Wer soll das bezahlen?
Fünf Verbände fordern, den Schienengüterverkehr zu entlasten
Steigende und nicht planbare Trassenpreise setzen den Schienengüterverkehr massiv unter Druck und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland. Vor dem Hintergrund der anhaltend schwierigen Wirtschaftslage appellieren der in Frankfurt ansässige Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x), DIE PAPIERINDUSTRIE, die Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV Stahl) sowie der Verband der Güterwagenhalter (VPI) in Deutschland an die Politik, die Reform der Schienenentgelte zügig auf den Weg zu bringen und kurzfristig wirksame Entlastungen zu schaffen.
Mit dem jetzt vorgestellten Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 hat sich der Handlungsdruck weiter erhöht. Die darin vorgesehene Kürzung der Trassenpreisförderung um 65 Millionen Euro würde die wirtschaftlichen Belastungen des Schienengüterverkehrs zusätzlich verschärfen. Die Kostenentwicklung im Schienennetz trifft Eisenbahnunternehmen und Industrie gleichermaßen. Gleichzeitig verschärfen Qualitätsmängel, Verspätungen und mangelnde Zuverlässigkeit im Netz die Belastung im Verkehrssystem. Zusätzliche Trassenpreiserhöhungen sind unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr tragbar. Neben der Höhe der Entgelte erschwert insbesondere ihre mangelnde Planbarkeit Investitionen und langfristige Logistikentscheidungen.
Kostenanstieg begrenzen, Planbarkeit schaffen, Qualität verbessern
Die fünf Verbände halten daher eine grundlegende Neuausrichtung des Trassenpreissystems für notwendig. Im Mittelpunkt müssen eine langfristig planbare und verlässliche Entwicklung der Trassenpreise sowie eine faire Kostenverteilung zwischen Personen- und Güterverkehr auf der Schiene stehen. Dazu gehört auch eine gesetzliche Absicherung einer planbaren Preisentwicklung für alle diese Verkehrsarten. Höhere Preise setzen eine nachweislich verbesserte Qualität und Leistungsfähigkeit des Netzes unabdingbar voraus. Geeignete Maßnahmen müssten bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 beginnen. Dazu zählen aus Sicht der Verbände vorrangig eine kosteneffiziente Förderung des Trassenpreises mindestens auf dem bisherigen Niveau. Zusätzliche Belastungen – durch höhere Entgelte für schwere Züge oder Gefahrguttransporte – lehnen die Verbände ab.
„Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Verlässliche und bezahlbare Trassenpreise sind eine zentrale Voraussetzung für Investitionen und einen wettbewerbsfähigen Schienengüterverkehr“, betonen die fünf Verbände. In ihrem Positionspapier fordern die Verbände Instrumente wie Bonus-Malus-Systeme für Pünktlichkeit oder kostenneutrale Umleitungsstrecken ohne zusätzliche Aufschläge.
Verband der Chemischen Industrie e.V.
Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und sieben Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen – vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.
en2x – Wirtschaftsverband Fuels und Energie e. V.
Die Mitgliedsunternehmen von en2x sorgen für eine zuverlässige Versorgung mit Rohstoffen und Energie, vor allem mit Kohlenwasserstoffen. Das umfasst Kraftstoffe für den Verkehr, flüssige Brennstoffe für den Wärmemarkt sowie (Vor-)Produkte für viele Industriezweige. Zudem bauen unsere Mitglieder die Infrastruktur für Elektromobilität immer weiter aus. Im stetigen Dialog mit der Politik arbeitet en2x an guten Bedingungen für den Industriestandort Deutschland im globalen Wettbewerb. Dazu gehört auch eine resiliente Energie- und Rohstoffversorgung. Gleichzeitig möchten wir die Transformation der Branche hin zur CO2-Neutralität voranbringen.
DIE PAPIERINDUSTRIE e. V.
Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE ist der industrielle Spitzenverband der deutschen Zellstoff- und Papierindustrie und repräsentiert nach Umsatz über 95 Prozent der Branche. DIE PAPIERINDUSTRIE ist damit Sprecher und Interessenvertreter der größten nationalen Papierindustrie Europas. Eine wesentliche Aufgabe des Verbandes DIE PAPIERINDUSTRIE e. V. ist die Bündelung und Wahrnehmung der Interessen der Mitgliedsunternehmen in den Bereichen Energie- und Klimapolitik, Umwelt und Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Außenhandel, Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft, Sozial- und Tarifpolitik sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung.
Wirtschaftsvereinigung Stahl
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl ist die Stimme der Stahlindustrie in Deutschland, die sich zum Ziel gesetzt hat, bis 2045 klimaneutral zu produzieren – und damit ein Drittel der gesamten industriellen Treibhausgasemissionen Deutschlands einzusparen. Der Verband mit Sitz in Berlin macht sich für einen politischen Rahmen stark, der einen auch in Zukunft starken, emissionsarmen Stahlstandort möglich macht. Mit 34,1 Millionen Tonnen im Jahr 2025 weist Deutschland die größte Stahlproduktion Europas auf.
Verband der Güterwagenhalter in Deutschland
Der Verband der Güterwagenhalter in Deutschland (VPI) vertritt die Interessen privater Güterwagenhalter und Werkstätten. Zu seinen Mitgliedern gehören Europas führende Güterwagenvermieter ebenso wie kleine und mittelständische Wagenhalter, Instandhaltungswerkstätten sowie Unternehmen der verladenden Industrie. Die rund 320 Mitgliedsunternehmen verfügen über eine Flotte von mehr als 97.000 Güterwagen und leisten einen wesentlichen Beitrag zu einem leistungsfähigen und klimafreundlichen Schienengüterverkehr. Der VPI setzt sich für verlässliche technische, rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein und unterstützt seine Mitglieder mit praxisnahen Serviceleistungen. Europaweit bekannt ist der Verband insbesondere für den Instandhaltungsleitfaden VPI-EMG.
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