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Letzte Aktualisierung: 09.04.2021

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Von Berufs wegen: Jeden Tag Ostern

Als Zustellerin unterwegs im Ostertal

von Ilse Romahn

(31.03.2021) Sie legt zwar keine bunt bemalten Ostereier in Osternester, bringt aber täglich die Post in die Briefkästen und an die Haustüren. Genau deshalb ist für Postzustellerin Beruta Straßer jeden Tag Ostern. Aus beruflichen Gründen gewissermaßen, denn die 42-jährige versorgt die Odenwälder Ortschaften Ober- und Unter-Ostern täglich mit Briefen und Paketen.

Ostertal die Erste: Beruta Straßer passiert das Ortsschild „Unter-Ostern“, der ersten Etappe ihrer täglichen Tour.
Foto: Deutsche Post DHL Group
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„Nein, eine Osterhäsin bin ich zwar nicht, aber meine Kunden freuen sich trotzdem, wenn ich komme“, lacht die Mutter zweier Töchter. Geboren in Heilbronn, ist sie vor zehn Jahren der Liebe wegen in den Odenwald gezogen. Bereits in ihrer baden-württembergischen Heimat war sie nach erfolgreicher Ausbildung zur „Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen“ (FKEP) als Zustellerin für die Post auf Tour: zunächst in Bietigheim-Bissingen, dann in Lauffen und die meiste Zeit in Bad Rappenau, wo sie auch aufgewachsen ist. Nach einer Zwischenstation in Fürth im Odenwald, arbeitet Beruta Straßer seit 2017 im Zustellstützpunkt der Deutschen Post in Reichelsheim im Odenwald. „Zuerst habe ich als Springerin verschiedene Touren betreut, und seit Jahresbeginn habe ich meine feste Zustelltour. Darüber bin ich wirklich happy, denn das ist eine richtige Landtour“, freut sie sich. Und zu dieser Landtour zählen eben auch die Reichelsheimer Ortsteile Ober- und Unter-Ostern. Deshalb gilt: Wer diese Tour fährt, ist jeden Tag im Oster-Modus.

Pflichtprogramm Tourvorbereitung
Bevor es allerdings soweit ist und sie mit ihrem gelben Transporter die Ostertaler Ortsschilder passiert, steht erst einmal das tägliche Pflichtprogramm jedes Zustellers und jeder Zustellerin auf der Agenda: Tour vorbereiten. „Mein Arbeitstag beginnt morgens um 8.00 Uhr mit der Verteilung der eingehenden Sendungen“, berichtet Beruta Straßer, die schon seit 1997 für die Deutsche Post arbeitet. „Zuerst die ‚Kurzen’, danach das ‚Langholz’“, erklärt sie und nimmt zunächst die kleinformatigen und dann die größeren Briefsendungen aus ihrem Fach mit der Nummer 01. Dazu noch jede Menge Zeitungen, Päckchen und Pakete, denn Straßer ist als sogenannte „Verbundzustellerin“ tätig und bringt ihren Kunden sowohl Brief- als auch Paketsendungen.

Ostertalstraße mit Osterhasen aus Holz
Zurück an ihrem Platz am Eingang des Zustellersaals im Reichelsheimer Hofweg „steckt sie ihre Tour“. Das heißt, sie bringt die Sendungen genau in die Reihenfolge, nach der sie dann ihre Tour fährt. „Ich fahre meinen Bezirk jeden Tag exakt in der gleichen Reihenfolge ab, das ist nämlich der kürzeste Weg. So können sich meine Kunden darauf einstellen, wann ich ungefähr bei Ihnen bin“, erklärt Beruta Straßer. In der Praxis bedeutet dies: Start in der Grundstraße, Forstweg und Buchenstraße in Unter-Ostern. Nachdem sie bereits kurz vor dem Ortsschild von Unter-Ostern eine große Osterhasen-Skulptur auf einer Wiese passiert hat, geht es über die Ostertalstraße hinauf nach Ober-Ostern, wo Die Alme, Am Berg, Im Eck und Roseneck folgen. „Ja, das mit den Ortsnamen ist echt lustig. Und Osterhasen gibt es hier wirklich einige. Zum Beispiel vor einer Bauernhof-Metzgerei, die kurz vor Ostern immer besonders reichlich schmückt und schöne Osterhasen aus Holz aufstellt. Ein echter Hingucker“, erzählt Straßer, die mit ihrer Familie im nahen Hammelbach lebt.

Corona bringt viel Arbeit und Anerkennung
Zum Abschluss ihrer Tagestour versorgt sie noch Erzbach und Rohrbach mit Post, bevor es dann wieder heimwärts zum Zustellstützpunkt geht. Wenn die Powerfrau, die sich mit Fitness-Boxen fit hält und gerne mit ihrem Hund durch Feld und Flur streift, ihre tägliche Tour nachmittags gegen 16.00 Uhr beendet, am Fuß von Schloss Reichenberg rechts ab- und in den Posthof einbiegt, dann liegt jedes Mal eine Fahrtstrecke von rund 50 Kilometern hinter ihr. Knapp 100 Pakete und einige hundert Briefe hat sie heute wieder bei ihren Kunden zugestellt. Überhaupt „ihre Kunden“: „Neben der Tatsache, dass ich während der Tour meine eigene Chefin bin und relativ frei arbeiten kann, sind die persönlichen Gespräche und die täglichen Kontakte mit meinen Kunden für mich besonders wichtig“, erzählt sie. Und ergänzt: „Das sorgt für reichlich Abwechslung und es gibt immer etwas zu erzählen. Außerdem bin ich ein Naturmensch und gerne an der frischen Luft. Ein Bürojob wäre deshalb nichts für mich.“ Auch die besondere Herausforderung „Zustellung in Zeiten von Corona“ nimmt sie sportlich: „Wir halten unsere Sicherheits- und Hygieneregelungen konsequent ein, um uns und unsere Kunden zu schützen. Gerade jetzt vor Ostern, wo wir wieder besonders viele Pakete und Päckchen bringen, wissen unsere Kunden besonders zu würdigen, was wir jeden Tag und bei jedem Wetter leisten.“