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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Was lehrt uns die Corona-Pandemie?

Internisten nennen Wiederanstieg der Infektionen bedenklich

von Dr. Andreas Mehdorn

(22.06.2022) Erstmals seit März 2022 hat das Robert-Koch-Institut (RKI) in der 22. Kalenderwoche (2.-9 Juni 2022) wieder einen Anstieg der Corona-Infektionszahlen verzeichnet – und das um 29 Prozent! Zugleich weisen die RKI-Experten darauf hin, dass sich hochinfektiöse Subvarianten der Omikron-Variante derzeit stark ausbreiten, und warnen daher vor verstärktem Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen schon im Sommer.

Welche Mutationen das Infektionsgeschehen zur Zeit dominieren und welche es in Zukunft beherrschen könnten, diskutierten Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) beim DGIMTalk am  Montag, den 20. Juni 2022. Außerdem gingen die Fachleute auf die Fragen ein, wie weit Deutschland von der Herdenimmunität entfernt ist, welche Therapie-Optionen für COVID-Patienten zur Verfügung stehen und ob es eine Corona-Übersterblichkeit in Deutschland gegeben hat.

Der aktuelle Lagebericht des RKI zur Entwicklung der Corona-Pandemie wies für KW 22 fast 240.000 gemeldete positive Corona-Tests innerhalb einer Woche aus – ein Anstieg um mehr als 50.000 Fälle im Vergleich zur Vorwoche. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist – auch wenn die Aufhebung der meisten Schutzmaßnahmen wie Abstands- und Maskenpflicht in weiten Teilen des öffentlichen Lebens der Bevölkerung das Gegenteil suggeriert“, sagt DGIM-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Christoph Sarrazin, Direktor des Zentrums für Innere Medizin und Medizinische Klinik 2 am St. Josefs-Hospital Wiesbaden. „Derzeit breiten sich vor allem die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5, die eine hohe Infektiosität kennzeichnet, in Deutschland aus“, erklärt der Internist. Die Mutationen des Coronavirus sind ein Thema im DGIMTalk am 20. Juni.

Außerdem diskutierten die Experten, wie weit Deutschland von der Herdenimmunität entfernt ist oder ob dieses Ziel überhaupt erreichbar ist. „Es haben sich zwar etwas mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland impfen lassen. Um die Ausbreitung des Virus allerdings nachhaltig einzuschränken, ist die Gruppe der Ungeimpften noch deutlich zu groß“, erklärt Internist und Infektiologe Sarrazin. „Eigentlich hätte man bei dem guten Sommerwetter mit einem Rückgang der Infektionen gerechnet, daher stimmt der aktuelle Anstieg der Infektionen bedenklich – gerade auch, weil in der vergangenen Woche wieder mehr Menschen mit COVID-19 stationär behandelt werden mussten“, so der Wiesbadener Experte. Welche Medikamente aktuell zur Behandlung von COVID-Patienten zur Verfügung stehen, war deshalb ebenfalls Thema des DGIMTalks sein.

Referenten waren
Professor Dr. med. Jörg Timm, Leiter Institut für Virologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
Professor Dr. med. Tobias Böttler, Oberarzt und Leiter der Forschungsgruppe Immunologie, Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg
PD Dr. med. Christoph Spinner, Oberarzt und Infektiologe an der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Klinikum rechts der Isar der TU München
PD Dr. med. Daniel Wollschläger, Abteilung Epidemiologische Methodik und Strahlenforschung im Institut für Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universitätsmedizin Mainz

Die Moderation oblag Professor Dr. med. Christoph Sarrazin, Direktor des Zentrums für Innere Medizin und Medizinische Klinik 2, St. Josefs-Hospital Wiesbaden. (idw)