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Letzte Aktualisierung: 25.01.2022

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Trauer ist keine Krankheit

Eine Leseempfehlung der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand e.V. (igsl).

von Christel Friedrich

(30.12.2021) Der Autor des Buches "Trauer ist keine Krankheit", Thomas Giuliani, ist Bestatter, Trauerredner, Hospitalbegleiter, Präsident der Hospizgruppe Solothurn (Schweiz), Initiator von Trauergruppen, Trauercafes, Tagesausflügen und mehrtätgigen Busreisen. 2008 ließ er sich zum Sterbebegleiter und Jahre später zum Trauerbegleiter schulen. Sein Metier beruflich und im Ehrenamt ist die Begegnung mit trauernden Menschen.

Der Protagonist des Buches ist der 85-jährige Bernhard, den der Tod seiner geliebten Frau völlig aus der Bahn wirft. Erst seine Putzfrau Eva und die Trauerbegleiterin Anita, die beiden Frauen mit dem „hörenden Herzen“, helfen Bernhard, sich seiner Trauer zu stellen und seinem Leben eine ganz andere Wendung zu geben, indem er nach geraumer Zeit selbst zum Trauerbotschafter wird.

Das Buch ist geschrieben für Trauernde, die sich in ihrem Schmerz und in ihrer Trauerhöhle einschließen, die meinen, sie müssten das ganz alleine schaffen oder sich durch Ablenkung Hilfe erhoffen, für Trauernde, die sich als nicht normal oder „verrückt“ empfinden, aber auch für solche, die beim Lesen erkennen, dass sie alles gut und richtig gemacht haben.

Es ist geschrieben für alle, die Angst haben, Trauernden zu begegnen, weil sie nicht die richtigen Worte finden, sich hilflos fühlen, nur Ratschläge erteilen, den Trauernden verändern wollen und es doch so gut meinen. Es ist geschrieben für Menschen, die Trauerbegleiter sein wollen. Es zeigt, wie wenig es braucht, und dass auch Hilflosigkeit eine Begleitung nicht ausschließt, und was den Trauernden wirklich gut tut. Und auch, wie sinnstiftend sich eine empathische, herzliche und liebevolle Begegnung auf den Begleiter auswirken kann.

Welche Botschaften sendet das Buch aus? Dass Trauer keine Krankheit ist, sondern die Antwort der Seele auf Verlust; dass es nie zu spät ist, sich ihr zu stellen; dass ein Verharren im Schmerz verhindert, dass andere Gefühle wie Liebe, Freude, Lebenslust, Dankbarkeit frei fließen können; dass auch Betroffene auf Menschen zugehen können, die ihnen ausweichen; dass durch Verluste neue Wege gegangen werden können, und dass nicht nur der Tod eines geliebten Menschen betrauert gehört, sondern die vielen anderen Abschiede, die wir im Laufe unseres Lebens erfahren müssen.

Im Buch lernt Bernhard nach und nach die Angebote für Trauernde der ortsnahen Hospizgruppe kennen. Er nimmt die Lesenden mit hinein und zeigt die hilfreichen Möglichkeiten auf, die für ihn bedeutend waren, die halfen sich dem Leben wieder zuzuwenden, im Wissen, dass die Trauer nie endet und damit auch die Liebe.

Dieses Buch musste geschrieben werden.

(Christel Friedrich, Ambulante Hospizgruppe Dreiländereck, IGSL-Wegbegleiter 4/2021, info-@das-patientenforum.de)