Viel Arbeit für den Staatsanwalt
Mehr Verfahren, hohe Summen und neue Schwerpunkte
Die hessischen Staatsanwaltschaften und die Amtsanwaltschaft Frankfurt am Main haben im Jahr 2025 erneut eine hohe Zahl an Verfahren bearbeitet und zugleich in zentralen Bereichen wie Vermögensabschöpfung, Organisierter Kriminalität, Cyberkriminalität und Staatsschutz deutliche Akzente gesetzt. Bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Frankfurt sprachen Justizminister Christian Heinz und Generalstaatsanwalt Torsten Kunze von einer starken Leistung für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Hessen.
Nach den nun veröffentlichten Zahlen gingen im vergangenen Jahr 421.440 neue Ermittlungsverfahren bei den neun hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt ein. Das waren rund 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Abgeschlossen wurden 407.115 Verfahren. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer lag bei 2,8 Monaten und blieb damit nahezu konstant. Justizminister Christian Heinz würdigte die Arbeit der Mitarbeiter als unverzichtbaren Bestandteil des Rechtsstaats. „Die hessischen Staatsanwaltschaften leisten Herausragendes für die Sicherheit und die Rechtsstaatlichkeit in unserem Land“, sagte er. Generalstaatsanwalt Torsten Kunze betonte, die Behörden stünden weiterhin unter hoher Belastung, erfüllten ihren Auftrag aber mit großem Einsatz.
Millionenbeträge abgeschöpft und hohe Sanktionen gegen Unternehmen
Ein Schwerpunkt lag 2025 erneut auf der Abschöpfung kriminell erlangter Vermögen. Nach Angaben der Justiz flossen mehr als 17,7 Millionen Euro aus strafrechtlicher Vermögensabschöpfung in den Staatshaushalt. Weitere 6,9 Millionen Euro wurden zugunsten von Opfern gesichert. Kunze bezeichnete die Vermögensabschöpfung als „bedeutende Säule der Strafverfolgung“. Sie diene nicht nur dazu, Opfer unmittelbar zu entschädigen, sondern sende auch ein klares Signal: „Verbrechen lohnt sich nicht.“
Hinzu kamen Verbandsgeldbußen gegen Unternehmen in Höhe von mehr als 95,5 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch gut 68 Millionen Euro gewesen. Ein großer Teil dieser Summe stammt aus Frankfurter Verfahrenskomplexen, unter anderem im Zusammenhang mit Diesel-Abschaltvorrichtungen und Greenwashing bei Kapitalanlagen. Die Generalstaatsanwaltschaft verweist in diesem Zusammenhang auf den weiteren Ausbau von Fachwissen durch zentrale Fortbildungen.
E-Akte seit Anfang 2026 flächendeckend im Einsatz
Auch die Digitalisierung der Justiz machte 2025 einen großen Schritt. Zwischen August und Dezember wurde die elektronische Akte in allen hessischen Staatsanwaltschaften und der Amtsanwaltschaft Frankfurt eingeführt. Seit dem 1. Januar 2026 arbeitet die Justiz in Hessen damit flächendeckend digital. Heinz bezeichnete die E-Akte als Grundlage für künftige KI-Anwendungen in der Justiz. Ziel sei es, den Staatsanwaltschaften bis zum Ende der Legislatur ein entsprechendes KI-Tool bereitzustellen. Kunze sprach von einem „epochalen Reformprojekt“, das den Mitarbeitern in der Umstellungsphase viel abverlangt habe – besonders in den ohnehin stark belasteten Sekretariaten.
Kapitaldelikte und häusliche Gewalt bleiben im Fokus
Bei den Tötungsdelikten registrierten die hessischen Staatsanwaltschaften im Jahr 2025 insgesamt 570 neue Ermittlungsverfahren wegen versuchter oder vollendeter Taten. Im Vorjahr waren es 468, im Jahr 2023 noch 536. Laut Kunze werden diese Verfahren durch neue technische Möglichkeiten in Ermittlungen und Hauptverhandlungen immer komplexer, zugleich steige damit aber auch die Qualität der Beweisführung.
Ein weiteres wichtiges Thema bleibt die häusliche Gewalt. Zwar sank die Zahl der neuen Ermittlungsverfahren leicht um 3,3 Prozent auf 9.162 Fälle, sie bewegt sich damit aber weiterhin auf hohem Niveau. Heinz verwies darauf, dass vor allem Frauen betroffen seien und Täter mit konsequenter Strafverfolgung rechnen müssten. Kunze machte zugleich deutlich, dass die Statistik nur einen Teil des Problems abbilde. Wegen des privaten Umfelds, in dem diese Taten häufig stattfänden, müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.
Wirtschafts- und Steuerkriminalität deutlich gestiegen
Einen deutlichen Anstieg verzeichnete Hessen bei Wirtschafts-, Geldwäsche- und Steuerdelikten. Die Zahl der registrierten Fälle stieg 2025 auf 27.376, nach 22.729 im Jahr zuvor – ein Plus von gut 20 Prozent. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Frankfurt, die nach Angaben der Justiz insbesondere im Kapitalmarktstrafrecht bundesweit über hohe Expertise verfügt. Zu den hervorgehobenen Verfahren zählt ein rechtskräftig abgeschlossenes Urteil wegen Insiderhandels, bei dem ein Angeklagter zu drei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von Taterträgen von rund 9,4 Millionen Euro an.
Weiter bearbeitet wird auch der Bereich Cum-Ex. In zehn großen Verfahrenskomplexen ermittelt die Eingreifreserve der Generalstaatsanwaltschaft noch gegen 43 Beschuldigte. Im Jahr 2025 verurteilte das Landgericht Frankfurt zwei weitere Angeklagte zu mehrjährigen Freiheitsstrafen; zusätzlich wurde die Einziehung von 2,78 Millionen Euro angeordnet.
Organisierte Kriminalität bleibt eine große Herausforderung
Die Justiz sieht auch bei der Organisierten Kriminalität eine wachsende Bedrohung. Kriminelle Gruppen beschränkten sich nicht mehr auf klassische Felder wie den Drogenhandel, sondern agierten zunehmend auch in Bereichen wie Geldwäsche, Schleusung, Gewalt- und Waffenkriminalität. Ein zentrales Verfahren betrifft die mutmaßliche Organisation „Die Firma“, die seit mehreren Jahren im Rhein-Main-Gebiet mit Kokain und Cannabis in großem Umfang gehandelt haben soll. Von 33 Beschuldigten saßen nach Angaben der Justiz zeitweise 23 im In- und Ausland in Haft. Bisher wurden elf Personen zu Freiheitsstrafen zwischen drei Jahren und zehn Monaten sowie elf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Außerdem wurden Taterträge in Millionenhöhe eingezogen.
Auch bei Geldautomatensprengungen meldet Hessen Erfolge. Nachdem 2023 noch 61 Fälle registriert worden waren, sank die Zahl 2024 auf 24 und 2025 weiter auf sechs Fälle. In nur drei Fällen gelangten die Täter überhaupt an Bargeld. Kunze sprach in diesem Bereich von „beeindruckenden Erfolgen“ durch eine konsequente und zentralisierte Bekämpfung.
ZIT in Frankfurt setzt Maßstäbe bei Cyberkriminalität
Besondere Bedeutung für Frankfurt hat erneut die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft. Die Frankfurter Behörde zählt bundesweit zu den wichtigsten Einrichtungen im Kampf gegen Cyberkriminalität und Darknet-Strukturen. 2025 erzielten ZIT und Bundeskriminalamt nach Angaben der Justiz mehrere bedeutende Ermittlungserfolge. Dazu gehörten die Zerschlagung der Plattform „Crimenetwork“, die Abschaltung des Krypto-Dienstes „eXch“, Maßnahmen im Rahmen von „Operation Endgame 2.0“, der Zugriff auf den „Archetyp Market“ im Darknet sowie die Beschlagnahme der Infrastruktur des Bitcoin-Mixers cryptomixer.io. Dabei wurden teils Kryptowährungen in Millionenhöhe sichergestellt.
Heinz betonte: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“ Kunze ergänzte, gerade in diesem Bereich sei nicht nur die Identifizierung von Tätern entscheidend, sondern auch die Zerschlagung krimineller Infrastrukturen und die Abschöpfung von Taterträgen.
Kinderpornografie, Extremismus und Antisemitismus
Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik sank die Zahl der Vorgänge in Hessen zwar um knapp sechs Prozent auf 4.100 Fälle, doch sehen die Ermittler weiterhin große Probleme bei der Identifizierung unbekannter Täter. Im Jahr 2025 mussten nach Angaben der ZIT über 17.000 Hinweise eingestellt werden, weil eine Zuordnung von IP-Adressen nicht möglich gewesen sei. Allein in den ersten drei Monaten 2026 kamen bereits mehr als 10.700 solcher Fälle hinzu.
Im Bereich Staatsschutz stieg die Zahl der registrierten Verfahren von 230 auf 398, also um 73 Prozent. Zugleich nahm die Zahl der Ermittlungen wegen antisemitischer Straftaten weiter zu: von 224 Fällen im Jahr 2024 auf 308 Fälle im Jahr 2025. Die bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angesiedelte Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bearbeitete dazu mehrere herausgehobene Verfahren mit Bezug zum „Islamischen Staat“.
100 neue Stellen – Entlastung bleibt dennoch ein Thema
Zur Stärkung der Strafverfolgung wurden die hessischen Staatsanwaltschaften im Jahr 2025 mit 100 zusätzlichen Stellen ausgestattet. Darunter sind 50 neue Stellen für Staatsanwälte sowie weitere Stellen für Amtsanwälte, Rechtspfleger und Sekretariatskräfte. Insgesamt arbeiten derzeit mehr als 1.920 Bedienstete für die hessischen Staatsanwaltschaften und die Amtsanwaltschaft Frankfurt, darunter über 635 Staatsanwälte.
Eine durchgreifende Entspannung sieht die Justiz dennoch nicht. Kunze erklärte, die Zahl der Verfahren sei weiter gestiegen, entsprechend hoch bleibe die Arbeitsbelastung. Heinz bezeichnete den Personalaufbau als wichtigen Schritt und kündigte an, weiter an der Entlastung der Behörden und an einer Modernisierung der Strafprozessordnung zu arbeiten. Mit Blick auf die Gesamtbilanz zogen Minister und Generalstaatsanwalt ein positives Fazit. Die zusätzlichen Stellen, die Digitalisierung und die konsequente Verfolgung komplexer Kriminalitätsformen seien eine Investition in die Sicherheit und in die Handlungsfähigkeit des Rechtsstaats.
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