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Letzte Aktualisierung: 21.05.2024

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Vor 400 Jahren entstanden: Das Adventslied „Macht hoch die Tür“

von Pfarrer Jeffrey Myers

(20.11.2023) Das bekannteste aller Adventslieder, welches zu Beginn des Advents und während des Frankfurter Weihnachtsmarktes immer wieder gespielt und gesungen wird – von den Turmbläsern und vom Turmglockenspiel der Alten Nikolaikirche bis hin zu den zahlreichen Andachten und Konzerten in den Innenstadtkirchen –, feiert in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag.

1623 – also vor genau 400 Jahren – wurde das Adventslied „Macht hoch die Tür“ komponiert. Obwohl das beliebte Lied heute gern zum ersten Sonntag im Advent gesungen wird – als Auftakt zur Adventszeit, ist es höchstwahrscheinlich am zweiten Sonntag im Advent entstanden.

Dieses bekannteste aller Adventslieder dichtete der evangelische Pfarrer Georg Weissel (1590 - 1635) anlässlich der Einweihung der neu errichteten Altroßgärter Kirche in Königsberg, die am 2. Advent 1623 stattfand. Gedruckt wurde das Lied jedoch erstmals 1642.

Der Liedtext basiert auf Psalm 24, 7-10, wo es heißt: „Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ (Lutherbibel, 2017). Zugrunde liegt die sogenannte Tor-Liturgie im alten Israel. Der ursprüngliche Anlass war wohl die Einweihung des Tempels.

Die heutige schwungvolle Melodie wird dem Theologen Johann Anastasius Freylinghausen (1670 - 1739) zugeschrieben, der sie im Jahre 1704 in seinem „Geistreiches Gesang-Buch“ veröffentlichte. „Macht hoch die Tür“ wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts häufiger in die Gesangbücher aufgenommen, erreichte aber schnell Bekanntheit über die deutschsprachigen Grenzen hinaus. Bereits im Jahr 1855 wurde das Lied von Catherine Winkworth unter dem Titel „Lift up your heads, ye mighty gates“ ins Englische übersetzt. Weitere Sprachen sollten folgen; inzwischen ist dieses Adventslied ökumenisches Allgemeingut.

Als erstes Lied im Evangelischen Gesangbuch bildet „Macht hoch die Tür“ den passenden Anfang des neuen Kirchenjahres. Gerade in diesem Jahr – „175 Jahre Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche“ – kann man über Themen wie Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gut nachdenken und sich vor allem auf die Ankunft Gottes vorbereiten, der „Heil und Leben mit sich bringt“.

Er ist gerecht, ein Helfer wert / Sanftmütigkeit ist sein Gefährt / Sein Königskron ist Heiligkeit / Sein Zepter ist Barmherzigkeit.

Kurz vor Weihnachten 1848 wurde der sogenannte Grundrechtskatalog – eine mutige und vorausschauende Festschreibung traditioneller Grundrechte wie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit – von den Parlamentariern in Frankfurt beschlossen. Jene Grundrechte wurden später fast unverändert in das Grundgesetz aufgenommen. In diesem Jahr gedenkt Frankfurt „175 Jahre Nationalversammlung“ in der Paulskirche.

Gerade zum Advent 2023 lohnt es sich, über die Grundrechte erneut nachzudenken mit der Bitte, dass der Gott, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit und Sanftmütigkeit liebt und fordert, in unsere Herzen wie in die Orte und Institutionen der politischen und finanziellen Macht dieser Welt einziehe.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt / So diesen König bei sich hat. / Wohl allen Herzen insgemein / Da dieser König ziehet ein.

Der Frankfurter Weihnachtsmarkt vor 100 Jahren
Im Jahr 1923 – vor genau 100 Jahren – wurde der Frankfurter Weihnachtsmarkt erst am 3. Dezember, also am Tag nach dem 1. Advent (Sonntag, 2. Dezember), eröffnet. Der Weihnachtsmarkt endete in jenem Jahr am 24. Dezember.  (Quelle: Institut für Stadtgeschichte).

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