Wie die „Nette Toilette“ die Stadt verändert
Wer hier fragt, darf unentgeltlich die Kundentoilette benutzen, ganz egal, ob er Gast ist oder nicht. Der Mann hinter dem Tresen sagt: „Die Kunden finden es toll. Papier, Seife, alles ist da.“
Wer in der Innenstadt, in Parks oder auf Einkaufsstraßen unterwegs ist, kennt das Problem: Die nächste öffentliche Toilette ist oft weit entfernt oder gar nicht vorhanden. Mit dem Programm „Nette Toilette“ setzt Frankfurt deshalb auf die Unterstützung von Gastronomie, Einzelhandel und Kiosken, um das Angebot an frei zugänglichen Sanitäranlagen auszubauen.
Das Prinzip ist einfach: Restaurants, Cafés, Bäckereien oder Geschäfte öffnen ihre Kundentoiletten auch für Passanten, die nichts konsumieren. Im Gegenzug erhalten die Betriebe von der Stadt einen finanziellen Zuschuss, der die zusätzlichen Kosten für Reinigung, Verbrauchsmaterialien und Wartung abfedern soll.
Rund ein Jahr nach dem Start des Programms beteiligen sich bereits 35 Standorte im gesamten Stadtgebiet. Darunter sind Bäckereien, Restaurants, Kioske, Wasserhäuschen und ein Supermarkt. Die „Netten Toiletten“ sollen dabei nicht nur die Versorgung verbessern, sondern den teilnehmenden Betrieben auch zusätzliche Laufkundschaft verschaffen.
Teil einer internationalen Erfolgsgeschichte
Die Idee ist keineswegs neu. Das Konzept wurde ursprünglich in Aalen in Baden-Württemberg entwickelt und hat sich inzwischen zu einem der erfolgreichsten kommunalen Toilettenmodelle im deutschsprachigen Raum entwickelt. Nach Angaben des Netzwerks beteiligen sich mittlerweile mehr als 400 Städte und Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz daran.
Der Erfolg erklärt sich vor allem durch die vergleichsweise niedrigen Kosten. Während der Bau einer neuen öffentlichen Toilettenanlage schnell mehrere Hunderttausend Euro kosten kann, nutzt das Modell bereits vorhandene Infrastruktur. Städte sparen Investitions- und Betriebskosten, während Bürgerinnen und Bürger von einem dichteren Netz kostenlos nutzbarer Toiletten profitieren.
Ausbau der städtischen Infrastruktur
Die „Nette Toilette“ ist jedoch nur ein Baustein des Frankfurter Toilettenkonzepts. Parallel investiert die Stadt in neue öffentliche Anlagen und die Modernisierung bestehender Standorte.
Seit dem Beschluss des städtischen Toilettenkonzepts wurden nach Angaben des Dezernats 13 neue öffentliche Toilettenanlagen eingerichtet und zwei bestehende Anlagen umfassend saniert. Besonders im Fokus stehen dabei innovative Komposttoiletten, die ohne Kanalanschluss auskommen und damit vergleichsweise ressourcenschonend betrieben werden können.
Insgesamt wurden acht solcher Komposttoiletten an verschiedenen Standorten installiert, darunter in beliebten Grünanlagen und am Mainufer. Die hohe Nutzung zeigt nach Einschätzung der Stadt, dass der Bedarf an öffentlichen Sanitäranlagen weiterhin groß ist.
Mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum
Mit inzwischen mehr als 100 öffentlichen WC-Anlagen verfolgt Frankfurt das Ziel, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum weiter zu verbessern. Besonders für ältere Menschen, Familien mit Kindern, Touristinnen und Touristen sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ist ein gut ausgebautes Toilettennetz ein wichtiger Bestandteil urbaner Infrastruktur.
Gleichzeitig zeigt das Beispiel Frankfurt, dass Städte bei der Schaffung öffentlicher Angebote zunehmend auf Kooperationen setzen. Anstatt ausschließlich neue Anlagen zu bauen, werden bestehende Ressourcen genutzt und in ein stadtweites Netzwerk eingebunden. Die „Nette Toilette“ steht damit exemplarisch für einen pragmatischen Ansatz kommunaler Daseinsvorsorge: kostengünstig, schnell umsetzbar und nah an den Bedürfnissen der Menschen.
Herausforderung bleibt die Sichtbarkeit
Trotz der positiven Bilanz bleibt ein Problem bestehen: Viele Frankfurter kennen die Standorte der „Netten Toiletten“ noch nicht. Zwar sind sie im städtischen Geoportal verzeichnet, doch eine flächendeckende Bekanntheit hat das System bislang nicht erreicht. Gerade deshalb könnte die Einbindung in die bundesweite App des Netzwerks künftig eine größere Rolle spielen.
Fest steht jedoch: Mit dem Zusammenspiel aus neuen öffentlichen Anlagen und einem wachsenden Netzwerk kooperierender Betriebe setzt Frankfurt auf einen pragmatischen Weg. Die Stadt erweitert ihr Angebot nicht nur über Neubauten, sondern nutzt auch bestehende Infrastruktur – und schafft damit Schritt für Schritt ein dichteres Netz an frei zugänglichen Toiletten im gesamten Stadtgebiet.
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