Verhindern statt behandeln
Krankheiten: Wirtschaftsweisen rücken Prävention in den Fokus
Die ‚Wirtschaftsweisen‘ haben in ihrem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutachten Prävention deutlich in den Fokus gerückt. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS) betont: Wirtschaftliche Aspekte seien in dieser Debatte zwar ein wichtiger Faktor. Entscheidend für die Menschen sei, Krankheiten zu verhindern, früher zu erkennen und ihnen auf diese Weise Leid und verlorene Lebensjahre zu ersparen. Die DGVS fordert daher eine nationale Präventionsstrategie und eine „Nationale Dekade für Prävention“ – mit besserer Vorsorge, gesunden Lebenswelten und gezielten Programmen für Risikogruppen etwa bei Darmkrebs, Hepatitis und Fettleber.
Professor Dr. med. Heiner Wedemeyer, Präsident der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, sagt: „Das Gutachten zeigt, was wir schon seit Längerem fordern: Prävention ist kein Randthema und keine Aufgabe des Einzelnen allein. Es ist gesellschaftlich nicht länger vertretbar, vermeidbare schwere Erkrankungen erst dann zu behandeln, wenn sie Lebensqualität, Alltag und Lebenserwartung bereits beeinträchtigen.
Das Beispiel der Lebererkrankungen zeigt, wie wichtig strukturierte Früherkennung ist: Mindestens 20 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Fettleber, viele entwickeln unbemerkt eine fortgeschrittene Leberschädigung. Wir brauchen deshalb verlässliche Strukturen, etwa einen Leber-Check für Menschen mit Adipositas, Diabetes oder metabolischem Risiko. Eine Nationale Dekade für Prävention kann dafür den politischen Rahmen schaffen: mit klaren Zielen, festen Zuständigkeiten und Maßnahmen, die Menschen erreichen, bevor irreversible Schäden entstehen.“
Professorin Dr. med. Birgit Terjung, Mediensprecherin der DGVS und Chefärztin der Inneren Medizin am St. Josef Hospital der GFO Kliniken Bonn, sagt: „Die ‚Wirtschaftsweisen‘ empfehlen in ihrem Gutachten zahlreiche Maßnahmen, die die Medizin – und auch die DGVS – in den vergangenen Jahren wiederholt gefordert hat. Das sollte den politisch Verantwortlichen die Augen öffnen. Mit der angekündigten Herstellerabgabe auf Süßgetränke hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt in die Richtung Verhältnisprävention gemacht. Eine ‚Zuckersteuer‘ ist zwar kein Allheilmittel, aber ein wirksamer Baustein moderner Prävention.
Wir brauchen weitere Maßnahmen wie eine verständliche Kennzeichnung, verbindliche Standards für Kita- und Schulverpflegung und wirksame Werbebeschränkungen. Es muss für den Einzelnen im Alltag leichter sein, die gesunde Wahl zu treffen. Dazu zählt, dass ungesunde Produkte nicht länger billig, omnipräsent und gezielt an Kinder und Jugendliche beworben werden.“
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie über 7000 in Klinik und Forschung tätige Ärzte unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle der Patienten.