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Letzte Aktualisierung: 26.11.2022

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Vitamin D-Mangel erhöht Sterblichkeitsrisiko

Das ergab die Auswertung einer internationalen Studie

von Dr. Andreas Mehdorn

(18.11.2022) Gibt es bestimmte Werte, ab denen ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut die Sterblichkeit aufgrund von Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen steigen lässt? Diese Frage ist Gegenstand einer aktuellen in den Annals of Internal Medicine erschienenen Studie, für die britische Forscher die Daten von über 300.000 Menschen mit statistischen Modellen ausgewertet haben. Das Ergebnis: Ja, Vitamin D-Mangel erhöht das Mortalitätsrisiko.

Grundlage der Untersuchung ist das Ergebnis einer prospektiven Kohortenstudie an 307.601 Menschen aus der UK-Biobank, rekrutiert von 2006-2010 und ausgewertet bis Juni 2020. Mit einer sogenannten Nonlinearen Mendel´schen Randomisierung wurden die Daten der Teilnehmer und die Resultate einer zu Beginn übermittelten Blutprobe mit 25(OH) Vitamin D - Bestimmung und genetischen Analysen untersucht.

Die Studie stützt einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Vitamin D- Defizienz (unter Defizienz versteht man in der Medizin einen Mangel bzw. eine Mangelfunktion), also Spiegeln unter 10 ng/ml / 25 nmo/l und der Mortalität. Personen mit Spiegeln über 20 ng/ml / 50 nmol/l Vitamin -D weisen danach ein geringeres Mortalitätsrisiko auf. In den Medizinischen Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) erklärt Prof. Helmut Schatz, Bochum, den für Laien komplizierten Sachverhalt:

„Die Resultate dieser Studie sprechen dafür, dass bei sehr niedrigen Vitamin D -Werten ein kausaler Zusammenhang mit der Gesamt-, Krebs-, CVD- und respiratorischen Mortalität besteht. Wie im DGE-Blog schon des Öfteren angesprochen, sieht die DGE, ebenso wie auch weitere Fachgesellschaften in den D.A.CH-Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie anderen Institutionen wie etwa der National Academy of Medicine der US A (IOM) einen Vitamin D-Spiegel über 20 ng/ml als normal an, darunter bis zu 10-12 g/ml als „nicht optimal“ oder “insuffizient“, unter 10-12 ng/ml als „moderat defizient“ und unter 5 ng/ml als schwer defizient.

Die mit der Mendel´schen Randomisierung ermittelten Daten entsprechen weitgehend dieser Einteilung: Das Mortalitätsrisiko stieg erst unterhalb von 50 nmol/l / 20 ng/ml an, bei respiratorisch bedingten Todesfällen jedoch nicht erst bei Werten unterhalb von 50 nmol/l / 20 ng/dl, sondern bereits bei höheren Vitamin D-Spiegeln.

In vielen der bisherigen randomisierten Studien mit Vitamin D war eine Gruppe von Menschen mit Spiegeln unter 10 ng/ml nicht gesondert etabliert und untersucht worden bzw. sie war nicht genügend groß. Ethische Gründe stehen einer prospektiven randomisierten Studie bei Menschen mit so niedrigen Spiegeln mit einer Vitamin-D – und einer Plazebogruppe auch entgegen. Insofern stellen die Daten mit der Technik der nonlinearen Randomisierung nach Mendel einen wichtigen Beitrag dar. Die Publikation enthält noch eine Fülle weiterer Daten, erhoben mit speziellen Techniken und Sensitivitätsanalysen.

Im DGE-Blog wurde am 20. Juli 2020 über eine nichtlineare Assoziation von Vitamin D mit einer niedrigeren Gesamt-, Herzkreislauf- und Krebsmortalität in einer prospektiven Kohortenstudie berichtet. Diese untersuchte 365.530 Personen, auch aus der UK-Biobank, mit Vitamin D-Spiegelmessungen und dem Outcome. Es ergaben sich, wie im Detail im Blogbeitrag nachzulesen , zwar etwas unterschiedliche, aber prinzipiell die gleichen Resultate. Der Vitamin D-Grenzwert für die Gesamtmortalität betrug dort 60 nmol/l / 24 ng/ml, und für die Krebsmortalität 45 nmol/l 18 ng/ml, ebenso für die Sterblichkeit an Lungenkrebs. Der Referent (H.S.) geht davon aus, dass es sich wohl um den gleichen Personenkreis aus der UK-Biobank gehandelt haben dürfte, der jetzt mit einer Randomisierung nach Mendel untersucht wurde.“