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Letzte Aktualisierung: 04.07.2022

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Was bedeutet die Zinswende für Verbraucher?

Fragen an den Finanzexperten Prof. Jakubowski von der FOM Hochschule in Frankfurt

von Norbert Dörholt

(20.05.2022) Steigende Zinsen schienen lange Zeit eine Entwicklung der Vergangenheit zu sein. Über Jahre galt im Euroraum eine Nullzinspolitik. Im Angesicht der hohen Inflation haben die Notenbanken in den USA und Großbritannien bereits eine Wende in der Geldpolitik eingeleitet. Die Europäische Zentralbank könnte mit einer Erhöhung des Leitzinses in diesem Sommer folgen. Was das für Verbraucher bedeutet, erläutert Prof. Dr. Rainer Jakubowski, Experte für Banking & Finance an der FOM Hochschule in Frankfurt am Main.

Prof. Dr. Rainer Jakubowski lehrt an der FOM Hochschule in Frankfurt am Main.
Foto: Tom Schulte/FOM
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David Knapp von der Pressestelle der FOM Hochschule sprach mit Prof. Jakubowski und stellte dem Finanzexperten drei wichtige Fragen:

Herr Professor Jakubowski, die Zeiten des billigen Geldes scheinen vorbei. Nach Jahren der Stagnation könnte der Leitzins noch in diesem Sommer angehoben werden. Was bedeutet die Zinswende für die Verbraucher?

Prof. Jakuboski: Für die Verbraucher werden sich insbesondere die Zinsen für Baufinanzierungen spürbar erhöhen. Das gilt für Neufinanzierungen als auch für auslaufende Zinsvereinbarungen. Jene, die davon betroffen sein könnten, sollten also erhöhte Finanzierungskosten für das Eigenheim künftig einplanen.

Wie bewerten Sie die Gefahr, dass der private Hausbau oder gar Konsumkredite aufgrund steigender Zinsen nicht mehr finanziert werden können?

Prof. Jakubowski: Die Finanzierungsmöglichkeiten über Kredite hängen nicht nur vom Zinsniveau ab, sondern häufig auch von der Höhe der Anschaffung. Die gesamten Finanzierungskosten, also Zins und Tilgung zusammengenommen, verringern sich automatisch, wenn ein preisgünstigeres Eigenheim oder eine kleinere Anschaffung gewählt wird. Kreditfinanzierter privater Hausbau oder privater Konsum werden nur dann zur untragbaren Belastung, wenn man sich bei der Anschaffung übernimmt und einen Lebensstandard anstrebt, der dem vernünftigerweise zu erwartenden Einkommen nicht gerecht wird.

Wird es sich irgendwann wieder lohnen, das Ersparte bei der Bank anzulegen?

Prof. Jakubowski: Bei langsam wieder steigenden Sparzinsen haben die Sparer das Gefühl einer „Belohnung“ für den Konsumverzicht. Es lohnt sich aber auch in Zeiten negativer Zinsen, das Ersparte zur Bank zu bringen. Wenn nur ein kleiner Teil des Ersparten in solide Dividendenpapiere angelegt wird – beispielsweise fünf Prozent – gleicht dies einen gehörigen Teil der Negativzinsen aus. Und selbst wenn nicht: Die Sicherheit der Geldanlage sollte bei Ersparnissen aus hart verdientem Arbeitseinkommen in jedem Falle Vorrang haben, auch bei vorübergehenden Null- oder Negativzinsen. (idw)