Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 04.03.2024

Werbung
Werbung

Wald, Wellness und Wacholder: Estlands Glücklichmacher für Körper und Geist

von Ilse Romahn

(08.02.2024) Sport, gesunde Ernährung und etwas für den Körper tun – kein Neujahrsvorsatz ist so verbreitet wie dieser. Warum nicht mal mit dem berühmten estnischen Twist beim Waldbaden, Eisbaden oder in der Rauchsauna fit und gesund ins neue Jahr starten.

Wald, Wellness und Wacholder: Estlands Glücklichmacher für Körper und Geist
Foto: www.visitestonia.com
***

Während keinem anderen Monat im Jahr sind die Fitnessstudios so voll, die Spas so ausgebucht und die Obst- und Gemüseregale so leergefegt wie Anfang des Jahres. Mit dem Start ins neue Jahr geht oft der Vorsatz für einen neuen, gesunden Lifestyle einher. Die estnischen Praktiken für einen gesunden Körper und Geist sorgen hier für Abwechslung und frische Inspiration.

Der Wald, ein heiliger Ort
Der Wald ist für die Esten ein heiliger Ort, an dem sie Ruhe, positive Energie und eine Auszeit vom Alltag finden. Er ist wild und dicht, voller Legenden, Geistern und mit seinem ganz eigenen Zauber. Für die Bewohner Estlands ist es völlig normal, mit den Bäumen zu sprechen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass „Tree hugging“, das Umarmen von Bäumen, und auch Waldbaden, in Estland schon lange verbreitet waren, bevor sie hierzulande zum Trend wurden. Die Zeit allein im Wald hat eine heilende und beruhigende Wirkung, der Kopf wird frei und der Stress löst sich. Nur gut, dass bei einer bewaldeten Fläche von 2 Millionen Hektar, über 50% der Landesfläche, einem jeden sein Platz im Wald gewiss ist.
Um die wohltuende Umgebung des Waldes am eigenen Leib zu erleben, gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Beispielsweise bei einer Wanderung auf dem Fernwanderweg Baltic Forest Trail, dem Pedant zum baltischen Küstenwanderweg, der durch verwunschene Landschaften führt und sogar auf der Liste der besten nachhaltigen Reiseziele für 2024 von Lonely Planet zu finden ist.
Und selbst im Programm der Kulturhauptstadt Tartu2024 wurde dem Wald ein eigenes Projekt gewidmet: Bei einem von Naturforschern begleiteten Waldspaziergang am 27. April erfahren Besucher Wissenswertes über das Ökosystem Wald und Möglichkeiten, es zu schützen und zu erhalten.

Ab ins Eisloch
Und die Esten baden nicht nur gern im Wald, sondern auch im Eiswasser. Jeder fünfte Bewohner von Estland betreibt Winterschwimmen, wenn von November bis Mai das um 1 Grad kalte Wasser von einer Eisschicht überzogen ist. Dabei handelt es sich nicht um ein schnelles Abtauchen, sondern regelrecht um einen Ausdauersport, bei dem es vor allem um die Stärkung des Geistes geht. Entlohnt wird die körperliche und mentale Stärke, wenn der Körper nach dem Bad durch die angeregte Durchblutung wohlig warm wird. Und: Eisbaden macht rundum glücklich, denn es regt nicht nur die Bildung von Adrenalin und Endorphinen an, sondern schützt auch das Immunsystem.
 
In Estland gibt es in allen größeren Städten Winterschwimmclubs und -zentren
Eine perfekte Gelegenheit, die eisige Herausforderung selbst auszuprobieren bietet sich im Iglupark in Tallinn. Nach einem Saunagang geht es über die Leiter direkt ins Meer – inklusive Eisschollen in Reichweite.
Vom 4. bis 10. März findet in diesem Jahr in Tallinn sogar die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen statt.

Schlamm, Sand und Wacholder – Spa auf estnisch
Traditionelle Spas und Wohlfühltempel sind im ganzen Land zu finden. Eine elegante Umgebung für eine Auszeit bieten beispielsweise das luxuriöse Elemis Spa des Telegraaf Hotels aus dem 19. Jahrhundert in Tallinn oder das Pädaste Spa im 5-Sterne-Hotel Pädaste Manor auf der Insel Muhu. Hier wird die Sauna mit Holzstücken beheizt, für die Behandlungen werden lokale Produkte verwendet und sie basieren auf alten Kräutertraditionen der Insel. Alle Öle, Cremes und Peelings werden täglich mit natürlichen Zutaten wie einheimischem Heu, Schlamm und Feldblumen zubereitet. Auch im Georg Ots Spa Hotel auf der Insel Saaremaa werden für die Behandlungen lokale Produkte wie Rotalgen, Salbei und Wacholder verwendet.
 
Zu den Highlights eines Besuchs im Agya Spa im Herzen von Rakvere nahe dem Lahemaa-Nationalpark gehören das „Rasulbad", ein erfrischendes Schönheitsritual in der Dampfsauna, bei dem lokaler Rasulschlamm verwendet wird, und "Sabbia Med", eine entspannende Lichttherapie, die mit warmem Sand durchgeführt wird.

Eine Besonderheit im Organic Spa Harmoonikum, dem ersten Bier-Spa in Estland, sind handwerklich hergestellte Bierbäder. Versteckt hinter den jahrhundertealten Mauern des ehemaligen Rindergeheges auf dem Gutshof Viimsi können die Gäste estnisches Handwerksbier trinken, während sie die Vitamin-B-reichen Bäder genießen, welche die Regeneration der Haut unterstützen.

Eines darf bei einem estnischen Wellnesstag nicht fehlen: ein ausgiebiger Besuch in der (Rauch-)Sauna. Der Bauernhof Mooska Farm in Südestland bietet beispielsweise dieses Erlebnis für Besucher an. Das reiche Aroma des brennenden Holzes wird durch eine Mischung aus Honig und Fleisch ergänzt, das in der Sauna geräuchert wird. Strategisch günstig neben einem Teich gelegen, können die Gäste schnell in das nahe gelegene eiskalte Wasser eintauchen, um den Blutkreislauf anzuregen.
 
Das Estonia Resort Hotel & Spa, das kürzlich in Pärnu eröffnet wurde, lässt sich von der estnischen Natur und den kulturellen Traditionen inspirieren. Neben über sieben verschiedenen Saunen, darunter eine traditionelle Rauchsauna im Freien, sorgen hier ein Salzbad sowie uralte estnische Massagen für ultimative Entspannung.

Mit estnischem Superfood gegen den Winterblues
Und auch in Sachen gesunde Ernährung hat Estland einiges zu bieten. Zahlreiche Superfoods sind in dem nordischen Land beheimatet und finden dort regelmäßig ihren Weg auf den Teller. Diese reichen von der Wunderknolle Rote Beete, die mit ihrem reichen Gehalt an Kalium, Magnesium, Vitamin C und Folsäure für starke Abwehrkräfte und einen niedrigen Blutdruck sorgt über den entzündungshemmenden Chaga-Pilz, der in Estlands Wäldern beheimatet ist bis hin zum Detox-Wunder Birkensaft. Ein besonderes Schmankerl sind Rentierflechten – Strauchflechte, die eine beliebte Nahrung ihrer Namensgeber, der Rentiere, sind. Als Aufguss dienen die Flechten zur Bekämpfung von Erkältungen, frittiert oder in Schokolade getaucht sorgen sie für ungeahnte Geschmacksexplosionen. Wer die vielseitige und naturbasierte Küche Estlands selbst kosten möchte, hat dazu im ganzen Land zahlreiche Gelegenheiten: Ob im hippen Gourmettempel in Tallinn oder im renovierten Landhaus mitten im Nirgendwo – in Estland schmeckt es nicht nur immer lecker, die Speisen werden außerdem stets liebevoll arrangiert, getreu dem Motto „Das Auge isst mit“. Visit Estonia hat einen ausführlichen Restaurantführer zusammengestellt.

www.visitestonia.com