Kultur

Viel Kultur, Klerikales und Kulinarisches

Buch führt durch Brügge in Belgien

Brügge in Belgien zählt sicherlich zu den allerschönsten Städten in Europa. Es gibt dort eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Der Journalist Kay Walter hat in seinem Reiseführer „111 Orte in Brügge die man gesehen haben muss“ einen interessanten Querschnitt aufgelistet.

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Die vielfältigen Sehenswürdigkeiten einer wunderschönen Stadt auf 230 Seiten
Foto: emons-Verlag

Kultur, Klerikales und Kulinarik – das belgische Brügge hat eine Menge zu bieten. Das beginnt schon mit der Architektur. Beim Gang durch die Stadt fühlt man sich ans Mittelalter erinnert. Und das hat seinen Grund: Als Ende des 15. Jahrhunderts der Meerzugang via Kanal versandete wurde die wirtschaftliche Basis der Stadt zerstört. Brügge fiel in einen 400 Jahre dauernden Dornröschenschlaf, behielt dadurch sein altes Stadtbild. Dieses wurde wieder aufpoliert, so dass die Altstadt von der UNESCO im Jahr 2000 zum Weltkulturerbe gekürt wurde.

Architektonische Prachtbauten

Das Königliche Stadttheater von Brügge, im Neorenaissance-Stil erbaut, wurde 1869 eröffnet. Es verfügt über einen goldglänzenden Theatersaal, dessen 700 Sitze mit rotem Samt bezogen sind. „Eine Schmuckstück“ schwärmt Kay Walter in seinem Buch. Die Bürgerloge der Stadt ist ebenfalls ein imposantes Gebäude, sagt der Autor. Sie wurde 1395 bis 1417 im spätgotischen Stil im Auftrag der kaufmännischen errichtet und diente als Drehscheibe des internationalen Handels.

Markante Bauten sind ebenso die Gildehäuser auf der Steenstraat, die erstmals 1297 als erste Straße der Stadt erwähnt wurde, deren Sandboten mit Steinen gepflastert wurde. Anfangs des 14. Jahrhunderts wurde das Westvleeshuis hochgezogen, der Sitz der Metzgergilde. Es folgten andere Handwerkergilden mit repräsentativen Sitzen. Die Bäcker etwa residierten im Haus Nr.19, genannt „De Drie Meunycken“ (Die Drei Müller). Den bei Weitem prächtigsten Bau sei das Gildehaus der Maurer in Nr.25, „De Grote Vos“ (Der Große Fuchs), meint Walter. Nach einer Restaurierung 1884 wurde der Originalzustand von 1621 weitestgehend wiederhergestellt.

Wunderschön anzuschauen ist ebenso der Rokokopalast der Bierbrauerfamilie De Meulemeester. Die haben Geschichte geschrieben und tragen den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“. Familie De Meulemeester versteckte während des Zweiten Weltkriegs jüdische Kinder in ihrem Haus. Ende der 1950er Jahre drehte der Regisseur Fred Zinnemann im Rokokopalais den Spielfilm „Geschichte einer Nonne“. Sehr passend, denn in der Hauptrolle spielte der in Brüssel geborene Weltstar Audrey Hepburn eine junge Belgierin, die unter großen Widerständen zur Nonne wird. Nicht erwähnt in dem Reiseführer wird allerdings das prächtige Rathaus der Stadt Brügge.

Meisterwerk von Michelangelo in der Liebfrauenkirche

Kirchen und Klöster spielen im katholischen Belgien eine wichtige Rolle. So auch in Brügge. Etwas besonders Beeindruckendes findet der Besucher in der Onze-Lieve-Vrouwekerk. In diesem Gotteshaus kann ein Meisterwerk von Michelangelo bewundert werden: Die „Brügger Madonna“ mit Jesukind, eine 1,25 Meter große Statue aus poliertem weißen Marmor. Sie entstand zwischen 1501 und 1505, weiß der Autor zu berichten.

Seit 800 Jahren ist der Beginenhof „Ten Wijngaerde“ ein Ort der Stille und Ruhe. Auf dem geschlossenen Kloster-Areal lebten im Mittelalter Laien-Schwesternschaften, Beginen genannt. 1930 starb die letzte der frommen Frauen. Seit 1962 leben Benediktinerinnen in dem Kloster, 1998 wurde der Beginenhof Weltkulturerbe.  Rund 400 Jahre wiederum ist die Frauenkongregation im „Engels Klooster“, dem Englischen Kloster mit seiner markanten Kuppel, in der Carmersstraat ansässig. Hier lebt man nach den Regeln des heiligen Augustinus.

Godshuizen, also Gotteshäuser, nennt man in Flandern kleine Armenhäuser, welche von reichen Bürgern oder Handwerkergilden seit dem 14.Jahrhundert gestiftet wurden. Sie boten Alten, Armen oder Witwen ein Dach über dem Kopf.13 solcher Häuser stehen in der Boeveriestraat, in ganz Brügge verteilt sind noch 50 solcher Gotteshaus-Siedlungen erhalten.

Ein besonders pittoreskes Fleckchen ist eine Bogenbrücke aus Backstein, welche das Areal der Liebfrauenkirche mit dem Park vom Arentshof verbindet. Hier in dem Gemäuer des kleinen Brückenhäuschens haben sich einst viele Liebenden getroffen, um sich ihre herzliche Zuneigung zu versichern. Schon manche Ehe hat hier Ihren Anfang genommen.

Willkommen im Land der Biere

In Belgien ist bekanntlich Bier Kulturgut. Das hat die UNESCO offiziell anerkannt und belgisches Bier zum Weltkulturerbe erklärt. Und so wundert es den Kenner dieser Tatsache nicht, dass die Belgier dies auch zur gerne Schau stellen. Etwa in Brügge mit einer 12 Meter langen und 2,5 Meter hohen Wand aus Bier. Genauer gesagt: Einer Vitrine gefüllt mit etwa 2000 Bierflaschen und den passenden Gläsern dazu. Zu sehen ist diese Attraktion in der Wollestraat 53, im Pub 2be. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es in der Stadt noch 34 Brauereien, heute sind noch vier übriggeblieben. So der „Halve Maan“ in der Altstadt. Der „Halbmond“ kann auf eine über 500 Jahre alte Brautradition zurückblicken, seit 1564 nahezu durchgängig am selben Standort, am Walplein mit einem eindrucksvollen Schankraum. Neben guter Küche fließen dort die Hausbiere „Brugse Zot“ und „Straffe Hendrik“ aus dem Zapfhahn, schildert Kay Walter. Und in der Kuiperstraat 33 findet der Bierliebhaber das Bierlokal „Le Trappiste“, und zwar in einem imposanten Kellergewölbe aus dem 13.Jahrhundert. Die Getränkekarte umfasst 120 handverlesene Biersorten.

Delikatessen wie Fisch frisch auf den Tisch

Aber auch in Sachen feste Nahrung kommen die Besucher auf ihre Kosten. Im Vorort Zeebrugge in der Fischhandel „Westhinder“ zu Hause. Hier gibt es in großen Theken Fisch und Meeresfrüchte in großer Vielfalt und hervorragender Qualität.  Steinbutt und Seewolf, Jakobsmuscheln oder Krebse und Vieles mehr. Belgien ist bekannt für seine gute Küche. So listet der „Guide Michelin“ in Brügge 23 Restaurants auf. Besonders lecker speisen kann man im „Vlissinghe“, einem Gasthaus mit langer Tradition in der Brügger Bleekerstraat. Hier, in altflämischer Inneneinrichtung, wird seit dem Jahr 1515 aufgetischt.  Doch auch eine besondere Spezialität gehört zu Belgien: die Pommes frites, hier „friet“ genannt. Man bekommt sie in den Frittenbuden, „frituur“ genannt. Empfohlen wird in Brügge vom Autor des Buches die „Frituur Godfriet“, Oostmeers126.

Auch für „Süßschnäbel“ gibt es allerhand zu entdecken. Beispielsweise bieten in der Altstadt über 50 „Chocolatiers artisanals“ ihre Kreationen an. Die herausragende Figur unter den Brügger Schoko-Künstler ist Dominique Persoone, so etwas wie der Rockstar unter den flämischen Chocolatiers. Und das liegt nicht nur allein an der „Rollings-Stones-Zungen-Praline“, schreibt Kay Walter. In seinem Geschäft „The Chocolat Line“ (Simon Stevinplein 19) gibt es auch Schoko-Pillen oder Schoko-Lippenstift.

Mit Natur kann die Stadt ebenfalls punkten

Da wäre etwa das Naturschutzbegiet "Zwin", eine Watt- und Dünenlandschaft vor den Toren der Stadt an der belgisch-niederländischen Grenze. Seit 1952 Naturpark nennt er sich auch "Internationaler Flughafen für Vögel". Im Frühjahr kommen die Störche zum Brüten, es folgen und Löffler, im Herbst landen Falken und Fischadler. Der Park verfügt über mehrere Erklär-Stationen. Im interaktiven Museum können die Besucher Vogelarten imitieren oder mit Zugvögeln reisen.

Der Damse Vaart ist ein Ausflugsparadies, der von Pappeln gesäumte Kanal führt von Brügge 5 Kilometer bis Damme. Man kann mit dem Kajak, der Stand-up-Paddle oder mit dem Radddampfer auf dem Wasser unterwegs sein. Oder mit dem Rad oder zu Fuß auf dem Damm die Strecke bewältigen.

Denkmäler für berühmte Maler

Natürlich darf auch das Thema Kunst in Brügge nicht vergessen werden. So wohnten am Kanal Gouden-Handrei im Zentrum der Stadt die großen Künstler der „Flämischen Primitiven“: Jan van Eyck (1390 – 1441) uns Hans Memling (circa 1433 – 1494) war übrigens gebürtige in Seligenstadt am Main. Die beiden werden in diesem Viertel mit Denkmälern geehrt. Die Werke von Memling hängen in renommierten  Museen wie dem Louvre, im Prado oder in New York. Das Memling-Museum im Sint-Janshospital beherbergt eine großen Schatz: den Schrein der heiligen Ursula.

Und in einem kleinen Park am Predikherenrei steht die Bronzestatue einer jungen Frau: Marieke. Es ist eine Hommage an das weltberühmte Liebeslied „Marieke“ von Jaques Brel. Gerichtet an das 20-jährige Mädchen dieses Namens aus dem „platte land“ zwischen „Bruges et Gand“ Also auch ein Liebeslid an Flandern, das Land zwischen Brügge und Gent.

Kay Walter: 111 Orte in Brügge die man gesehen haben muss, emons Verlag, ISBN 978-3-7408-1712-1, 18 Euro