Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 12.06.2024

Werbung
Werbung

Unterschätzte Gefahr: Obstruktive Schlafapnoe

von Ilse Romahn

(12.09.2023) Fast eine Milliarde Menschen weltweit und etwa 26 Millionen in Deutschland leiden laut einer Studie aus dem Jahr 2019 an obstruktiver Schlafapnoe, kurz OSA. Experten schätzen, dass ungefähr 95 Prozent der Betroffenen nichts von ihrer Erkrankung wissen.

„Viele Patienten empfinden lautes, unregelmäßiges Schnarchen als unbedenklich und meiden daher den Arztbesuch. Liegen dabei Atemaussetzer vor, bestehen jedoch ernsthafte Gesundheitsrisiken“, warnt Prof. Dr. med. Joachim T. Maurer, Schlafmediziner und Hals-Nasen-Ohren-Arzt an der Universitätsklink Mannheim. Im Folgenden beantwortet der Experte die häufigsten Fragen zu der oft unerkannten Schlafkrankheit.

Was sind die Ursachen von obstruktiver Schlafapnoe (OSA)?
„Anders als beim einfachen Schnarchen verengen oder verschließen sich für kurze Zeit die oberen Atemwege, wodurch der Körper nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekommt. Tritt dies mindestens fünfzehnmal pro Stunde für jeweils zehn Sekunden oder länger auf, sprechen Mediziner von einer krankhaften Schlafapnoe. Doch wenn Symptome oder Begleiterkrankungen vorliegen, leiten Mediziner auch bereits bei leichteren Verläufen mit nur fünf Atemaussetzern pro Stunde eine Behandlung ein. Grund für die Luftnot sind hauptsächlich erschlaffende Muskeln in Rachen und Zunge, aber auch zu große Mandeln oder ein zu kleiner Kiefer tragen dazu bei. Ein weiterer Faktor ist Übergewicht, weil sich dadurch an der Zunge und im Hals Fettpolster bilden, die den Rachenraum verkleinern. Abgesehen von körperlichen Ursachen können aber auch Schlaf- und Beruhigungsmittel oder übermäßiger Alkoholkonsum, besonders abends, für eine erschlaffende Muskulatur sorgen.“

Welche Symptome treten auf?
„Betroffene schnappen im Schlaf immer wieder nach Luft, ohne es zu merken. Das kann bis zu mehreren hundertmal pro Nacht passieren, was den benötigten Tiefschlaf erheblich stört. Am nächsten Morgen klagen viele Patienten daher nicht nur über einen trockenen Mund, sondern fühlen sich tagsüber häufig müde, erschöpft und sind wenig leistungsfähig. Bei einigen Menschen geht es sogar so weit, dass sie in monotonen Situationen wie beim Autofahren einschlafen. Laut des ADAC kam es dadurch allein im Jahr 2021 zu 1.500 Verkehrsunfällen mit Personenschaden[2]. Daneben hat der nächtliche Sauerstoffmangel in vielen Fällen negative Auswirkungen auf die Blutgefäße. So treten nicht nur Erektionsstörungen auf, sondern es erhöht sich auch die Gefahr von Schlaganfällen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
„Nach der Diagnose durch einen Facharzt stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung. Bei einer leichten Form der obstruktiven Schlafapnoe reicht es oft bereits aus, Übergewicht zu verlieren und auf Alkohol am Abend zu verzichten. In leichten bis mittelschweren Fällen kann eine Schnarchschiene helfen, die den Unterkiefer und die Zunge weiter vorne hält. Liegt eine schwere OSA vor, erfolgt die Behandlung standardmäßig mit der sogenannten CPAP-Maske, die mit kontinuierlichem Überdruck die Atemwege offen hält. Wegen der Geräusche, der Maske und den Schläuchen schlafen viele Anwender jedoch schlecht. Alternativ bietet die moderne Medizin mittlerweile Zungenschrittmacher wie das Genio-System von Nyxoah. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Neurostimulator, der unter dem Kinn eingesetzt wird. Nach der Aktivierung mithilfe eines speziellen Pflasters stimulieren die Elektroden den hinteren Teil der Zunge und verhindern, dass sie in den Rachen fällt. So bleiben die Atemwege frei, wodurch Betroffene wieder erholsam schlafen. Da weder Batterien noch Steuerungschip implantiert werden, bleibt es bei einer einzigen Operation. Sämtliche Kosten für diese Maßnahme übernehmen sowohl gesetzliche als auch private Krankenversicherungen.“

Weitere Informationen unter www.GenioSleep.de