 7, fortgesetzt. Es sprechen dort Dr. Christina Feist (Paris), Dr. Orr Scharf (University of Haifa), Prof. Dr. Yael Kupferberg (Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin), Prof. Dr. George Y. Kohler (Bar Ilan University, Ramat Gan), Dr. Torsten Lattki (Deutscher Koordinierungsrat) sowie Antonia Steins, Christoph Kasten und Prof. Dr. Christian Wiese von der Goethe-Universität.

„Judentum und jüdische Intellektuelle dürfen nicht einfach nur als Objekt von Kants Denken wahrgenommen werden“, sagt Christian Wiese, Direktor des Buber-Rosenzweig-Instituts an der Goethe-Universität und Mitveranstalter des Symposiums. „Jüdinnen und Juden haben vielmehr Deutungen entwickelt, die ihre Bedeutung bis heute bewahrt haben – von Moses Mendelssohn und anderen jüdischen Aufklärern über die Vertreter der Wissenschaft des Judentums und den Neukantianismus bis zu zionistischen Denkern in Israel, Hannah Arendt oder Repräsentanten der Kritischen Theorie“. Bei der Veranstaltung wird es auch um die Frage gehen, so die Doktorandin Antonia Steins, die das Symposium mit organisiert, welche Bedeutung die jüdische Denktradition für Kant-Interpretationen der Gegenwart hat.

Veranstaltet wird das Symposium vom Buber-Rosenzweig-Institut für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte der Moderne und Gegenwart an der Goethe-Universität, den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Deutscher Koordinierungsrat e.V. sowie dem Frankfurter Forschungsverbund „Dynamiken des Religiösen“.

Weitere Informationen:

https://buber-rosenzweig-institut.de/events/einzelveranstaltung/die-aufklaerung-des-aufklaerers/

Eine Anmeldung (unter kramberger@em.uni-frankfurt.de) ist erwünscht, aber nicht zwingende Voraussetzung für die Teilnahme.