Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 15.11.2019

Werbung
Werbung

Warum fällt eine Blondine vom Turm?

Jetzt hat Alexander Hoffmann auch einen Krimi geschrieben

von Norbert Dörholt

(30.10.2019) Er hat wieder zugeschlagen! Vor aller Augen, genauer gesagt: für alle Augen. „Hopfen, Malz & Blut“ heißt das neueste Buch von Alexander Hoffmann, ein Krimi dieses Mal, wie schon der Titel ahnen lässt. Während der Autor dieser Zeilen noch an der Besprechung des Buches bastelt, ist die erste Auflage, obwohl nur kurz zuvor erschienen, bereits vergriffen.

Foto: Barre
***

Langweilig also ist die Lektüre des grauslichen Geschehens in einem ansonsten doch recht sympathischen Ort, in diesem Fall der real existierenden Privat-Brauerei Ernst Barre GmbH in Lübbecke in Ostwestfalen, offensichtlich nicht.

Was ist da zu nächtlicher Stunde geschehen, stellt sich die spannende Frage? Denn wer wirft schon eine blonde, attraktive junge Frau vom Turm, den übrigens ein Vorbesitzer dem damaligen Zeitgeist entsprechend aufs Dach der Brauerei hatte setzen lassen? Da gäbe es doch andere Nutzungsmöglichkeiten. Bei dem bedauernswerten Opfer – oder war es Selbstmord, wie die Polizei vermutet, oder ein Unfall oder was? – handelt es sich um die Marketingchefin der Brauerei mit dem schönen Vornamen Felicitas, das lateinische Wort für Glück. Das sie ganz offensichtlich nicht hatte.

Zufällig hielt sich just zu diesem Zeitpunkt der Privatdetektiv Friedrich Wesendonk aus Düsseldorf in Lübbecke auf, weil er dort überraschend eine lukrative Erbschaft antreten konnte. Die kam ihm gerade recht, denn auf seinem Konto stand das Komma wieder mal ganz weit links. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls ergibt es sich, dass Brauereichef Christoph Barre und seine attraktive Ehefrau dem Detektiv den offiziellen Auftrag geben, in dieser Sache zu ermitteln, denn einen Selbstmord können sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Das Ehepaar Barre sowie der ebenfalls im Roman vorkommende Brauer Bernhard sind übrigens real, alle anderen Personen und die Handlung sind erdacht, eine reizvolle Mischung, die sich der Geschichtenerzähler Hoffmann da hat einfallen lassen.

Nun wird´s kompliziert, denn bei der Suche nach dem geheimnisvollen Geschehen nächtens auf dem Turm wird von Zeugen und Verdächtigen gelogen, dass sich die Balken biegen. Zwar kann der gewiefte Detektiv den Verdächtigen häufig nachweisen, dass die von ihnen angegebenen Alibis falsch sind. Das nutzt ihm aber nichts, denn sie haben dann schnell ein anderes zur Hand, das noch komplizierter zu widerlegen ist, wenn überhaupt.

Was das Buch so spannend macht ist, wie der Autor klar und nachvollziehbar die einzelnen Ermittlungsschritte schildert. Der Leser kann mit raten respektive mit ermitteln. Das macht Spaß, vor allem wenn man selbst mit seinem Latein am Ende wäre und nun neugierig ist, was sich Kollege Wesendonk jetzt einfallen lässt.

Dann gibt es da noch eine Nebenhandlung, die nicht minder spannend ist. Aus dem ebenfalls tatsächlich existierenden Brauereimuseum wird nämlich das wertvollste Exponat gestohlen, die älteste gefüllte Bierflasche Deutschlands aus dem Jahr 1885 (die steht tatsächlich dort). Auch hier ermittelt Wesendonk –und am Ende kommt natürlich alles anders als vermutet.

Wer schon mal einen echten Hoffmann gelesen hat, darf sich auch dieses Mal auf die Passagen freuen, mit denen der Autor mit der ihm eigenen unnachahmlichen Ironie, von der ganz feinen bis hin zur ziemlich frechen, aber doch immer heiteren Art die Leser delektiert. Ein kleines Beispiel: „Eine Flasche war es auch gewesen, allerdings nur mit Faber-Sekt befüllt, die vor 20 Jahren eine polnische Zwangsprostituierte in Duisburg ihrem Zuhälter über den Kopf gezogen hatte. Mit durchschlagendem Erfolg.“

Noch ein Wort zum Autor: Alexander Hoffmann war lange Jahre Journalist bei großen Tageszeitungen wie Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Neue Presse. Danach wechselte er in die Wirtschaft. Nach diversen erfolgreichen Sachbüchern erschien sein erster Roman „Die Wolkenschieber“ im Droste-Verlag Düsseldorf. Hofmann ist heute auch als Kolumnist tätig und schreibt größere Stücke in großen Regionalzeitungen. Er ist Träger des Wächterpreises der deutschen Tagespresse und des Theodor-Wolff-Preises und lebt heute in Frankreich, in Wissembourg.

Wer sich jetzt bereits Gedanken macht, was er seinen Lieben an Weihnachten unter den Baum legen soll außer dem üblichen Parfüm und der Flasche Wein oder Whisky, könnte also auch zu Hopfen, Malz und, na ja, Blut greifen. Solch ein Geschenk hätte außerdem den Vorteil, dass man das Buch anschließend auch selbst lesen könnte. (Was auch Kosten sparte.)

Das Buch kostet 14,95 Euro und kann unter ISBN 978-3-9820934-0-6 bestellt werden.

Es gibt noch eine originellere Möglichkeit des Erwerbs als im Buchhandel: Man kann „Hopfen, Malz samt Blut“ beim Autor direkt unter der E-Mail-Adresse alexanderhoffmann@wanadoo.fr  bestellen. Dann erhält man es mit einer persönlichen Widmung versehen zugeschickt, was dem Beschenkten (oder einem selbst) zusätzlich Freude machen dürfte.