Archiv-Nachrichten

Vor 200 Jahren in Frankfurt geboren: Marie „Mary" Stoltze

Eine „Mischehe“ zwischen der Katholiken Mary und dem „lutherischen Dickkopf“ Friedrich mit kirchlichem Segen war Mitte des 19. Jahrhunderts alles andere als selbstverständlich

Am 23. Juni 1826 – vor 200 Jahren – wurde Anna Maria (Marie) „Mary“ Messenzehl, Tochter des Steindeckermeisters Franz Anton Messenzehl, aus Aschaffenburg, und dessen Ehefrau, Margarethe Ulrike Oehler, aus Wetzlar, in Frankfurt am Main geboren. (Auffallend ist, dass sowohl die Mutter als auch die zukünftige Ehefrau von Friedrich Stoltze den gleichen Vornamen hatten: Anna Maria.)  

1845 lernten die beiden einander kennen, Mary Messenzehl und der Publizist und Mundartdichter Friedrich Stoltze. Kennengelernt haben sie im sogenannten „Katholischen Montagskränzchen“, einer Gruppe von Intellektuellen, Liberalen und Vertretern des Deutschkatholizismus, die sich für eine geeinte, vom Staat unabhängige deutsche Nationalkirche und weitreichende demokratische Reformen einsetzte. Der überkon-fessionelle Zirkel traf sich nicht nur im Nürnberger Hof, sondern später auch in der St. Katharinenkirche. 

Es scheint passend, dass Mary und der radikale Demokrat und Freiheitskämpfer Friedrich im Jahr 1849 – im Anschluss an die Frankfurter Nationalversammlung 1848/1849 – heirateten (Freilich war Mary zum Zeitpunkt der Trauung bereits mit dem dritten Kind schwanger…). Die Trauung fand am 10. April in der St. Katharinenkirche statt. Alles andere als selbstverständlich war eine interkonfessionelle Trauung damals zwischen einer Katholiken und einem Lutheraner. Ein Jahr später (1850 – sehr früh im Vergleich zum restlichen Deutschland) – führte die Freie Stadt Frankfurt die Zivilehe ein. Dies nahm den Kirchen etwas die Macht, Ehen rein aufgrund konfessioneller Differenzen zu verweigern. 

Das Gedicht „Die Mischehe“, welches der „lutherische Dickkopf“ Stoltze mit einem Augenzwinkern verfasst haben soll, erschien später in der „Frankfurter Latern“. Nach der Hochzeit wohnte die Familie in der Großen Bockenheimer Straße („Freßgass“), später in der ehemaligen Altstadt (u. a. in der Papageigasse und in der Klostergasse). Das Paar bekam 11 Kinder, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten. 

Das Ehrengrab für Marie Stoltze († 4. August 1884) und Friedrich Stoltze († 28. März 1891) befindet sich am Frankfurter Hauptfriedhof (Gewann J 306). Auf dem Grabstein stehen Worte aus einem Stoltze-Gedicht*: „Nicht alle sind tot, die begraben sind.“ Auch das Stoltze-Denkmal auf dem Hühnermarkt und vor allem das Stoltze-Museum in der Neuen Altstadt – immer einen Besuch wert! – erinnern an ein wichtiges Kapitel Frankfurter Geschichte, in dessen Mittelpunkt das Frankfurter Ehepaar Stoltze stand....  

* Friedrich Stoltze verfasste das Gedicht  zwei Jahre nach dem Tod seines Lieblingssohnes Friedrich, der mit 18 Jahren an Typhus starb: 

Aus der Erde Schoos an das goldene Licht
Drängt sich Alles hervor, nur die Todten nicht;
Doch lass’ sie und denk’, wie die Thräne auch rinnt:
Nicht Alle sind todt, die begraben sind!
Nicht Alle sind todt, deren Hügel sich hebt!
Wir lieben, und was wir geliebet, das lebt,
Das lebt, bis uns selbst das Leben zerrinnt;
Nicht Alle sind todt, die begraben sind!