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Letzte Aktualisierung: 14.05.2021

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Vom Förderschüler zum Muster-Postler

Fabian Georg meistert Postausbildung trotz Handicap mit Bravour

von Stefan Heß

(26.04.2021) Fabian Georg hat es geschafft: Mit viel Fleiß und Ausdauer hat er sich vom Förderschüler zum Vorzeige-Postboten durchgekämpft. Hat sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lassen, seine Ausbildung zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen (FKEP) bei der Postniederlassung Saarbrücken erfolgreich gemeistert und betreut nun eigenständig einen Zustellbezirk in Mainz.

„Man at work“: Fabian Georg mit seinem Post-Trike unterwegs in seinem Mainzer Revier zwischen Oberstadt und Bretzenheim.
Foto: Deutsche Post DHL Group
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Dabei war der Weg anfangs nicht einfach: „Eine wichtige Etappe war für mich die erfolgreiche Bewerbung um eine Ausbildungsstelle bei der Deutschen Post in Saarbrücken“, sagt der 21-jährige Offenbacher. „Ich wollte schon immer zur Post, und bei der Niederlassung Saarbrücken hat das auf Anhieb geklappt. Ich hatte dort von Anfang an eine Top-Unterstützung und man hat mir gleich signalisiert, dass ich meine Ausbildung so wohnortnah wie möglich machen kann“, erinnert er sich. Konkret hieß das: Zustellstützpunkt Mainz in Sichtweite zum Hauptbahnhof. „Dort habe ich zunächst eine Vorbereitung auf meine Ausbildungszeit absolviert und in einem tollen Team das Posthandwerk von der Pike auf erlernen dürfen“, schwärmt er von seiner Ausbildungszeit in der Gutenbergstadt. Dass seine Lehrzeit in Mainz auch eine fachlich erfolgreiche Zeit war, hat Fabian Georg mit seiner Abschlussprüfung vor der IHK-Saarbrücken bestätigt. Denn im Januar 2021 konnte er seine Ausbildung mit Spitzennoten abschließen.

Eigene Tour im Herzen von Mainz
Sein Arbeitgeber hat die besondere Leistung des jungen Mannes anerkannt und ihm nach der überaus erfolgreichen Abschlussprüfung einen eigenen Zustellbezirk im Herzen von Mainz anvertraut. Dort, an der Grenze zwischen Bretzenheim und Oberstadt, ist Fabian Georg jetzt täglich mit dem E-Trike unterwegs in seinem Revier, das er eigenverantwortlich betreut. Sehr zur Freude seines Arbeitgebers: „Fabian Georg ist mit vollem Engagement bei der Sache. Er behauptet von sich selbst, dass er gelbes Blut habe. Davon konnte ich mich schon in der Vergangenheit überzeugen. Die Kunden in seinem Zustellbereich werden ihn sicher mit offenen Armen empfangen, denn für seine Kunden macht er alles “, sagt Jörg Bahls, Leiter der Postniederlassung Saarbrücken, zu der auch die postalischen Zentren in Mainz und Umgebung zählen.  

Pflichtprogramm Tourvorbereitung
Bevor es allerdings mit elektronischer Trittunterstützung auf Zustelltour geht, steht erst einmal das tägliche Pflichtprogramm jedes Zustellers und jeder Zustellerin auf der Agenda: Tour vorbereiten. „Mein Arbeitstag beginnt morgens entweder um 6.00 Uhr oder um 9.00 Uhr mit der Verteilung der eingehenden Sendungen“, berichtet Fabian Georg, der sich in seiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimatstadt engagiert. „Zuerst die ‚Kurzen’, danach das ‚Langholz’“, erklärt er und nimmt zunächst die kleinformatigen und dann die größeren Briefsendungen aus seinem Fach mit der Nummer 61. Dazu einen Bund Zeitungen sowie einige kleinere päckchenartige Sendungen, die er auf seinem Post-Trike verstaut.

Oberstadt & Bretzenheim
Zurück an seinem Platz im Zustellersaal des Mainzer Innenstadt-Stützpunkts „steckt er seine Tour“. Das heißt, er bringt die Sendungen genau in die Reihenfolge, nach der er dann seine Tour fährt. „Ich fahre meinen Bezirk jeden Tag exakt in der gleichen Reihenfolge ab, das ist nämlich der kürzeste Weg. So können sich meine Kunden darauf einstellen, wann ich ungefähr bei ihnen bin“, erklärt Fabian Georg. In der Praxis bedeutet dies: Start in der Unteren Zahlbacher Straße. Danach Xaveriusweg, Kirsteinstraße, An der Achatiuskirche, Backhaushohl, Bretzenheimer Straße und Zahlbacher Steig. Bis es dann auf dem Rückweg über die Untere Zahlbacher Straße und Am Dalheimer Kloster wieder retour Richtung Zustellstützpunkt geht.  

Post für 500 Haushalte
Wenn Fabian Georg, der Puzzle- und Computerspiele zu seinen Leidenschaften zählt, seine Tour nachmittags beendet, dann hat er mehr als 500 Mainzer Haushalte mit Briefpost und kleinen Paketen versorgt. „Ich bin sehr froh, dass mir die Post sofort nach meiner Ausbildung eine eigene Zustelltour anvertraut hat. Meine Kunden sind supernett und ich versuche das mit guter Leistung zurückzuzahlen. Außerdem bin ich ein Naturmensch und gerne an der frischen Luft. Ein Bürojob wäre deshalb nichts für mich“, zieht er ein positives Fazit seiner ersten Zeit als eigenverantwortlicher Zusteller. Und auf eines freut er sich bei jeder Tour: „Auf meinen Stopp bei der Metzgerei Kleemann, weil es dort nicht nur besonders freundliche Kunden, sondern auch immer leckere Mettbrötchen mit roten, kleingeschnittenen Zwiebeln gibt.“

Hintergrund: Die Deutsche Post bietet speziell Ausbildungs- und Studienplätze für Jugendliche mit Handicap an, denn einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist gerade für sie nicht einfach. Daher bietet die Deutsche Post verschiedene  Ausbildungsmöglichkeiten und Duale Studiengänge, die individuelle Fördermöglichkeiten eröffnen. Das Unternehmen hat eine spezielle Beratungsstelle eingerichtet, um Jugendliche mit Behinderung bei der Wahl ihres Ausbildungsberufs und -betriebs individuell zu unterstützen. Interessenten können ihren Lebenslauf und ihre Zeugnisse vorbereiten sowie ein kurzes Anschreiben an folgende E-Mail-Adresse senden: handicap_naund@dpdhl.com. Momentan beschäftigt die Deutsche Post mehr als 15.000 Menschen mit Handicap.