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Letzte Aktualisierung: 06.04.2020

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Virus macht auch vor „Goodbye Hoechst“ nicht halt

Gespräch zwischen Autor Dr. Seifert und Thomas Reichert verschoben

von Norbert Dörholt

(23.03.2020) Es stand zu befürchten, jetzt ist es offiziell: Auch das für den 29. März im Club der Jahrhunderthalle Hoechst geplante Gespräch zwischen dem ehemaligen Vorstandsmitglied der Hoechst AG Dr. Karl-Gerhard Seifert und dem aus Höchst stammenden HR-Moderator Klaus Reichert über Seiferts Buch „Goodbye Hoechst – von Könnern, Spielern und Scharlatanen“ fällt dem Corona-Virus zum Opfer.

Das Gespräch zuu seinem Buch über den Niedergang der Hoechst AG musste Dr. Karl-Gerhard Seifert wegen der Corona-Vius-Krise jetzt absagen.
Foto: Societäts Verlag
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Das 572 Seiten starke Buch über das Aus des einstmals größten Pharmaunternehmens der Welt hatte sich schnell zu einen Bestseller entwickelt. Bereits stattgefundene Gespräche zwischen Dr. Seifert und Thomas Reichert hatten stets, trotz zu zahlendem Eintritt, viele Besucher angelockt. Der für Ende März avisierte Termin wird jetzt zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Das Buch ist natürlich nach wie vor im Buchhandel erhältlich und kostet 25 Euro. Für die derzeit bestehende Virus-Quarantäne eignet es sich ausgezeichnet, das plötzliche Mehr an freier Zeit sinnvoll zu nutzen. Seifert spricht in seinem akribisch aufbereiteten und spannend zu lesenden Werk von „unübersehbaren Managementfehlern“, die letztlich zur Zerschlagung des früheren Weltkonzerns geführt haben. Viele damalige Mitarbeiter, die in Höchst und der näheren Umgebung leben, haben diese Zeit hautnah und schmerzlich miterlebt und kennen viele der im Buch genannten Akteure persönlich.

Seifert war von 1988 bis 1997 Mitglied im Vorstand und für Landwirtschaft, Pharma, Kosmetik und Spezialchemikalien verantwortlich. Weil er die vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dormann ab 1996 verfolgte Strategie nicht unterstützte, hatte er 1997 die Hoechst AG verlassen und die Leitung der Schweizer Chemiegesellschaft Clariant übernommen. 2001 erwarb er unter dem Namen Allesa-Chemie die ehemaligen Hoechst-Cassella-Chemiewerke in Fechenheim und Offenbach, um sie vor der Stilllegung zu bewahren. Er verkaufte diese Aktivitäten 2013 und ist seit dieser Zeit Geschäftsführer der Cassella GmbH.

Der Blick, den er hinter die Kulissen der seinerzeitigen völlig unnötigen Selbstauflösung eines der größten deutschen Chemiekonzerne in seinem Buch gewährt, ist ein Highlight in der Geschichtsschreibung der neueren deutschen Industriehistorie. Der neue Termin für das verschobene Gespräch mit Thomas Reichert wird in Frankfurt live rechtzeitig bekannt gegeben.