Trauer um Sängerin Anny Schlemm
Die Frankfurter Kulturdezernentin und die Oper Frankfurt trauern um die Kammersängerin Anny Schlemm, die im Alter von 97 Jahren verstorben ist und sprechen ihrer Familie sowie allen Weggefährtinnen und Weggefährten ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. Mit ihr verliert Frankfurt eine der bedeutenden Opernsängerinnen der Nachkriegszeit und eine Künstlerin, deren Name über Jahrzehnte eng mit der Geschichte der Oper Frankfurt verbunden war.
Kultur- und Wissenschaftsdezernentin Dr. Ina Hartwig sagt: „Anny Schlemm war eine der großen Stimmen Frankfurts. Über Jahrzehnte hat sie das musikalische Leben unserer Stadt geprägt und zugleich gezeigt, was eine große Ensemblekünstlerin auszeichnet: außergewöhnliche Musikalität, Wandlungsfähigkeit und eine starke persönliche Bühnenpräsenz. Besonders beeindruckend war dabei ihre künstlerische Entwicklung. Aus der jungen Sopranistin wurde im Laufe ihrer langen Karriere eine Sängerin, die sich immer wieder neue stimmliche und darstellerische Räume erschloss und bis ins hohe Alter auf der Bühne präsent war. Ihre großartige Stimme ist nun verstummt. Sie wird als große Frankfurter Künstlerin und Persönlichkeit der Frankfurter Operngeschichte in dankbarer Erinnerung bleiben.“
Die Oper Frankfurt war ihre künstlerische Heimat
Anny Schlemm wurde in Neu-Isenburg geboren und kam Anfang der 1950er Jahre an die Oper Frankfurt, wo sie eine künstlerische Heimat fand. Über Jahrzehnte gehörte sie zu den prägenden Mitgliedern des Ensembles und erlebte dabei auch die Entwicklung der Oper Frankfurt zu einem international bedeutenden Haus.
Der Intendant der Oper Frankfurt, Bernd Loebe erklärt: „Anny Schlemm hatte eine ganz außergewöhnliche Stimme und Bühnenpräsenz. Sie gehörte viele Jahre fest zu unserem Ensemble und bleibt ein Teil des kulturellen Gedächtnisses unseres Hauses und der Stadt Frankfurt. Sie wird fehlen.“
Ihre eigene künstlerische Laufbahn war von einer bemerkenswerten Wandlungsfähigkeit geprägt: Ausgehend vom lyrischen Sopran entwickelte Anny Schlemm sich über das Mezzosopranfach hin zu großen Charakter- und Altpartien. Ihr Weg führte sie auch nach Köln und Berlin und von dort aus an viele Opernhäuser weltweit – sie trat in Moskau, Toronto, San Francisco oder Wien auf. Ihr Repertoire umfasste mehr als 130 Rollen und reichte von Mozart und Verdi über Richard Strauss bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts. Zu ihren herausragenden Partien gehörten unter anderem die Klytämnestra in Elektra, die Herodias in Salome und Mrs. Quickly in Falstaff.
Wandlungsfähigkeit machte Anny Schlemm zu außergewöhnlicher Opernstimme
Gerade diese Fähigkeit, sich im Laufe eines langen Bühnenlebens immer wieder künstlerisch neu zu erfinden, machte Anny Schlemm zu einer außergewöhnlichen Sängerin.
Sie war nicht nur Teil der Geschichte der Oper Frankfurt – sie hat diese Geschichte auch selbst mitgeschrieben. 1999 wurde sie zum Ehrenmitglied der Städtischen Bühnen Frankfurt und im selben Jahr zur Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt Neu-Isenburg ernannt.
In der Saison 2002/2003 schloss sich dann der Kreis: Anny Schlemm beendete ihre Karriere wiederum an der Oper Frankfurt – in der Rolle der Mama Lucia in Mascagnis „Cavalleria Rusticana“.
Ihr künstlerisches Vermächtnis wirkt zugleich in der Förderung nachfolgender Generationen fort: Der nach ihr benannte Anny-Schlemm-Preis, mit dem die künstlerische Nachwuchsarbeit im Opernstudio Frankfurt unterstützt wird, erinnert bis heute an ihre Bedeutung und verbindet ihre Lebensleistung mit der Zukunft des Operngesangs.
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