Archiv-Kultur

Von Menschen und Freundschaften

"Das Abschiedsdinner" im Fritz-Rémond-Theater

Ein helles, durchgestyltes Zimmer, beherrscht von einer weißen Couch in der Mitte, sehr schick, so zeigt sich das Bühnenbild. Ein Mann und eine Frau, die sich für eine Einladung zurechtmachen, beide genervt, ja – überkandidelt – machen sich gegenseitig – aber auch die Zuschauer im Fritz-Rémond-Theater leicht nervös. Das war das Opening für einen Theaterabend, der viele ein wenig ratlos zurück ließ.

Dass langjährige Freunde Marotten haben, auch mal schwer zu ertragen und nicht immer unterhaltsam sind, diese Erfahrung hat schon jeder einmal gemacht. Dass es eine neue Art in gewissen Kreisen gibt, damit umzugehen, ist relativ neu. Die Autoren Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliere haben sich in ihrer Komödie „Das Abschiedsdinner“ damit auseinander gesetzt und wollen ein geneigtes Publikum mit dem Thema „nervige Freunde“ unterhalten. Ob diese Problematik beim Publikum auf viel Verständnis stößt und nachvollzogen werden kann, ist fraglich.Foto: seine Anlage

Regisseur Peter Kühn hat seine Schauspieler eingeschworen auf das Stück. Die drei Protagonisten spielen das Ehepaar Pierre (Ralf Stech) und Clotilde (Caroline Kiesewetter) und den langjährigen Freund Antoine (Stefan Schneider) mit viel Verve, sehr routiniert und verkörpern die Figuren auch absolut glaubwürdig. Es gab einige Situationskomik, ein wenig Klamauk, viele Dialoge. Stech, Schneider und Kiesewetter meisterten alles.

Der Inhalt der Komödie ist schnell erzählt. In manchen Milieus der gehobenen Mittelschicht sieht man Verpflichtungen langjährigen Freunden gegenüber, Einladungen zu Dinners und Gegeneinladungen, Treffs und Gespräche zunehmend als lästige Verpflichtung. Weil alles schon gesagt, erfahren, nicht mehr neu ist, hat man die Idee, für solche Leute ein Abschiedsdinner zu geben. Ein Abschiedsdinner mit exquisitem Wein, möglichst vom Geburtsjahr des Eingeladenen, man lässt die Lieblingsmusik spielen, serviert das Lieblingsessen und wenn der Abend vorbei ist, bricht man jeglichen Kontakt ab. So wollen Pierre und Clotilde das letzte Treffen mit Antoine gestalten, um den Pflichtterminen mit dem langjährigen Freund zu entkommen und eine „Freundschaftsoptimierung“ zu betreiben. „So ein Abschiedsdinner ist wie das letzte Abendmahl. Man lädt Freunde ein, bricht das Brot und dann … Kreuzigung!“ Eines sei im Voraus verraten:  Es scheitert.

Vielleicht ist das denn doch die Botschaft des Theaterabends: Eine Freundschaft, die seit Jugendtagen besteht, ist nicht so leichtfertig wegzuschieben. Auch wenn Antoine Allergiker ist, seit 30 Jahren einen Psychoanalytiker konsultiert, immer die gleichen Sprüche auf Lager hat, vielleicht ist Freundschaft doch etwas Köstliches und Wertvolles. Jedenfalls Pierre schafft es nicht, den Freund abzuservieren.

Die Leistung der Darsteller wurde nach der Premiere mit höflichem, freundlichem Beifall belohnt.

Bühne und Kostüme: Steven Koop 

Weitere Vorstellungen bis zum 4.Juni: Di-Sa um 20 Uhr, So 18 Uhr, montags spielfrei. Karten ab 17.50 € unter Tel. (069)435166  oder www.fritzremond.de