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Letzte Aktualisierung: 25.01.2022

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Wann lohnt sich ein Depotwechsel?

von Bernd Bauschmann

(12.01.2022) Ob man von seinen Anlagen profitieren kann, ist eine Frage der schlauen Entscheidungen. Dazu gehört nicht nur die Auswahl der richtigen Assets, sondern auch die Wahl des besten Depot-Anbieters. Auch wer bereits ein Depot bei einem Broker oder einer Bank eröffnet hat, sollte deshalb die Augen nach den Angeboten der Konkurrenz offenhalten.

Foto: Pexels / Olya Kobruseva
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Womöglich gibt es Grund für einen Wechsel, um bessere Prämien und Konditionen zu erhalten. Wann lohnt sich der Depotwechsel und wie läuft er ab?

Wie funktioniert ein Depotwechsel?

  • Neues Depot eröffnen – Wer einen neuen Anbieter gefunden hat, bei dem er ein Depot eröffnen möchte, muss zuerst bei diesem ein neues Wertpapierdepot anlegen. Nur dann existiert ein Depot, in das die bisher bestehenden Inhalte übertragen werden können.

Wie man ein Depot eröffnet, unterscheidet sich leicht zwischen verschiedenen Anbietern. In einer Filialbank wird man dafür durch die angestellten Berater angeleitet. Bei Direkt-Banken und Online-Brokern läuft der Antrag online ab. Dort werden dann Post- oder Videoidentifizierungs-Verfahren eingeleitet, um die Identität des Kunden zu bestätigen.

  • Depotübertrag beauftragen – Ist das Depot eröffnet, kann man den Depotübertrag beauftragen. Dieser Antrag geht an die bestehende Bank oder den bestehenden Broker. Dabei kann man einzelne oder alle Wertpapiere übertragen und andere auflösen. Dabei gehen die Assets und alle relevanten Anschaffungsdaten, wie das Kaufdatum und den damaligen Kurs, an den neuen Anbieter.
  • Rechtzeitig Depot kündigen – Das alte Depot ist nun leer, aber es läuft dennoch weiter. Es muss gekündigt werden. Die genauen Fristen und Vorgaben dazu entnimmt man aus dem Depotvertrag. Kündigt man nicht fristgerecht, zahlt man bis zu der nächsten Kündigungsgelegenheit weiterhin die Führungsgebühren. Manche Depotübertragungsanträge beinhalten, dass der neue Depot-Anbieter die Kündigung für den Kunden übernimmt.

Kosten und Dauer

Nach dem Übertragungsauftrag übernehmen die beiden Depot-Anbieter den weiteren Ablauf. Dieser dauert in der Regel zwischen ein bis zwei Wochen. Bleiben Wertpapiere auf dem alten Konto zurück, müssen sie erst verkauft werden, bis man das alte Depot schließen kann. Wann das passiert, ist von dem Kunden selbst abhängig.

Die Übertragung von Wertpapieren aus ausländischen Depots dauert länger. Die ausländischen Anbieter sind nicht verpflichtet, die Anschaffungsdaten zu den Wertpapieren zu übermitteln. Passiert das nicht, gelten sie als neue Anlagen, deren anfallende Steuern in der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht werden müssen.

In Deutschland ist die Übertragung der Wertpapiere kostenfrei. Der Bundesgerichtshof hat gesetzlich festgelegt, dass hier keine gesonderten Gebühren anfallen dürfen.

Ein Depotübertrag kann verschiedene Gründe haben

Wie bei Spar- oder Girokonten ändern sich die Gebühren und Konditionen von Depots bei Banken und Brokern häufig. Wer ein besseres Angebot findet, kann deshalb zu dem neuen Anbieter wechseln. Dafür gibt es mehrere gute Gründe.

Was spricht für einen Depotwechsel?

  • Nicht ausreichende Rendite – Ein Kunde, der während seiner Depotführung nicht die erhoffte Rendite erhält, kann den Anbieter wechseln, um eine neue Strategie auszuprobieren.
  • Abweichende Ziele – Manche Broker und Banken haben spezifische Anlagestrategien. Banken setzen tendenziell eher auf Sicherheit, während Broker oft auch bereit sind, mehr Risiko zuzulassen.
  • Auswahl der Wertpapiere – Nicht jeder Anbieter bietet die gleichen Assets an. Manche spezialisieren sich nur auf deutsche Indexfonds, andere sind stärker auf den internationalen Markt ausgerichtet. Wer mit bisherigen Anlagen unzufrieden war, kann die Auswahl vergrößern, indem der Anbieter gewechselt wird.
  • Depotführung – Depots können in Filialen, über das Internet oder das Telefon geführt werden. Dazu kommen noch die Optionen von Depotführung mit oder ohne Berater. Wer mit der bisherigen Führung nicht zufrieden ist, kann wechseln.
  • Sicherheit – Online-Transaktionen können durch verschiedene Verfahren abgesichert werden. Die höchste Sicherheit bietet ein HBCI-Verfahren. Bei dem Homebanking Computer Interface nutzt der Kunde eine Chipkarte und ein Lesegerät mit einer hohen Verschlüsselung der Daten. Auch ein TAN-Generator ist sicher. Ein Anbieter, der keine sicheren Verfahren anbietet, sollte nicht gewählt werden.
  • Gebühren – Ein Hauptentscheidungsgrund sind die Depotgebühren, Gebühren für Transaktionen und Prämien der Anbieter. Niedrigere Gebühren, höhere Tagesgeldzinsen und sonstige Angebote sind ein guter Grund für den Wechsel, da man so auf lange Zeit spart.

Was spricht dagegen?

Viele verlockende Angebote kommen mit restriktiven Konditionen, die im Kleingedruckten versteckt sind, oder nur zeitweise einen Vorteil bringen. Deshalb sollte man die Gebühren und Prämien des neuen Depots genau analysieren, um herauszufinden, ob der Wechsel sich wirklich auch langfristig lohnt. 

Wer sich durch niedrige Depotführungsgebühren beeindrucken lässt, übersieht dabei vielleicht, dass die Gebühren für Transaktionen höher sind und jeder Handel zusätzlich kostet.

Unterschiede beim Depotwechsel

Es gibt zwei Arten des Depotwechsels, die jeweils unterschiedliche Beweggründe haben:

Mit Gläubigerübertragung

Bei dem Wechsel mit Gläubigerübertragung wird ein neues Depot eröffnet und die ausgewählten Wertpapiere darauf übertragen. Allerdings ist in diesem Fall nicht der Besitzer des alten Depots auch der Besitzer des neuen. Die Gläubigerübertragung wird angewandt, um Schenkungen oder Erbschaften an eine andere Person und ihr Depot zu übertragen. In diesem Fall fallen Abgeltungssteuern weg.

Ohne Gläubigerübertragung

Bei einem Wechsel ohne Gläubigerübertragung ist der Besitzer des alten Depots auch der Besitzer des neuen Depots. In diesem Fall ist der Grund für den Depotwechsel beispielsweise die Unzufriedenheit mit der bisherigen Depotführung.

Fazit

Für ein vielversprechendes Depot brauchen wir die richtige Auswahl erfolgreicher Aktien und einen Depotvertrag mit niedrigen Gebühren und guten Konditionen. Wenn wir das bisher nicht haben und unzufrieden mit unserer Wertanlage sind, können wir nach neuen Depotanbietern Ausschau halten. Sie haben oft andere Strategien, Wertpapiere und Ziele für die Depotführung. Wichtig sind auch die Gebühren für die Haltung und jegliche Transaktionen. 

Wer mehrere Anbieter vergleicht, sollte aber nicht sofort zu dem scheinbar besten Angebot wechseln. Oft lohnt es sich, die Konditionen genau zu untersuchen, bevor man eine Entscheidung trifft. Viele Prämien gelten nur zeitlich begrenzt oder haben versteckte Nachteile.