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Letzte Aktualisierung: 04.03.2024

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VCI: "Wieder nur eine Übergangslösung"

Bundesregierung legt Kraftwerksstrategie vor

von Norbert Dörholt

(06.02.2024) Die Bundesregierung hat am Montag nach langer Verzögerung ein Konzept für eine Kraftwerksstrategie (KWS) vorgelegt. In den nächsten Jahren sollen der Bau und die Umrüstung von wasserstofffähigen Gaskraftwerken ausgeschrieben werden. Sie sollen Energie liefern, wenn die Sonne nicht scheint und kein Wind weht. Die Kraftwerke sollen bis 2028 in einen Kapazitätsmechanismus übergehen, für den jedoch noch kein Konzept vorliegt.

Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des in Frankfurt beheimateten Verbands der Chemischen Industrie (VCI), kommentiere das so: „Das ist nicht der nötige große Wurf, der die Versorgungssicherheit sicherstellt. Jetzt haben wir wieder nur eine Übergangslösung. Damit fehlt weiter die für Investitionen nötige Planungssicherheit. Wir brauchen jetzt unbedingt Tempo bei der Ausarbeitung des Kapazitätsmechanismus: Die gesicherte Stromversorgung gerät zunehmend unter Druck und die Kraftwerke werden dringend gebraucht.“

Kein weiterer Ausstieg ohne neue Kraftwerke

Positiv ist die Nutzungsperspektive für Wasserstoff, bei dem CO2 abgeschieden wird. Die geplanten Anlagen mit einer Leistung von knapp zehn Gigawatt reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Versorgung zu garantieren. Große Entrup betont: „Wir dürfen bestehende Kraftwerke erst abschalten, wenn wir einen sicheren, wetterunabhängigen Ersatz haben.“

Der angekündigte Kapazitätsmechanismus sollte aus VCI-Sicht möglichst technologieoffen und kosteneffizient für Stromkunden ausgestaltet werden. Dabei sollte die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen weiterentwickelt und die freiwillige Bereitstellung von Flexibilität durch die Industrie angemessen vergütet werden. VCI-Hauptgeschäftsführer Große Entrup mahnt: „Ungeplante Abschaltungen von Industrieanlagen müssen unbedingt vermieden werden.“

Energiesystem schnell auf neue Füße stellen

„Die Kraftwerksstrategie ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Schritt. Wir brauchen jetzt schnell Klarheit über den Kapazitätsmechanismus und das künftige Strommarktdesign, einen zügigen Wasserstoffhochlauf und den massiven Ausbau der Erneuerbaren sowie der Versorgungs- und Speicherinfrastruktur. Und: Wir brauchen endlich Entlastung von den hohen Energiekosten. Hier stimmt seit dem Anstieg der Netzentgelte zum Jahreswechsel noch nicht einmal mehr die grobe Richtung. Das Strompreispaket verpufft“, so der VCI-Hauptgeschäftsführer.