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Letzte Aktualisierung: 01.07.2022

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Ukraine-Krieg dämpft die Konjunkturerwartungen

Energie- und Rohstoffpreise dominieren die Konjunktur in Hessen

von Karl-Heinz Stier

(19.05.2022) Der Krieg in der Ukraine wirkt sich dämpfend auf die Stimmung in der hessischen Wirtschaft aus. Der IHK-Geschäftsklimaindex – der Lage und Erwartungen der Unternehmen zusammenfasst – sinkt deutlich von 112 auf 98 Punkte. Die 100-Punkte-Marke trennt ein positives von einem negativen Marktumfeld. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage bei 2.700 Unternehmen des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) hervor.

„Für den deutlichen Dämpfer der Konjunktur sind vor allem die schlechten Erwartungen der Betriebe an die kommenden Monate verantwortlich. Ein möglicher Lieferstopp für russisches Erdgas hätte im Laufe der kommenden Monate massive Folgen für die Wirtschaft in Hessen. Viele Unternehmen könnten von Abschaltungen betroffen sein. Zahllose Wertschöpfungsketten könnten instabil werden“, erläutert Frank Aletter, Geschäftsführer des HIHK.

72 Prozent aller Unternehmen betrachten die steigenden Energie- und Rohstoffpreise als großes Risiko für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung. In Industrie und Baugewerbe sind es sogar 90 bzw. 88 Prozent. Weitere Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sind der Fachkräftemangel (52 Prozent) und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (51 Prozent). Einen deutlichen Anstieg auf ein Allzeithoch verzeichnen zudem die Arbeitskosten (41 Prozent). Die Inflation lässt die Unternehmen steigende Lohnkosten befürchten.

Zwischen den Branchen in Hessen gibt es Unterschiede. Vor allem im Baugewerbe und der Industrie, insbesondere bei den Vorleistungsgüterproduzenten, sind die Geschäftserwartungen negativ, auch wenn die Lage noch gut ist. Der Handel bewertet die Konjuktur ebenfalls leicht negativ. Nur die Dienstleister berichten trotz Verlusten von einem noch positiven Marktumfeld. Das bis zuletzt besonders stark von den Corona-Beschränkungen betroffene Gastgewerbe macht einen deutlichen Sprung in Richtung Wachstumsbereich.

„Die hohen Energie- und Rohstoffpreise drücken deutlich auf die Stimmung. Zweidrittel der Unternehmen, die geantwortet haben, haben die Kostenerhöhungen bereits weitergegeben oder planen dies. Eine Verschärfung der Situation durch ein Gas-Embargo sollte daher vermieden werden. Gleichzeitig sollte die Politik weiter überlegen, wie die wirtschaftlichen Folgen der steigenden Energiekosten beherrschbar bleiben können, da sich ein schnelles Ende des Krieges nicht abzeichnet. Deshalb lenken wir den Blick erneut auf mögliche steuerliche Entlastungen“, meint HIHK-Geschäftsführer Aletter abschließend.