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Letzte Aktualisierung: 22.04.2024

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Verstärkter Kampf gegen Lungenkarzinom

Mehr als 30 neue Empfehlungen und Ergänzungen

von pm/DGP

(22.03.2024) Das medizinische Umfeld bei der Behandlung des Lungenkarzinom ist geprägt durch eine große Dynamik – neue Studienergebnisse sowie Weiter- und Neuentwicklungen von Diagnose- und Therapieverfahren spielen eine wichtige Rolle. Um dieser Dynamik besser gerecht werden zu können, wurde jetzt unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) eine sogenannte, sich regelmäßig aktualisierende Living Guideline der S3-Leitlinie „Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms“ veröffentlicht.

Diese Leitlinie wurde von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie gefördert. „Das ist ein großer Erfolg für die Pneumologie, denn so können aktuellste wissenschaftliche Erkenntnisse noch schneller für die Praxis zugänglich gemacht werden. Vor dem Hintergrund, dass das Lungenkarzinom immer noch die Krebserkrankung mit der höchsten Mortalitätsrate ist, kann das Menschenleben retten“, würdigte DGP-Präsident Professor Wolfram Windisch diese beachtliche Leistung. Insgesamt sind im Rahmen der Living Guideline 15 neue Empfehlungen zur bestehenden S3-Leitlinie hinzugekommen, weitere 17 Empfehlungen wurden überarbeitet. Dazu zählen z.B. Aspekte bei der Immunchemotherapie, Molekularpathologie sowie der Nachsorge.

Living Guidelines zeichnen sich dadurch aus, dass sie mindestens einmal jährlich aktualisiert werden müssen – während S3-Leitlinien in der Regel nur alle fünf Jahre aktualisiert werden. „Wir freuen uns sehr, dass wir es von den großen onkologischen Entitäten hierzulande als erste geschafft haben, eine Living Guideline im Zeitraum von nur einem Jahr zu erarbeiten. Das ist ein Meilenstein, um die Situation für Lungenkarzinom-Patienten in Deutschland weiter zu verbessern“, sagt Professor Wolfgang Schütte, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Krankenhaus Martha-Maria Halle-Dölau, der die starke Gemeinschaftsarbeit koordiniert hat. Er ergänzt: „Und es ist auf jeden Fall ein Signal für andere Kolleginnen sowie Kollegen, auch anderer Fachbereiche, dass die Erarbeitung von Living Guidelines realisierbar ist.“ 

Wichtige Neuerungen zum Beispiel bei neoadjuvanter Immunchemotherapie, Molekularpathologie und Nachsorge

Insbesondere bei den früheren Lungenkarzinom-Stadien hat sich die Situation in den vergangenen Jahren sehr verändert – dem trägt die Living Guideline mit einigen Neuerungen nun Rechnung. So wurden zum Beispiel neue Empfehlungen zur sogenannten neoadjuvanten Immunchemotherapie, die vor einer Operation eingesetzt wird, in den Krankheitsstadien I, II und III aufgenommen. Damit dies möglich ist, wurden im Kapitel „Molekularpathologie“ dieimmunhistologischen Untersuchungen bei Patienten in frühen Krankheitsstadien ergänzt. Bei der Behandlung von Patienten mit Metastasen im Stadium IV gibt es ebenso neue Therapiemöglichkeiten – in Form neuzugelassener Substanzen und neuer Kombinationsmöglichkeiten von Substanzen. Schließlich gibt es viele Veränderungen im Bereich „Nachsorge“ – diese finden sich ebenfalls in der Living Guideline.

Living Guideline soll Erfolge bei der Krebsbekämpfung unterstützen

„Auch wenn das Lungenkarzinom immer noch die höchste Mortalitätsrate unter den Krebserkrankungen aufweist, können wir viele Erfolge in den letzten Jahren vorweisen. So hat sich seit 2010, dem Erscheinungsdatum der ersten S3-Leitlinie zum Thema, die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Patienten im Stadium IV fast verdoppelt. Umso wichtiger ist, dass wir den Wettlauf gegen die Zeit nicht verlieren, indem wir unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse noch schneller zusammentragen und veröffentlichen. Und dafür haben wir nun den Anfang gemacht“, so Professor Schütte.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat sich als wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft darauf spezialisiert, die Prävention, Diagnostik sowie Therapie von Atemwegs- und Lungenerkrankungen zu verbessern. Lange stand dabei die Tuberkulose im Vordergrund, seit den 1960er-Jahren haben Volkskrankheiten wie Asthma, die dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung COPD, Lungenentzündung und Lungenkrebs die Pneumologie zu einem der großen Schwerpunktfächer der Inneren Medizin gemacht. 

Wichtige aktuelle Themen sind die Entwöhnung vom Rauchen, die Auswirkungen von Luftschadstoffen auf die Atemluft, schlafbezogene Atmungsstörungen, die Beatmungsentwöhnung sowie das Coronavirus SARS-CoV-2 und die daraus resultierende Infektionskrankheit COVID-19. Die DGP wurde 1910 gegründet und hat heute rund 4.800 Mitglieder aus Medizin und Forschung. Weitere Informationen gibt es unter: www.pneumologie.de