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Letzte Aktualisierung: 23.02.2024

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Vor 300 Jahren geboren: Susanne von Klettenberg

von Pfr. Jeffrey Myers

(04.12.2023) Die hochgebildete und tiefgläubige Schriftstellerin und Stiftsdame war die geistige Mentorin des jungen Goethe.

Die religiöseste, freieste, philosophischste Seele, die ich je gesehen.
Foto: Johann Caspar Lavater
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Am 19. Dezember 1723 – vor genau 300 Jahren – wurde Susanne Katharina von Klettenberg in Frankfurt geboren. Sie stammte aus einer Patrizierfamilie und wohnte im Elternhaus „Zum Grünen Frosch“ am Rahmhof (zerstört, heute: Schillerstraße / Rahmhofstraße).

Die vielseitig gebildete Schriftstellerin – „ein christlicher Freygeist“ – war mit Catharina Elisabeth Goethe, Mutter des Dichters und Denkers, eng befreundet. Im Gegensatz zum damals herrschenden orthodoxen Luthertum in Frankfurt wandte sich Susanne von Klettenberg einem am Individuum ausgerichteten Pietismus zu. Der junge Goethe soll sowohl von der tiefen Spiritualität als auch von der großzügigen Toleranz der intellektuellen Mystikerin nachhaltig beeindruckt gewesen sein. „Wenn Fräulein von Klettenberg einen heiteren ja seligen Blick über die irdischen Dinge warf, so entwirrte sich vor ihr gar leicht, was uns andere Erdenkinder verwirrte, und sie wusste den rechten Weg gewöhnlich anzudeuten, eben weil sie ins Labyrinth von oben herabsah und nicht selbst darin befangen war“ (Goethe, 1814).

Viele der Äußerungen Klettenbergs nahm Goethe in seinem späteren Werk auf, wie beispielsweise in Wilhelm Meisters Lehrjahre (vgl. Buch 6, „Bekenntnisse einer schönen Seele“). Auch der Beistand der frommen Lyrikerin während einer Krisenzeit im Leben des jungen Goethe – sie half ihm aus einer Depression – soll dem berühmtesten Sohn Frankfurts tief in Erinnerung bleiben.  

Als Susanne von Klettenberg am 13. Dezember 1774 in ihrer Heimatstadt Frankfurt stirbt, ist der 25-jährige Goethe bereits auf dem Weg nach Weimar. „Meine Klettenberg ist tot“, klagt er, „…gestorben, begraben in meiner Abwesenheit, die mir so lieb! So viel war.“    

In Frankfurt am Main erinnern u.a. das Susanne-von-Klettenberg-Studentenwohnheim (2008, Ffm-Westend) und die Klettenbergstraße (seit 1891, Ffm-Nordend) an die engagierte Frankfurterin.