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Viele Geschichten hinter tollen Melodien

Sie galten in den 60er Jahren als Gegenentwurf zu dem Beatles, die Rolling Stones. Die Rolling Stones, 1962 gegründet, waren aufmüpfiger als die vier „Pilzköpfe“ aus Liverpool, ihre Musik noch rockiger. Mit Hits wie Satisfaction, Paint it black, Honky Tonk Woman, Gimmie Shelter oder Sympathy for the Devil katapultierte sich die britische Band in den Rock-Olymp.

Sie galten in den 60er Jahren als Gegenentwurf zu dem Beatles, die Rolling Stones. Die Rolling Stones, 1962 gegründet, waren aufmüpfiger als die vier „Pilzköpfe“ aus Liverpool, ihre Musik noch rockiger. Mit Hits wie Satisfaction, Paint it black, Honky Tonk Woman, Gimmie Shelter oder Sympathy for the Devil  katapultierte sich die britische Band in den Rock-Olymp.  Noch heute sind die Stones weltweit unterwegs - mit Mitte 70! Sie stellen eine Legende dar, sie sind Kult.  Nicht ungewöhnlich, dass drei Generationen ihre Konzerte besuchen. Jetzt ist ein interessantes Werk zu ihren Liedern erschienen:  Die Autoren Philippe  Margotin und Michel Guesdon veröffentlichten das  750-seitige Buch „Rolling Stones - Alle Songs“. Darin beschreiben sie all die Geschichten, die hinter den Tracks stecken.

Die Stones gehören zu den erfolgreichsten Bands der Rockgeschichte. Rock’n’Roll and Drugs an Sex – so kann der Lebenslauf der fünf Musiker zusammengefasst werden.  Mit dem Titel „The last time“ trat die Band Mitte der 1960er Jahre erstmals so richtig ins Rampenlicht ins, tauchte auch in der deutschen Hitparade auf. 1965 schafften sie mit „Satisfaction“ den endgültigen Durchbruch, ein Hit der weltweit an der Spitze der Charts stand. Damit begann eine undglaubliche Erfolgsgeschichte – bis heute. 2016 veröffentlichten sie schließlich ihr 23. Studioalbum:  „Blue and lonesome“.

Margotin und Guesdon ist es gelungen, hinter die Kulissen der Songs zu blicken und interessante und amüsante  Geschichten und Anekdoten zu schildern. In dem Buch werden alle Alben und sämtliche Songs aufgeführt, inklusive vieler Details wie Besetzung, Aufnahmedatum und –ort. Vor allem aber erfährt man die Geschichten hinter den Titeln. Wovon handeln die Stücke, wer hat sie getextet und komponiert? Wer außer dem harten Kern war noch beteiligt?

Da wäre etwa „Gimmie Shelter“  aus dem Album „Let it bleed“  einer der famosesten Songs der Rockgeschichte.  Gimmie Shelter drückte nicht nur  die Gefühlslage einzelner Menschen, sondern den Zustand in der Welt aus: der Vietnamkrieg, die Niederschlagung des Prager Frühlings und die Studentenunruhen sorgten für unruhige Zeiten.  Die Vorgeschichte des Songs besagt, dass Keith Richard im Herbst 1968 ein fürchterliches Gewitter über London mit sintflutartigem Regen von einem Fenster aus beobachtete und sah, wie Passanten auf der Suche nach einem Unterschlupf in alle Richtungen flüchteten. Das Stück beginnt mit einem wunderbaren Gitarren-Intro, es folgen geniale Riffs und eine grandiose, gewaltige Gesangsperformance von Merry Clayton, die sich der Stimme Mick Jaggers sich abwechselt, ja fast duelliert. Ergebnis ist ein überaus spektakulärer Song, der bis heute mit seiner immensen Vitalität beeindruckt.

Der wunderbar melodiöse Song „Lady Jane“ vom Album „Aftermath“ erhält die entscheidende Klangfarbe von Brian Jones‘ Dulcimer-Part. Ein ungewöhnliches Instrument in der Rockmusik, das für einen außergewöhnlichen Sound sorgte  Jones spielte, so erzählen die Autoren, mit einer Gänsefeder. Keith Richards mit einem ebenfalls ungewohnten Akustikgitarren-Part plus ein raffinierter Cembalo-Einsatz von Gastmusiker Jeff Nitzsche verleihen dem Song einen mittelalterlich anmutenden Klang. Was beeindruckt: Man erlebt einen tollen Stereo-Effekt, bei dem die einzelnen Instrumente sehr nuanciert wahrnehmbar erklingen.

Doch nicht nur weltbekannte Hits werden in dem Buch beschrieben. Wer erinnert sich denn noch an „The Storm“ von 1994? Oder an „Ride on Baby“, ein früher Titel der Rolling Stones, der vom Barock-Komponisten Johann Pachelbel inspiriert ist. Der Leser findet viele Geschichten, eine Menge Fotos, die man kennt, gerne wiedersieht, die selten sind oder die man noch nie gesehen hat. Man begegnet  Mick Jagger, den narzisstischen Barden, und auf Keith Richards  mit dessen sieben Leben. Trifft auf den 1969 früh verstorbenen Borderliner Brian Jones oder den Gentleman-Drummer Charlie Watts.  Und den „Benjamin“ der Band, Ronnie Woods, der „erst“ seit 42 Jahren Mitglied der Band ist.  Man stößt natürlich ebenso auf sexy Mädels, denn Love ist strong.

Philippe Margotin / Jean Michel Guesdon: „Rolling Stones – Alle Songs“,  EditionDelius, Delius Klasing-Verlag, 752 Seiten, 59,90 €, ISBN 978-3-667-11088-6, www.delius-klasing.de