Tipps für pflegende Angehörige: So beugen Sie Stress vor
Foto: Pixabay / Aldren Gamalo
Sind die pflegenden Angehörigen erst einmal chronisch überlastet, wirkt sich das oft auch auf die Qualität der häuslichen Pflege aus. Sind Sie selbst in einer solchen oder einer ähnlichen Situation? In diesem Artikel verraten wir, wo Sie Unterstützung erhalten und wie Sie Ihren Stresspegel bei der Betreuung Ihrer Angehörigen so niedrig wie möglich halten.
Pflegende Angehörige: Definition
Als pflegende Angehörige betitelt man Personen, die sich vorwiegend um die Betreuung eines hilfsbedürftigen Verwandten kümmern. Eine gesetzliche Definition dafür, ab wann man “Pflegender Angehöriger” ist, gibt es jedoch nicht. Grundsätzlich erhält man diese Bezeichnung dann, wenn die Pflege vorwiegend in häuslicher Umgebung stattfindet und man sich regelmäßig daran beteiligt. Eine Pflegehilfe für Senioren in Frankfurt kann dabei Unterstützung leisten.
Die Vorteile der häuslichen Betreuung
Einen Angehörigen auf diese Art und Weise zu pflegen, bringt verschiedene Vorteile mit sich. So ist es den Pflegebedürftigen beispielsweise möglich, in ihrer gewohnten Umgebung zu bleiben, was maßgeblich zum Wohlbefinden beitragen kann. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass pflegebedürftige Personen und ihre pflegenden Angehörigen sehr viel Zeit miteinander verbringen. Dies entspricht auch dem Wunsch vieler Pflegebedürftiger. Stationäre Einrichtungen kommen oft nur als Ausnahme im Notfall infrage.
Gibt es auch Nachteile?
Die Pflege eines Angehörigen kann natürlich auch Nachteile, wie zum Beispiel eine große Belastung, mit sich bringen. Diese ist zum Beispiel körperlicher, finanzieller oder sogar geistiger Natur. Dabei spielen sowohl die eigene Situation als auch die der pflegebedürftigen Angehörigen eine große Rolle. Es ist deswegen angebracht, die im Folgenden beschriebenen Punkte abzuklären, um einer Überbelastung durch häusliche Pflege bestmöglich vorzubeugen:
- körperliche und geistige Verfassung: Als pflegender Angehöriger sollten Sie sich bewusst machen, in welchem Umfang die Pflege ausfällt. Zudem ist es wichtig, dass Sie sich über Ihre eigenen körperlichen und psychischen Grenzen bewusst werden. Mithilfe eines speziellen Pflegekurses können Sie sich Klarheit verschaffen und erhalten eine gute Vorbereitung auf die Pflege Ihres oder Ihrer Angehörigen.
- finanzielle Situation: Lassen Sie den Pflegegrad Ihres oder Ihrer Angehörigen so schnell wie möglich bestimmen. Achten Sie dann darauf, sämtliche Pflegeleistungen durch die Pflegekasse sowie eine Rentenbeitragszahlung zu beantragen.
- schlechte Wohnsituation: Stolperfallen im Wohnraum Pflegebedürftiger können verheerend sein. Sie können dann eine Wohnraumanpassung durchführen lassen. Auch über den Gebrauch von Hilfsmitteln, wie zum Beispiel Rollstuhl oder Rollator, sollte ernsthaft nachgedacht werden.
Wie wird der Pflegegrad bestimmt?
Der wichtigste Schritt bei einem Pflegefall in der Familie ist das Beantragen von Leistungen bei der Pflegeversicherung. Dazu müssen Sie zunächst mit der zuständigen Pflegekasse in Kontakt treten. Im Anschluss wird ein Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) damit beauftragt, im Rahmen eines Hausbesuchs zu prüfen, ob und in welchem Ausmaß eine Pflegebedürftigkeit besteht. Je nach bestimmtem Pflegegrad stehen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen eine Reihe von Leistungen zu.
Pflegegrad 1 – 5
Um zu verstehen, was es mit den unterschiedlichen Pflegegraden auf sich hat, sehen Sie sich am besten die folgende Übersicht an:
- Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit speziellen Anforderungen an die Pflegeversorgung
Stress in der Pflege: So lassen sich Warnsignale frühzeitig erkennen
Die Äußerung von Stress kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Typische Symptome sind zum Beispiel:
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Magenbeschwerden
- Sozialer Rückzug
- Gefühle wie Traurigkeit, Ärger und Verzweiflung
Was als Stress erlebt wird oder nicht, ist abhängig von der eigenen subjektiven Bewertung der Anforderungen. Das bedeutet, dass Aufgaben in der Pflege, die für den einen Stress bedeuten, bei einer anderen Person unter Umständen keine Stresssymptome auslösen.
Tipps für ein gelungenes Zeitmanagement in der Pflege
Unter einem Zeitmanagement wird die Selbststeuerung eigener Aufgaben in einem bestimmten zeitlichen Rahmen verstanden. Neben der Pflege der Angehörigen gehören dazu auch alle To Dos, die das eigene Leben betreffen. Setzen Sie sich unbedingt realistische Ziele, um keine negativen Gefühle durch Misserfolge hervorzurufen. Sich um eine pflegebedürftige Person zu kümmern bedeutet auch, dass zum Teil unerwartete Dinge eintreten können – nicht alles ist planbar, wenn es um Krankheit oder Hilfsbedürftigkeit geht.
Wir raten dazu, nur 60 Prozent der verfügbaren Zeit genau zu strukturieren, während die restlichen 40 Prozent übrig bleiben, um auf unvorhersehbare Ereignisse zu reagieren. Vielen Menschen hilft es, einen Plan auszuarbeiten, bevor sie mit ihren Aufgaben in der Pflege beginnen. Hierbei kann die sogenannte A-L-P-E-N-Methode helfen:
- Aufgaben auflisten
- Länge/Zeitbedarf schätzen
- Pufferzeiten einplanen
- Entscheidungen über Priorität treffen
- Nachkontrolle des Plans
Oftmals passiert es in besonders stressigen Zeiten, dass nicht erkannt wird, an welchen Stellen man Hilfe bei der Pflege oder anderen Aufgaben des täglichen Lebens annehmen kann. Auch die Unterscheidung von wirklich wichtigen Aufgaben und solchen, die gerade weniger wichtig sind, fällt dann häufig schwer. Hier kann es helfen, sich immer wieder folgende Fragen zu stellen (auch als sogenannte “Königsfragen” bezeichnet):
- Muss ich das jetzt machen?
- Muss das so sein?
- Muss ich das machen?
- Muss das überhaupt jemand tun?
Hilfe für pflegende Angehörige
Wenn Sie bemerken, dass Ihnen die Pflege Ihrer Angehörigen trotz der oben genannten Tipps zu viel wird, können Sie auch auf eines der folgenden Hilfsangebote zurückgreifen:
Ambulanter Pflegedienst
Die ambulanten Pflegedienste bieten ein breites Spektrum an verschiedenen Leistungen, durch die man Sie bei Ihren Pflegetätigkeiten unterstützen wird. Dazu zählen Leistungen wie körperbezogene Pflegemaßnahmen (Ernährung, Körperpflege) ebenso wie pflegerische Betreuungsmaßnahmen und häusliche Krankenpflege (Medikamentengabe, Verbandswechsel). Je nach individuellem Bedarf kümmern sich ambulante Pflegedienste einmal oder mehrmals die Woche, mitunter aber auch täglich, um pflegebedürftige Menschen.
Besuchsdienste
Besuchsdienste sind soziale und kostenlose Angebote, die von freiwilligen Helfern durchgeführt werden. So lässt sich verhindern, dass pflegebedürftige Angehörige vereinsamen. Wichtig zu wissen ist, dass die Helfer keine pflegenden Tätigkeiten ausführen, dafür jedoch die Freizeit des zu pflegenden Angehörigen aktiv gestalten. Dies verschafft Ihnen mehr Zeit für andere Aufgaben in Ihrem Leben.
Teilstationäre Pflege
Die teilstationäre Pflege wird auch als Tages- und Nachtpflege bezeichnet. Die Pflegeeinrichtungen versuchen, sich nach Ihren zeitlichen Wünschen zu richten. Dabei ist es möglich, Ihren Angehörigen sowohl tagsüber als auch nachts in die Pflegeeinrichtung zu geben. Dieses Angebot kann aber auch für einige Tage oder für einen bestimmten Tag in der Woche angenommen werden, was es Ihnen ermöglicht, ausreichend Pausen von Ihrer pflegerischen Tätigkeit zu erhalten.
Das Fazit: Bei der Pflege von Angehörigen Hilfe in Anspruch nehmen
Die meisten pflegenden Angehörigen haben zusätzlich einen Vollzeitjob und ihre eigene Familie. Dieses hohe Maß an Verantwortung kann letztlich dazu führen, dass die Gesundheit der pflegenden Angehörigen unter Stress leidet. Umso wichtiger ist es, alle wichtigen Leistungen in Anspruch zu nehmen, die einem selbst und der pflegebedürftigen Person zustehen. Damit gemeint sind zum Beispiel Hilfen, die sich direkt auf die pflegerischen Aktivitäten beziehen.
So kann es hilfreich sein, eine teilstationäre Pflege oder Besuchsdienste zu veranlassen. Auch ein ambulanter Pflegedienst ist in vielen Fällen hilfreich und entlastet die pflegenden Angehörigen.
Weitere Artikel aus der Kategorie: