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Letzte Aktualisierung: 08.03.2021

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Weniger Müll, besseres Klima

Umweltdezernentin Heilig will Frankfurt zur Zero Waste City machen

von Ilse Romahn

(10.02.2021) Der Magistrat hat den Startschuss für ein ambitioniertes Projekt gegeben: Frankfurt am Main soll Zero Waste City werden und sich mit anderen europäischen Städten im Zusammenschluss „Zero Waste Cities“ vernetzen.

Ziel dieser europaweiten Initiative ist es, Abfall möglichst zu vermeiden und anfallende Abfälle wiederzuverwenden oder zu recyceln, um genutzte Ressourcen weitgehend im Kreislauf zu führen. Weitere Informationen gibt es unter https://zerowastecities.eu/ im Internet.

„In Frankfurt gibt es bereits zahlreiche gute Initiativen – sowohl städtische als auch private: Unverpackt-Läden, Repair-Cafés, Gebrauchtwarenkaufhäuser und vieles mehr. Es wird Zeit, dies alles zusammenzubringen und so deutlich zu machen, in welche Richtung wir die Abfallwirtschaft der Stadt entwickeln wollen", sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig.

Da ein großer Teil der weltweiten Treibhausgas-Emissionen sowie der Biodiversitätsverluste auf die Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen zurückzuführen ist, wird eine Ausweitung der Kreislaufwirtschaft als wichtiger Faktor für die Einhaltung der bestehenden Klimaschutzziele betrachtet. Die Vermeidung von Abfällen verhindert dabei unmittelbar die Vernichtung von Rohstoffen, während eine Verbesserung der Mülltrennung dazu beiträgt, wichtige Rohstoffe wiederzugewinnen und der Wirtschaft erneut zur Verfügung zu stellen.

In Frankfurt fallen aus privaten Haushalten jedes Jahr rund 290.000 Tonnen sogenannte Siedlungsabfälle an: Papier, Glas, Textilien, Bioabfälle, Verpackungen aus Kunststoffen oder Metall, sowie Restmüll. Alleine der Restmüll macht über 150.000 Tonnen aus. Das Problem daran: Bis zu drei Viertel der Abfälle in den Restmülltonnen sind Wertstoffe, die sinnvollerweise in anderen Tonnen entsorgt werden müssten. „Hier werden wertvolle Ressourcen in der Verbrennungsanlage vernichtet und gehen so für eine weitere Nutzung über ein Recycling verloren“, erläutert Stadträtin Heilig. „Wenn wir die Klimawende schaffen wollen, müssen wir an vielen Stellen gleichzeitig anpacken. Die Kreislaufführung von vielen Tausend Tonnen Rohstoffen ist da ein wichtiger Ansatz.“

Die Stadt wird daher in den nächsten Jahren bei den Bürgerinnen und Bürgern verstärkt für die Vermeidung von Abfall und eine bessere Mülltrennung werben und Projekte starten, die dies erleichtern. Die gesamte Menge aller anfallenden Abfälle, aber insbesondere die Menge an Restabfall, soll dadurch deutlich gesenkt werden.

Damit die Stadt mit gutem Beispiel vorangeht, hat der Magistrat die verbindliche Mülltrennung für städtische Ämter und Betriebe vereinbart. Außerdem sind die Aspekte der Nachhaltigkeit und der Ressourcenschonung bei Vergabeverfahren künftig stärker zu berücksichtigen.

Das Umweltamt erarbeitet derzeit einen umfassenden Maßnahmenplan, der existierende und neue Ansätze sowie Initiativen zur Müllvermeidung und zur Förderung des Recyclings darstellen und daraus eine Gesamtstrategie entwickeln soll.

Bereits im Frühjahr wird die Online-Plattform „ReYOUrs“ der FES starten, über die gebrauchte und wieder aufbereitete Elektrogeräte erworben werden können. Weitere bereits gestartete Initiativen der Stadt sind zum Beispiel die Abholung größerer Elektrogeräte aus der Wohnung, die Erprobung der wöchentlichen Biotonnen-Abfuhr oder die dieses Jahr erstmalig eingeführte Abfuhr von Grünschnitt im Frühjahr und Herbst. (ffm)