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Letzte Aktualisierung: 14.07.2024

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Welche Rolle spielt die Videosprechstunde?

von Helmut Poppe

(02.10.2023) Videosprechstunde top - App auf Rezept Flop. Das ist das Ergebnis einer Studie der hkk Krankenkasse in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie

 

Videosprechstunde kein einmaliges Phänomen

Die Studie zeigt, dass die Mehrheit der Videosprechstunden-Nutzenden (71 %) von ihren Ärztinnen und Ärzten zu dieser Möglichkeit beraten wurde. Lediglich 27 % informierten sich online, während 7 % selbst das Gespräch mit ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt suchten. "Die Ergebnisse unterstreichen die bedeutende Rolle der Ärzteschaft bei der Einführung der Videosprechstunde", sagt Studienleiter Prof. Dr. Hajo Zeeb.

Die Zufriedenheit der Nutzenden mit der Videosprechstunde ist deutlich: Über 90 % fühlten sich während ihrer jüngsten Videosprechstunde gut betreut, würden sie erneut nutzen und auch weiterempfehlen. Die Nutzung ist beständig, denn mehr als die Hälfte (51 %) griffen zwischen zwei bis fünf Mal auf die Videosprechstunde zurück. Als Vorteile wurden genannt: Keine Anfahrt zur Praxis (92 %), örtliche Flexibilität (86 %) und keine Wartezeit (81 %).

Gleichwohl identifizierten die Befragten auch Nachteile: So sei die Videosprechstunde nicht für alle Situationen geeignet (76 %) und das Fehlen körperlicher Untersuchungen oder persönlicher Kontakte (53 %) negativ. Dr. Cornelius Erbe, Leiter des hkk-Versorgungsmanagements: "Die Videosprechstunde ist eine Ergänzung, kein Ersatz für den persönlichen Arztbesuch."

Die Videosprechstunde bietet sich besonders für leichte Erkrankungen ohne spezielle diagnostische oder therapeutische Anforderungen sowie bei ungerechtfertigt langen Anfahrtswegen an. Auch für Aufklärungsgespräche, Behandlungsinformationen oder psychotherapeutische Beratungen erweist sie sich als hilfreich.

Online-Terminvereinbarung auf Platz 1

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten zudem die häufigsten digitalen Gesundheitsangebote im Arzt-Patienten-Kontakt. Die Online-Terminvereinbarung (81 %) und der E-Mail-Kontakt mit Praxen (62 %) führen die Liste an, gefolgt von Bewegungsmesser-Nutzung (59 %) und Gesundheits-Apps (52 %). Tablets und Smartphones ermöglichten es, jederzeit und überall Termine zu vereinbaren, Aktivitäten zu verfolgen oder Symptome zu dokumentieren.

Weitgehend unbekannt: App auf Rezept

Sogenannte Apps auf Rezept - zertifizierte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) - nutzen bisher lediglich 3 % der Befragten. Diese Apps sind zertifizierte Medizinprodukte, die vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und von Ärztinnen und Ärzten verordnet werden können. Solche Apps müssen einen positiven Versorgungseffekt bieten, der vom BfArM bewertet wird. Dennoch sind DiGAs nicht weit verbreitet. (HP/ots)