Urbanes Baden im Westhafen
Die Vorstellung, mitten in der Stadt im Main zu schwimmen, klingt zunächst wie eine kühne Fantasie. Doch im Frankfurter Westhafen nimmt diese Idee zunehmend Gestalt an. Ein Konzept sieht vor, das hintere Hafenbecken in eine moderne Schwimmanlage zu verwandeln – mit 50-Meter-Bahnen, Holzpontons und einem natürlichen Reinigungssystem.
Foto: KI-generiert, Prompt Poppe
Die Vision orientiert sich an internationalen Vorbildern wie Paris, wo das Baden in der Seine seit den Olympischen Spielen 2024 wieder möglich ist. Man (n) selbst erinnert sich an letzte öffentliche Schwimmwettkämpfe im Main Anfang der 60er Jahre - als Mitglied des E.F.S.C. - der im Schwedlersee trainierte.
Die Idee greift eine historische Tradition auf: Bereits im 19. Jahrhundert war das Baden im Main ein beliebtes Freizeitvergnügen. Schwimmstätten wie das Mosler’sche Bad oder die Badeanstalt in Niederrad prägten das Stadtbild, bevor die Wasserqualität in den 1960er-Jahren einen Rückgang erlebte. Heute ist der Fluss deutlich sauberer – und damit wieder ein potenzieller Ort für urbane Erholung.
Das Hafenbecken im Westhafen bietet laut Konzept ideale Voraussetzungen: Es ist vom Strom des Mains abgeschottet, der Wasserspiegel bleibt durch Staustufen konstant, und der hintere Bereich wird kaum genutzt. Eine biologische Filterwand unter der Westhafenbrücke könnte Treibgut und Schmutz fernhalten, während die natürliche Wasserzirkulation durch die Kühlwasserentnahme eines angrenzenden Hochhauses für Frische sorgt.
Die Stadt Frankfurt hat das Projekt geprüft, sieht jedoch zahlreiche Hürden. Neben wasserrechtlichen Vorgaben und Sicherheitsbedenken wird auch die Funktion des Beckens als Löschwasserspeicher genannt. Zudem könnten Sedimente mit Schadstoffen aufgewirbelt werden. Dennoch bleibt das Vorhaben im Gespräch – nicht zuletzt, weil das Hafenbecken nicht im Besitz der Stadt ist und eine private Umsetzung denkbar wäre.
Ein weiterer Knackpunkt sind die Eigentumsverhältnisse: Mehr als 400 Anwohner besitzen Anteile am betreffenden Abschnitt des Beckens. Ihre Zustimmung wäre Voraussetzung für eine Realisierung. Befürworter des Projekts argumentieren, dass ein Schwimmbereich nicht nur die Lebensqualität steigern, sondern auch die Gastronomie vor Ort beleben könnte.
Die Idee eines Hafenschwimmbads steht exemplarisch für eine nachhaltige Stadtentwicklung, die brachliegende Flächen neu denkt und den Fluss als Lebensraum zurück in den Alltag der Menschen holt. Ob Frankfurt diesen Schritt wagt, bleibt offen – doch die Diskussion zeigt, wie lebendig die Sehnsucht nach urbanem Baden ist.
Weitere Artikel aus der Kategorie: