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Letzte Aktualisierung: 13.04.2021

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Tipps für die psychische Gesundheit

Zweiter Lockdown verschlechterte Krankheitsverlauf bis hin zu Suizidversuchen

von Heike Friedewald

(24.03.2021) Die Corona-Maßnahmen führen zu massiven Einschnitten in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen und zu einer wegbrechenden Alltagsstruktur, die für diese Patienten besonders wichtig ist. Aktuell berichten 44 Prozent der Menschen mit diagnostizierter Depression von einer Verschlechterung ihres Krankheitsverlaufs in den letzten sechs Monaten bis hin zu Suizidversuchen. Auch für die Allgemeinbevölkerung ohne psychische Erkrankung ist die Situation aktuell deutlich belastender als im ersten Lockdown.

Bildergalerie
Krankheitsverlauf depressiv Erkrankter während der Pandemie verschlechtert
Foto: Stiftung Deutsche Depressionshilfe
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Schlechtere Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen durch Corona
Foto: Stiftung Deutsche Depressionshilfe
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Immer mehr ziehen sich zurück, die Sorgen um die berufliche Zukunft und die familiäre Belastung nehmen zu. Das zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Sondererhebung von „Deutschland-Barometer Depression“ – eine jährliche, repräsentative Bevölkerungsumfrage zu Depression, die 2017 von Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Deutsche Bahn Stiftung initiiert wurde. Befragt wurden 5.135 Personen zwischen 18 und 69 Jahren aus einem repräsentativen Online-Panel im Februar 2021.

Schlechtere Versorgung von Patienten mit psychischen Erkrankungen

Die Corona-Maßnahmen führen zu massiven Einschnitten in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen: 22 Prozent  der Befragten in einer depressiven Phase berichten von ausgefallenen Facharzt-Terminen in den letzten sechs Monaten (September 2020 – Februar 2021), bei 18 Prozent fiel ein Termin beim Psychotherapeuten aus. 21 Prozent der Betroffenen geben an, von sich aus Behandlungstermine aus Angst vor Ansteckung abgesagt zu haben (plus acht Prozentpunkte im Vergleich zum ersten Lockdown). Die schon vor der Pandemie angespannte Versorgungslage psychisch erkrankter Menschen hat sich weiter verschärft: 22 Prozent der Menschen in einer akuten depressiven Krankheitsphase geben an, keinen Behandlungstermin zu bekommen. Im ersten Lockdown waren es 17 Prozent.

Fehlende Tagesstruktur und zu lange Bettzeit begünstigen Depression

Für Menschen, die sich gerade in einer depressiven Krankheitsphase befinden, hat der zweite Lockdown besonders negative Auswirkungen. Fast alle berichten über fehlende soziale Kontakte (89 Prozent, plus 15 Prozentpunkte seit dem ersten Lockdown), Bewegungsmangel (87 Prozent, plus sieben Prozentpunkte) oder verlängerte Bettzeiten (64 Prozent, plus neun Prozentpunkte). „Für Depressionspatienten sind Bewegung, ein geregelter Tagesablauf und ein fester Schlaf-Wachrhythmus wichtige unterstützende Bausteine in der Behandlung. Wenn diese wegbrechen, kann das den Krankheitsverlauf der Depression negativ beeinflussen“, erläutert Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Inhaber der Senckenberg-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Lockdown führt zu Rückfällen bis hin zu Suizidversuchen

Insgesamt 44 Prozent der Befragten mit diagnostizierter Depression geben an, dass sich Corona-bedingt ihre Erkrankung in den letzten sechs Monaten verschlechtert habe. Jeweils 16 Prozent der depressiv Erkrankten berichten von einem Rückfall oder einer Verschlechterung der depressiven Symptomatik. Acht Prozent hatten Suizidgedanken oder suizidale Impulse. Unter den Befragten mit diagnostizierter oder selbst-diagnostizierter Depression (N = 1.994) berichten sogar 13 Personen, im letzten halben Jahr einen Suizidversuch unternommen zu haben. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung würde das allein für diese Gruppe Betroffener circa 140.000 Suizidversuche innerhalb eines halben Jahres ergeben.

„Die Maßnahmen gegen Corona führen zu Versorgungsdefiziten und depressions-spezifischen Belastungen, die gravierende gesundheitliche Nachteile für die 5,3 Millionen Menschen mit Depression in Deutschland bedeuten. Besonders die Zahl der Suizidversuche bereitet mir Sorge. Es ist dringend notwendig, bei der Entscheidung über Maßnahmen gegen Corona den Blick nicht nur auf das Infektionsgeschehen zu verengen. Es müssen auch Leid und Tod systematisch erfasst werden, die durch die Maßnahmen verursacht werden“, sagt Prof. Hegerl. Eine systematische, repräsentative Erhebung der Suizidversuche wäre hier ein Baustein.

Psychische Belastungen der Deutschen steigen im Vergleich zum ersten Lockdown

Auch für die Allgemeinbevölkerung ist die Situation belastender als je zuvor: 71 Prozent der Bundesbürger empfinden die Situation im zweiten Lockdown bedrückend. Im ersten Lockdown waren es 59 Prozent, im Sommer 2020 sogar nur 36 Prozent der Bundesbürger. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Deutschen erlebt seine Mitmenschen als rücksichtsloser (im ersten Lockdown 40 Prozent). Jeder dritte hat Sorgen um seine berufliche Zukunft. Familiär stark belastet fühlen sich im Februar 2021 exakt 25 Prozent der Befragten, im Sommer 2020 waren es nur 16 Prozent.

Tipps für die psychische Gesundheit

Um besser mit der belastenden Situation umzugehen, kann für Menschen mit und ohne Depression ein Wochenplan hilfreich sein. Darin werden stundenweise die Aktivitäten für jeden Tag eingetragen, neben Pflichten sollte dabei auch Angenehmes eingeplant werden. „Manche können in der Corona-Krise auch Chancen entdecken und sich einem neuen Hobby, Sport oder einem dickeren Buch zuwenden. Wichtig ist auch ein geordneter Schlaf-Wachrhythmus mit Bettzeiten, die bei ca. acht bis neun Stunden liegen sollten“, empfiehlt Prof. Hegerl. „Längere Bettzeiten und ein Sich-tagsüber-Hinlegen führen bei den meisten depressiv Erkrankten zu einer Verschlechterung der Depression und zunehmenden Schlafstörungen“, so Prof. Hegerl.

Informations- und Hilfsangebote für Menschen mit Depression

• Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression unter www.deutsche-depressionshilfe.de
• deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
• fachlich moderierte Online-Foren zum Erfahrungsaustausch für Erwachsene www.diskussionsforum-depression.de und junge Menschen ab 14 Jahren www.fideo.de

Über die Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Ziel der 2008 gegründeten Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist es, einen wesentlichen Beitrag zur besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen und zur Reduktion der Zahl der Suizide in Deutschland zu leisten. Vorstandsvorsitzender ist Prof. Dr. Ulrich Hegerl, der auch die Senckenberg-Professur an der Goethe-Universität Frankfurt innehat. Die Schirmherrschaft hat der Entertainer und Schauspieler Harald Schmidt übernommen. Neben Forschungsaktivitäten bietet die Stiftung Betroffenen und Angehörigen vielfältige Informations- und Hilfsangebote wie das Diskussionsforum Depression und das deutschlandweite Info-Telefon Depression (0800 33 44 5 33). Unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe koordiniert das Deutsche Bündnis gegen Depression zahlreiche lokale Maßnahmen: In über 87 Städten und Kommunen haben sich Bündnisse gebildet, die auf lokaler Ebene Aufklärung über die Erkrankung leisten. www.deutsche-depressionshilfe.de

(www.deutsche-depressionshilfe.de)

Originalpublikation:

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/forschungszentrum/deutschland-barometer...