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Letzte Aktualisierung: 06.12.2022

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VdK fordert höheres Pflegegeld und einheitliches Pflegebudget

Soziales Forum mit Gästen aus Wissenschaft, Politik und Praxis

von Karl-Heinz Stier

(23.11.2022) Grundlage der Diskussion bildete eine Studie mit 56.000 Teilnehmenden zur häuslichen Pflege, die die Hochschule Osnabrück 2021 im Auftrag des VdK durchgeführt hat.

„Viele pflegende Angehörige sind am Limit – physisch, psychisch und nicht zuletzt finanziell“, fasste Horst Vöge, der Landesvorsitzende des VdK Nordrhein-Westfalen, die Ergebnisse der Erhebung zusammen: „Ein Drittel der Befragten bezeichnet finanzielle Sorgen als ständigen Begleiter, über die Hälfte verzichtet nach eigenen Angaben auf entlastende Angebote wie den Pflegedienst, Tages-, Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege.“

Mit knapp 1,2 Millionen hat die Zahl der Pflegebedürftigen im bevölkerungsreichsten Bundesland einen historischen Höchststand erreicht. 86 Prozent von ihnen werden zu Hause betreut. „Auch in Hessen und Thüringen werden 80 Prozent der rund 450.000 Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden versorgt, größtenteils von ihren Angehörigen“, sagte Paul Weimann, VdK-Landesvorsitzender in Hessen und Thüringen. „Aus der Befragung unserer Mitglieder wissen wir, dass sich viele Betroffene alleingelassen fühlen und sich eine bessere Beratung sowie mehr Entlastung im Haushalt und bei der Pflege wünschen.“

Beide Landesverbände unterstützen mit eigenen Aktionen die bundesweite Kampagne „#naechstenpflege“, mit der der VdK Deutschland sowohl auf die enorme Leistung als auch auf die große Belastung der pflegenden Angehörigen aufmerksam macht. Um ihre Situation zu verbessern, fordert der VdK unter anderem die Einführung eines Gesamtbudgets, das alle Leistungen der Pflegeversicherung bündelt, sowie eine Erhöhung des Pflegegelds, wie sie im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung angekündigt worden war. „Nicht zuletzt brauchen pflegende Angehörige einen Lohn oder ähnlichen Ausgleich, der ihnen im Alter eine auskömmliche Rente garantiert“, ergänzte Horst Vöge. „Ansonsten erleben wir womöglich ein Pflegedesaster, weil es sich niemand mehr leisten kann, beruflich zurückzustecken, um sich um seine Liebsten zu kümmern.“ Der VdK habe die demografische Entwicklung im Blick und werde das Thema Pflege auch künftig weiter voranbringen, versicherte Paul Weimann.