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VdK fordert: Armut endlich wirksam bekämpfen!

Zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar

Der VdK Hessen-Thüringen fordert entschlossenes politisches Handeln gegen die zunehmende soziale Spaltung. „Es ist nicht hinnehmbar, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet", sagte der VdK-Landesvorsitzende Paul Weimann anlässlich des Welttages der sozialen Gerechtigkeit.

„Trotz der guten Wirtschaftslage mit Exportrekorden wächst in Hessen der Anteil der Bevölkerung, der von Armut bedroht ist, und liegt in Thüringen sogar noch höher." 2017 lebten in Hessen mehr als 960.000 armutsbedrohte Menschen (2007: 729.000), die Armutsgefährdungsquote betrug 15,4 Prozent (2007: 12,0 Prozent). In Thüringen lag die Armutsgefährdungsquote 2017 bei 16,3 Prozent, was mehr als 350.000 armutsbedrohten Menschen entspricht. Gleichzeitig verfügen die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung in Deutschland über 65 Prozent des Gesamtnettovermögens, das wohlhabendste Prozent über fast ein Drittel.

„Sehr besorgniserregend ist die steigende Altersarmut", sagte Weimann. Bei den 65-Jährigen und Älteren ist die Armutsgefährdungsquote zwischen 2007 und 2017 in Hessen von 10,7 auf 14,1 Prozent gestiegen, in Thüringen von 8,6 auf 12,6 Prozent. „Auch der prozentual starke Anstieg bei den Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bestätigt unsere pessimistischen Prognosen", betonte der VdK-Landesvorsitzende. Im Vergleich zu 2007 musste hier 2017 in Hessen eine Zunahme um gut die Hälfte, in Thüringen um fast ein Drittel verzeichnet werden. „Hinzu kommen viele alte Menschen, die sich davor scheuen, Leistungen zu beantragen, etwa weil sie sich vor Nachbarn genieren", sagte Weimann. „Da gibt es eine große Dunkelziffer."

Das Problem werde sich weiter verschärfen, wenn Arbeitnehmer, die heute zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, in Rente gehen. „Den besonders gefährdeten Gruppen dieser Generation – Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich, Teilzeitbeschäftigten, Minijobbern und Alleinerziehenden – wird es nicht gelingen, eine gesetzliche Rente zu erzielen, von der sie leben können", sagte Weimann. „Privat vorzusorgen ist ihnen nicht möglich."

Besonders gefährdet, in Altersarmut abzurutschen, so Weimann, seien jene Arbeitnehmer, die aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig Rente beantragen müssten. Um deren Situation zu verbessern, sollten die Abschläge von bis zu 10,8 Prozent bei der Erwerbsminderungsrente sofort gestrichen werden. Auch das Vorhaben der Bundesregierung, das Rentenniveau bis 2025 nicht unter 48 Prozent sinken zu lassen, genüge nicht, kritisierte der VdK-Landesvorsitzende. Der VdK fordert ein Rentenniveau von 50 Prozent und eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro.

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