Vor 500 Jahren: Blutige Auseinandersetzung bei der Flörsheimer Warte
Broschüre über den Matthäibericht
Angefangen hatte alles mit einer Herde von 200 Ochsen, die Hildesheimer Kaufleute in Oppenheim gekauft hatten, um sie dann über die weite Strecke von 350 Kilometern nach Hause zu treiben. Als sie sich noch auf hessischem Gebiet befanden, nahm sie der Raubritter Johann von Breidenstein trotz hessischer Gegenwehr an sich und trieb sie zu sich auf die Burg Reifenberg im Taunus. Weil die Ochsen aber unter hessischem Geleit, Schutz und Schirm geraubt worden waren, musste nun die Regierung des Landgrafen Philipp von Hessen den Hildesheimern den Schaden ersetzen. Sie zog dafür ihren hessischen Lehnsmann zur Rechenschaft und belegte seine Güter mit Beschlag.
Dieser verbündete sich daraufhin mit Mainz und versuchte, die Hessen zu schädigen, wo er nur konnte.
Am 13. Juni 1518 geschah nun das, was in den Geschichtsbüchern als der „Reuterhandel bei Flörsheim“ aufgezeichnet ist. Zwei Reitertruppen, die eine, 47 Mann stark aus dem Kurfürstentum Mainz und die andere, 22 Mann stark aus der hessischen Landgrafschaft, stießen in der Nähe der Warte zusammen, und es gab eine blutige Auseinandersetzung, bei der auf beiden Seiten „Gäule und Männer getroffen“ wurden, wie die Geschichtsschreibung berichtet. Ein Mann blieb tot auf dem Kampfplatz liegen.
Angesichts der großen Überzahl der Mainzer kam es zur Niederlage der hessischen Reiter. Es sei ein wohl berechneter Überfall, eine von vornherein abgekartete Sache gewesen, so wird berichtet, die Hessen zunächst mit einer kleinen Schar durch feindliches Entgegentreten zum Angriff zu reizen und dann mit der hinter den Gärten versteckten Übermacht von 47 Reitern über sie herzufallen.
Die Hessen wollten sich trotzdem lange nicht gefangen geben. Dann sind aber die durch das Geläut der Sturmglocke alarmierten Bauern aus Flörsheim mit Hellebarden, Spießen und Büchsen gelaufen gekommen und hatten sie bedroht, worauf sie sich den Mainzern gefangen geben mussten.
Den Hessen wurden ein Pferd und alle Waffen abgenommen. Die vier Schwerverwundeten wurden nach Rüsselsheim verbracht. Einer starb später. Die anderen 18 Hessen ritten, wie sie den Mainzern versprechen mussten, nach Mainz und nahmen in der Herberge „Zum Ross“ Quartier.
Wie die Geschichte weitergeht, wie den Hessen in Mainz schließlich ihre Habe, Harnisch, Pferde und die gesamte Rüstung gepfändet wurde, damit der Rosswirt zu seinem Geld kam und was der Landgraf schließlich alles unternommen hatte, damit seine hessischen Untertanen sieben Wochen später wieder frei kamen und ihnen die Mainzer all ihr Eigentum zurück geben mussten, auch wie dem eigentlichen Urheber des ganzen Streits, dem Raubritter Johann von Breidenstein, das Handwerk gelegt wurde, ist einer ausführlichen, 38seitigen Dokumentation zu entnehmen, die der Darmstädter Professor Dr. Wilhelm Matthäi im Jahr 1904 über dieses geschichtliche Ereignis vor 500 Jahren verfasst hat.
Im Rahmen ihres Auftrags, Interesse an der Heimatgeschichte zu wecken, hat die GWU Geschichtswerkstatt Untermain e.V. einen Sonderdruck über den Matthäibericht erstellen lassen. Die Broschüre ist zu einem Preis von 7,50 € sowohl in der Flörsheimer Buchhandlung in der Wickerer Straße 13 als auch beim Flörsheimer Heimatmuseum in der Hauptstr. 43 erhältlich. Bei der Geschichtswerkstatt kann sie mit einer Voreinzahlung von 7,50 € auf das IBAN-Konto Nr. DE35 5125 0000 0034 40 bestellt werden.