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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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VdK verlangt Meldestelle für Probleme in der stationären Pflege

Beschwerden über Versorgung dürfen nicht länger ins Leere laufen

von Karl-Heinz Stier

(15.06.2022) Täglich leisten Pflegekräfte in ganz Deutschland großartige Arbeit und engagieren sich vorbildlich für Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen. Trotzdem werden immer wieder gravierende Mängel in der stationären Versorgung aufgedeckt.

Zentrale Probleme bilden dem aktuellen Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Diensts des Spitzen-verbandes Bund der Krankenkassen (MDS) zufolge etwa zu wenig Hilfe bei Mobilität und Ernährung sowie eine unzureichende Behandlung von Druckgeschwüren und sonstigen chronischen Wunden. Um Defizite schnellstmöglich melden zu können und damit Verbesserungen in die Wege zu leiten, fordert der Sozialverband VdK Hessen-Thüringen zum Welttag gegen die Diskriminierung und Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni ein unabhängiges „Frühwarnsystem“ in Form einer zentralen Meldestelle für Betroffene, Angehörige und Pflegepersonal, aber auch für die behördlichen Prüfer.

Ende 2019 waren in Hessen von insgesamt 310.653 pflegebedürftigen Menschen mehr als 55.000 dauerhaft vollstationär untergebracht. In Thüringen lebten zu dem Zeitpunkt von den knapp 135.592 Pflegebedürftigen etwa 25.000 in Pflegeeinrichtungen. „Grund für eine mangelhafte stationäre Pflege kann beispielsweise ein hohes Gewinnstreben sein“, sagt der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann. Beschäftige ein Heimbetreiber – um Kosten zu sparen – gemessen an der Zahl der Bewohner und deren Pflegebedarf zu wenige Fachkräfte, gerieten diese schnell unter Druck. „Bei einer dauerhaften Überlastung der Pflegenden aber leidet die Pflegequalität, Fehler sind dann kaum zu vermeiden“, so Weimann. „Eine Anlaufstelle, an die sich Betroffene direkt und unkompliziert wenden können, würde deutlich zur Sicherung der Qualität in der Pflege beitragen.“

Diese müsse die Möglichkeit haben, Anzeigen selbstständig nachzugehen und das gesamte Verfahren zu begleiten. Dabei würden Mängelberichte ähnlich einer Ampel gekennzeichnet, entsprechend der Dringlichkeit der vorliegenden Probleme. Vorgegeben wäre zudem, in welchem Zeitrahmen Defizite beseitigt sein müssen sowie wann und welche Sanktionen erfolgen, wenn dies nicht der Fall ist – bis hin zu einem Aufnahmestopp, der Schließung eines Heims oder sogar dem Entzug der Betriebserlaubnis.

„Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Um dauerhaft eine gute pflegerische Versorgung zu sichern, brauchen wir aber darüber hinaus Heimleitungen und Einrichtungsträger, für die eine menschenwürdige Pflege im Fokus steht und nicht allein die Gewinnmarge“, betont der VdK-Landesvorsitzende.