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Letzte Aktualisierung: 02.02.2023

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Volkswirtschaftlicher Datenschatz für Hessen

von Ilse Romahn

(20.01.2023) Die hessische Wirtschaft war im ersten Coronajahr härter von der Krise betroffen als dies bundesweit der Fall war. Dabei zeigen sich deutliche regionale und branchenspezifische Unterschiede. Staatliche Hilfsprogramme konnten einen Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmenssektors als auch zur Entwicklung der verfügbaren Einkommen der Privathaushalte leisten.

Nun liegt die detaillierte Aufbereitung „Auswirkungen der Coronapandemie auf die kleinräumigen Wirtschaftsentwicklungen in Hessen“ vor und gewährt aktuelle Einblicke in die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder mit Datenstand Oktober 2022.

„Unsere neueste Studie für das hessische Wirtschaftsministerium analysiert die kleinräumige Wirtschaftsentwicklung für das erste Coronajahr 2020 auf Basis von Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen auf Kreisebene und für Wirtschaftsbranchen“, erläutert Anja Gauler, Abteilungsleiterin Wirtschaftsforschung und Landesentwicklung bei der Hessen Agentur. „Dabei wird auch die langfristige Entwicklung im Zeitraum von 2000 bis 2020 sowie die Teilzeiträume bis zur Finanzkrise (2000-2008) und seit der Finanzkrise (2009-2019) betrachtet.“

Langzeitbetrachtung bietet einen guten Überblick über die Entwicklung
Auch werden die Veränderungen in den Krisenjahren von 2008 auf 2009 und von 2019 auf 2020 einander gegenübergestellt, um die Auswirkungen beider Krisen zu vergleichen. Durch diese Langzeitbetrachtung erhält man einen guten Überblick über die Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Bruttowertschöpfung, der Erwerbstätigenzahlen, der Kurzarbeit, der erbrachten Arbeitsvolumina und der Einkommensentwicklung der privaten Haushalte im ersten Coronajahr.

Regional und branchenbezogene unterschiedliche Wirtschaftsleistung
Die Studie zeigt gegenüber den bereits bekannten Makro-Zahlen für Hessen ein regional und branchenbezogen stark differenziertes Bild der Betroffenheit durch die Corona-Pandemie. Besonders stark fielen die Einbrüche der Wirtschaftsleistung in Landkreisen aus, die vom Automobilbau geprägt sind, wie z.B. die Landkreise Groß-Gerau und Kassel mit Opel in Rüsselsheim bzw. VW in Baunatal. Demgegenüber hatten die Pharma-Standorte Darmstadt (Merck) und Landkreis Marburg-Biedenkopf (BioNtech) sogar ein leichtes Wachstum zu verzeichnen. Das Baugewerbe stellte im ersten Pandemiejahr eine Stütze für die Gesamtwirtschaft dar und hat sich 2020 flächendeckend sehr gut entwickelt. Demgegenüber hat sich der viele Branchen umfassende Dienstleistungssektor sehr unterschiedlich durch die Krise bewegt: Sehr hohe Einbrüche der Wirtschaftsleistung waren in Tourismusregionen, z.B. im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit der Edersee-Region und dem Wintersportgebiet Willingen, dem Rheingau-Taunus-Kreis und dem Odenwaldkreis festzustellen.

Ein deutliches Minus weist auch der Verkehrssektor der Stadt Frankfurt durch den Stillstand am Frankfurter Flughafen auf. Teleworking-affine Wirtschaftsbereiche in den Bereichen Finanz- und Unternehmensdienstleistungen sowie in den öffentlichen Dienstleistungen waren hingegen deutlich schwächer betroffen.

Rückgang der Erwerbstätigen und Umschichtungen in den Beschäftigungsverhältnissen
Die Zahl der Erwerbstätigen hat in Hessen im Jahr 2020 um insgesamt 28.500 Personen bzw. 0,8 Prozent abgenommen. Dabei fiel der relative Rückgang bei den Selbstständigen mit 7.500 Personen (-2,4%) deutlich stärker aus als bei den Arbeitnehmern (-21.000 Personen bzw. -0,7%). Innerhalb der Gruppe der Arbeitnehmer kam es zu Umschichtungen, wobei marginale Beschäftigungsverhältnisse abgebaut und Teil- und Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse aufgebaut wurden. Durch den starken Anstieg der Kurzarbeit ist das Arbeitsvolumen der Erwerbstätigen in Hessen um 5,2 Prozent gesunken und damit deutlich stärker als während der Wirtschaftskrise (-2,0%) im Jahr 2009.

Unterschiedliche Entwicklung des Arbeitnehmerentgeltes
Die Entwicklung des Arbeitnehmerentgeltes war im Landesdurchschnitt nur in den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe (-5,1%) sowie Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation (-3,2%) rückläufig. Die übrigen Bereiche hatten zum Teil deutliche Zuwächse, sodass das Arbeitnehmerentgelt in Höhe von 160,5 Mrd. Euro nur um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2019 zurückging. Das verfügbare Einkommen der Privathaushalte bezifferte sich im Jahr 2020 hessenweit auf 153,8 Mrd. Euro. Das waren 0,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zu dieser positiven Entwicklung dürften insbesondere die staatlichen Hilfs- und Transferleistungen beigetragen haben.

Die Studie „Auswirkungen der Coronapandemie auf die kleinräumigen Wirtschaftsentwicklungen in Hessen“ kann heruntergeladen werden unter: https://www.hessen-agentur.de/publikationen/

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